Schon länger wollte ich darüber mal schreiben, und nun passt es aus mehreren Gründen. Bei der U5 vorletzte Woche sprach ich nämlich bei unserer Ärztin an, was mir schon länger komisch vorkommt: Mr.Mini schläft sehr viel. Und mit viel meine ich weniger viel am Stück, als eher oft. Wirklich oft. Sicher 5, 6 Mal tagsüber, zwischen 30min und 2 Stunden. Das ergibt täglich je nach Zusammenstellung 14-18 Stunden, und mir kam das eigentlich schon viel vor. Also nicht die 14, das ist das was ich so irgendwie normal fände, sondern eher die 18, die er durchaus öfter schafft.
Nervig dabei ist vor allem, dass, obwohl er eigentlich recht gut einschläft, ich ihn ja dauernd ins Bettchen/Nonomo bringen muss, dann bis zu 15 Minuten beschäftigt bin bis er schläft, und dann ist er nach 30 Minuten wieder wach, um ne Stunde drauf schon wieder raunzig und müde zu werden. Find das einfach nervig, da er dann auch nur noch mit 300% Bespaßungs-Rundum-Programm (hardcore singen+tanzen+kaspern) irgendwie bei Laune zu halten ist, meistens ist aber trotzdem alles begleitet von klagendem Dauer-hüüüüh-hüüüüüüh (dieses hohe, klagende, hohle Pienz-Geräusch, das einem ziemlich aufn Senkel geht wenn mans mal ne knappe Stunde am Stück hört). Er ist dann nach eben dieser durchschnittlichen Stunde, die er am Stück *wach* ist, nur noch anstrengend und unzufrieden mit alles und jedem. In der Regel funktioniert dann prächtig: Rausgehen, Spazieren oder Autofahren. Dort ist er ein wenig mit Umgucken beschäftigt, schläft dann ein, etwa 30 Minuten, und ist dann wieder für eine hoffentlich ganze Stunde wach. Klingt ja super, mach ich täglich. Aber bittedanke 5, 6 mal täglich ertrag ich das nicht, hauptsächlich weils einfach kein Spaß ist ihn vom 3.OG dauernd runterzuhieven im MaxiCosi oder wahlweise Manduca.
Das war dann auch die Kernfrage der Ärztin: Schlafen darf er schon so viel, wenn er dann wenigstens wach und fit ist wenn er wieder aufwacht. Ich hab dann nur so “naja, er wird dann schon oft schnell raunzig” geantwortet. Im Nachhinein ärger ich mich drüber nicht konkreter gewesen zu sein, aus .. na, nennen wirs Scham: er wird nach einer Stunde fast unerträglich anstrengend, Punktum. Sie meinte, wenn sich das in den nächsten Wochen nicht ändert machen wir mal ein Blutbild und kontrollieren den Eisenwert. So weit so gut. Wäre ich klug gewesen, hätte ich gleich gesagt: ne dann bitte doch gleich, da is was nicht koscher.
Dass da eben was nicht ganz stimmt wurd mir so erst klar, als ich daheim dann mal mehr drauf geachtet hab. Er ist einfach wirklich nicht fit. Er ist ständig schläfrig, unmotiviert nach kürzester Zeit, und ich glaube wirklich nicht dass das seine *Art* ist, sondern dass er eben schnell, zu schnell, erschöpft ist. Ich bilde mir auch ein, das war schon mal besser. Ich bilde mir weiters ein, besonders schlimm ists seit ich nicht mehr stille.
Und das würde durchaus Sinn machen, denn mit dem Eisen ists so eine Sache. Ich hab da so viel drüber gelesen, so viel Unsinn und so viele Halbwahrheiten, dass mir die Haare kraus zu Berge stehen. Ich find das immer dramatisch, wenn Halbwissen propagiert wird, oder Donut-Wahrheiten: Die Wahrheit, aber mit einem großen Loch in der Mitte. Eine Donut Wahrheit wäre: Fleisch ist für Babys überflüssig, Hirse enthält mehr Eisen. Donut-Wahrheit. Doch dazu später mehr.
Warum es Sinn machen würde, dass sein Eisenvorrat seit ich gar nicht stille kontinuierlich abnimmt? Nun, Muttermilch enthält zwar im Vergleich zu Flaschenmilch tatsächlich etwas weniger (Brutto)-Eisen, aber die Verwertbarkeit dessen ist deeeeuutlich besser, also – das Netto vom Brutto. Es hälfe ja auch nix, wenn etwas zu 100% aus Eisen besteht, und ich davon 0% aufnehmen kann. Da hilfts mehr, wenn etwas 1% hat, was ich vollständig verwerten kann. Also – Muttermilch Eisen wird vom Baby zu einem extrem hohen Prozentsatz verwertet, zusätlich mit dem Speicher den ein Baby bei Geburt hat ist es relativ unwahrscheinlich, dass ein voll- oder vielgestilltes Baby in seinem ersten Lebensjahr einen Eisenmangel bekommt (unwahrscheinlich, aber keinesfalls unmöglich!!). Der fast doppelte Eisenwert der Flaschenmilch hingegen wird zu zu einem geringen Prozentsatz aufgenommen, der hohe Startwert ist also bei Weitem nicht so *wertvoll*.
Jetzt.. und darüber scheiden sich die Geister.. finde ich es entsprechend wichtig, einem nichtgestillten Baby schon rechtzeitig alternative Eisenquellen zur Verfügung zu stellen. Allgemein gültig ist dazu Fleisch essentiell, das bedeutet – wichtig und durch nichts anderes ersetzbar. Und da kommt die breitgetretene Donut-Wahrheit, Hirse wäre wertvoller weil höherer Eisengehalt. Blabla. Wie vorher, der Brutto-Gehalt ist höher, ja, aber wird vom Körper wesentlich weniger aufgenommen. Man nennt das Bioverfügbarkeit: was der Körper aus dem Lebensmittel tatsächlich rausholen kann. Der Grund, warum Eisen aus Fleisch besser aufgenommen wird als aus zB Hirse, ist die Art des Eisens: In Fleisch und Fisch ist zweiwertiges Eisen enthalten, das zu 15-35% aufgenommen wird, dreiwertiges Eisen, das in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten ist kann nur zu 2-20% aufgenommen werden. In rein pflanzlicher Kost kommt daher, leicht nachzuvollziehen, gar kein zweiwertiges Eisen vor. Dieses hat aber noch einen netten Zusatzeffekt: bei gleichzeitiger Aufnahme von dreiwertigem Eisen wird die Aufnahme jenes’ auch noch erhöht. Also: Wer Fleisch zu Kartoffeln ist, hat “EisenausFleisch+EisenausKartoffel+ZusatzeisenausKartoffel”. Sollte soweit jedem verständlich sein, dass das mehr ist als “EisenausKartoffel”.
Oft wird dann zurecht gesagt, dass der Dreh-und Angelpunkt der Eisenaufnahme die Nahrungsmittelzusammenstellung ist. Es gibt Lebensmittel, die die Eisenaufnahme bremsen, und solche die sie begünstigen. Nur davon hänge alles ab. Donut-Wahrheit.
Während Milchprodukte Eisen-Killer sind, gibt das Vitamin C aus Obst einen wahren Boost. Die Verwertbarkeit von dreiwertigem Eisen wird drastisch gesteigert, und zwar um das 2-4fache. Und der Denkfehler ist nun wieder offensichtlich. Der Boost gilt für vegetarische und Mischkost. Also, wo ist mehr drin?
“EisenausFleisch+2-4xEisenausKartoffel+ZusatzeisenausKartoffel” ….. oder …… “2-4xEisenausKartoffel”
Ich war kein Mathematik Genie, aber das kann sogar ich ausrechnen.
Insgesamt ergibt es, dass durchschnittlich 10% Eisen aus vegetarischer Kost, 18% aus Mischkost tatsächlich zur Verfügung steht.
Übrigens gilt selbstverständlich folgende Rangreihung:
Ausgewogene Mischkost > ausgewogene vegetarische Kost > schlampige Mischkost > schlamige vegetarische Kost > schlampige Fleischkost.
Daher bin ich dieses ständige “vegetarisch ist gesünder” derart leid, weil es nur die 2. und 3. Kategorie berücksichtigt. Selbstverständlich ist es besser, auf seine Ernährung zu achten und Vegetarier zu sein, als einfach reinzufressen was einem vor die Nase kommt. Die Statistik, dass Vegetarier gesünder sein wird durch einen erheblichen Störfaktor, nämlich “Wissen um gesunde Ernährung” verfälscht. Denn der Prozentsatz aus der Grundgesamheit durchschnittlicher Vegetarier, die sich mit Ernährung auseinander gesetzt haben, ist deutlich höher als der Prozentsatz unter den durchschnittlichen (und leider oft sehr uninformierten) Allesfresser. (Nur der Vollständigkeit halber ergänze ich Fleischfresser, meine damit Gemüseverweigerer die sich von Fett, Eiweiß und Zucker ernähern; das jetzt “Fleischfresser” zu nennen ist vielleicht ein wenig gemein, aber streicht einfach den Gegensatz an der Stelle ein wenig raus..)
Während ich denke, dass es prinzipiell egal ist, ob man Vegetarier ist oder nicht, solange man darauf achtet was man isst, denn in beiden Fällen sind Mangelerscheinungen in unserer Bevölkerung eher selten, darf man bei Kindern (Babys) schon ein bissl pingeliger sein. Da passierts einfach schneller dass was ausm Gleichgewicht kommt und so schnell nicht mehr (von selbst) grade kommt, und die Konsequenzen sind einfach schlimmer. Eisenmangel beispielsweise erhöht die Anfälligkeit für (kleinere und größere) Infekte. Als Erwachsener ist das lästig, bei kleinen Babys eher unschön. Vor allem, weil sich dadurch der Eisenspeicher wieder verringert und ein unguter Teufelskreis entsteht.
Auch das entscheiden alle Eltern selbst, aber: ich werde den Teufel tun und mein Baby einseitig ernähren. Ich werde ihm genausowenig nur Gemüse füttern wie ich ihm nur Fleisch füttern würde. Sehr wahrscheinlich ist mein Baby der Spezies Homo angehörig, damit Allesfresser und somit Mischkostempfänger. Ich kann durchaus tolerieren, wenn jemand aus politischen Gründen seinem Kind kein Fleisch gibt, es ist durch kontrollierte fleischfreie Diät (und nichts anderes ist es, in einer Diät wird ein sonst wichtiges Nahrungsmittel konsequent gestrichen) und gegebenenfalls Überwachung hierzulande ohne (gröbere) Probleme möglich. Aber ich mag dann nicht hören “weil es gesünder/besser ist”, das finde ich so lächerlich, dass ich da gar nicht weiter reden mag. Ich mag einfach nicht, wenn man Donut Wahrheiten weitergibt, das ist wie Bild-Zeitung predigen.
Dass es natürlich bei Fleisch, wie auch Gemüse und Getreide unabdingbar ist, auf die Herkunft zu achten, ist denke ich so selbstverständlich dass ich es nicht erwähnen muss. Ist auch eine Haltung, oder politische Ansicht: entweder man kauft Fleisch beim Metzger der aus der Schlachterei um die Ecke bezieht, das Gemüse ausm BioLaden.. oder man holt jeweils das billigste ausm Supermarkt. Ich gehe davon aus, dass auch das Supermarkt-Baby nicht dran sterben wird, und würde niemanden verurteilen, der den Standpunkt bezieht: lieber günstig frisch kochen als nur Glaskost. Ich verurteile auch keine Glaskost Mamas (ich stelle immer mehr fest wie schockierend wenig in den Gläschen drin ist: selbst die Gemüsegläschen bestehen zur mehr als der Hälfte aus Wasser, das ganze wird dann mit Reis eingedickt damits nicht davonfließt, und in den Getreideobstgläschen ist zB heiße 4% Hirse drin, einseinself!!), das ist einfach Entscheidung. Aber entweder steht man dazu, sich nicht genau informiert zu haben, oder man hat sich informiert und dann eine Entscheidung aufgrund dessen getroffen. Aber wer seine Entscheidungen nach BildZeitung (als Synonym für nicht vertrauenswürdige Quellen) Konsum trifft ist für mich – bitte entschuldigt – nicht ernst zu nehmen. (Ausnahme: wenn jemand allerdings etwas falsches gelesen hat, und in einem Gespräch feststellt, dass da Widersprüche sind, und sich Dinge erklären lässt oder noch besser selbst treffend anliest, ist davon selbstverständlich ausgenommen. Es ist fast unmöglich, sich niemals falsch zu informieren, wenn man bedenkt wie viele Falsch-Informanten im Netz ihr Unwesen treiben.)
Um meine Überlegung zu vegetarischer Babykost noch zu beenden: richtig ärgerlich finde ich Argumente von militanten Vegetariern (sozusagen die Inquisition), die neben den vielen Vorwürfen die auf Mischkostler einprasseln, folgendes anpreisen… Kühe hätten auch keinen Eisenmangel und fressen ja auch nur Gras. *gähn* Ist das zu lächerlich, oder soll ich was dazu schreiben? Es ist ja auch jedem als Selbstexperiment überlassen, sich mal nur von Eukalyptus zu ernähren, den Koalas bekommts ja auch. Alternativ auch mal nur von Mäusen/Hasen/Vögel (natürlich MIT Fell und Mageninhalt, ganz nur Fleischfresser sind sie ja auch ned – die Kuh darf dafür die fleischigen Marienkäferl und Regenwürmer behalten), Katzen gedeihen ja in freier Wildbahn spitze. Und nicht zu vergessen: in vielen Ländern der Welt bekommen Babys auch gar kein Fleisch und werden groß (aber nur die die nicht vorher sterben).
So, und nun steh ich da: ich Verfechter der Mischkost, und habe ein Baby, das scheinbar Eisenmangel hat (ich mutmaße bloß, werde mir einen neuen Termin geben lassen für die Lösung). Mr.Mini bekam seit Mitte März Gemüse, fast gleichzeitig keine Muttermilch mehr, seit einem knappen Monat Fleisch, seit etwa 3 Wochen Getreide, nach anfänglichem Reis bin ich schnell auf nur-Hirse umgestiegen. Seit gestern gibts auch Nachmittagsbrei, um ihm eben Hirse+C zu bieten, milchfrei. Der Brei war wie erwartet kein Problem, nur dass er trotzdem nichts trinkt schnappt mir jetzt besonders ans Bein… Da zeigt sich sehr deutlich: es kommt auf den Einzelfall an. Ich bin mir 100% sicher, dass es schlampig vegetarisch ernährte Babys gibt, denens an nix fehlt, und Babys die alles bekommen was sie brauchen könnten (egal wie ernährt) wo dann trotzdem was fehlt. (Beides sind aber die kleinen Randkategorien, man hat dann entsprechendes “Glück” sich in einer solchen zu befinden *brumm*)
Trotzdem hoffe ich nun, dass wir mit Rindfleisch und Hirse und Obst (die “Geheimwaffen-Kombi”) alles hinbekommen, und keine Medikamente brauchen… *fingerkreuz*
.
Auf bald,
Hummelchen
PS: Wer allerdings die Geheimwaffe für trinkfaule Babys hat – nur her damit! Ich bin zu fast allem bereit! (ZB kriegt er sein Nachtischobst 50:50 verwässert, das mag er üüüberhaupt nicht, aber das geht grad noch so rein.. )
PPS: Du hast ernsthaft bis HIERHER alles durchgelesen? Mal dir ein gedankliches Sternchen ins gedankliche Fleißheft! ;-P