Gedanken

Absolution gratis


Guten Abend!
Heute kommt wieder ein Teil der „Philosophien“, die ich schon vor längerer Zeit notiert hatte. Mir is wieder aufgefallen, dass da noch ungepostete waren, und eins davon kommt heute. Achtung, ist etwas länger geworden…

(notiert am 29.05.11):Ihr habt vielleicht schon festgestellt, die philosophischen Gedanken die ich mir da so mache, das sind keine greifbaren. In erster Linie „bringen“ sie auch nichts, also nicht der Gedanke per se. Ich meine, hilft es mir schwanger zu werden wenn ich zu einer (fiktiven? vorgestellten?) Seele sage, dass ich verstehe dass sie nicht wollte, sie aber sicher sein kann ab nun willkommen zu sein? Na vermutlich nicht.

Aber mir hilft es. Und was mir hilft, hat Auswirkungen auf mich, auf die Situation, auf alles eben! Schließlich kann niemand beweisen, welche Version richtig ist, und darum wähle ich für mich die, die mir Vorteile und Annehmlichkeiten bringt. (Das antworte ich im Übrigen auch immer auf die Gretchenfrage.)

Krass, ich habe mich etwa einen Arbeitstag lang (ja, mir war ein wenig langweilig) damit beschäftigt, und mich schon beim Heimfahren so viel befreiter gefühlt. Als hätte ich den Ballast schlechter Gedanken fallen lassen. Etwas, das mir niemand erklären konnte, WIE ich es machen soll. Und nun hatte ich die Antwort: Vorstellungen, Phantasie (im Sinne von etwas in Richtung „phantastisches Denken“ – nein ich bin nicht schizophren), und Erklärungen. Und plötzlich, schwupps, geht alles leichter. Boah. Ich kann mir die Welt (des Kinderwunsches) ein wenig erklären, ein wenig anders, ich mache sie mir so, dass ich mich besser darin zurecht finde und es für mich angenehmer wird. Ich denke mir das Warten zum Prozess.

Aber ich schweife ab… Heute geht es um etwas Anderes. Ich habe zuletzt über erwünscht-willkommen geschrieben, und in dem Zusammenhang wurde mir etwas klar: Ich war als Baby/Kind erwünscht, geplant.. und dann nicht willkommen. Zumindest in den Augen meiner Mutter. Ich schließe das aus ihrem Verhalten, fragen kann ich sie nicht (und selbst wenn könnte sie mir nicht antworten). Naja, und der Rest ergab sich. Ich will jetzt hier nicht jammern, aber sie ist das gewesen, was ich gemeinhin als sehr schlechte Mutter beschreiben würde. Wegen psychischer Erkrankungen und Suchtproblematik, sowie ausgeprägtem Messie-Tum weiß ich nicht wieviel von den Schlägen und diversen „Psychoterror“-Aktionen ich allein ihr anlasten kann, aber Tatsache ist zumindest das sie die Quelle dieser ganzen Dinge war. Darf ich das das so hier schreiben? Hm..
Ach, wichtig… Mein Vater ist… unsichtbar geworden in solchen Situationen, hat es nicht sehen wollen, nicht glauben wollen, und selbst heute wenn er Dinge WEISS, weil sie sie gestanden hat, vergisst er sie wieder und behauptet sowas wäre nie passiert. Nunja.

Trotzdem, zu ihm hatte ich immer ein (gleichwie getrübtes) sehr gutes Verhältnis, immerhin repräsentiert er *meine* Familie. Sie war für mich relativ früh „gestorben“, verzeiht meine Direktheit, und seit ich mit 17 von daheim weg bin ist sie kein Teil mehr in meinem Leben. Ich spreche auch seit Jahren gar nicht mehr mit ihr. Das wiederum wirkt sich auf die Beziehung zu meinem Vater aus, der ja, abstreitend dass da je was war, mir die Schuld für sämtlich damit auftretenden Schwierigkeiten gibt. Es gibt jedes Jahr Riesenkrach weil ich ihr nicht zum Muttertag gratuliere.

Ich habe diesen Hass, oder Groll jetzt schon so lange.. und 10 Jahre mit mir getragen, seit sie keinen Einfluss mehr auf mich hat. Und er wird irgendwie nicht weniger. Ein Satz, eine Anekdote, und ich bin wieder im Früher. Und Dinge kommen hoch, die mich für Tage runterziehen. Ich habe gedacht, keinen Kontakt zu ihr zu haben, das wäre die Lösung für all das. Nach 10 Jahren frage ich mich allerdings – warum funktioniert es dann nicht?

Nunja, ich gebe ihr natürlich nicht nur die Schuld daran, was sie mit mir gemacht hat, sondern auch wie sie meinen Vater behandelt (als er ein halbes Jahr im KH war wegen massiven Herzproblemen war sie kein einziges Mal bei ihm, und das werd ich nie vergessen), und auch meine kleine Schwester (nicht so schlimm wie bei mir, ich war offensichtlich ihr Lieblingsventil, aber dennoch).

Die letzten Wochen haben etwas mit mir gemacht. Eine Reihe Dinge sind geschehen, die die Spielregeln ein bisschen ändern, und ein Umdenken finde ich nötig machen.
Meine Schwester, die von sich aus keinen Kontakt zu mir pflegt (zwischen uns ist aber nie was vorgefallen, sie ist sich wohl nur zu gut dafür), wird so exakt wie unsere Mutter, dass ich es schier nicht glauben kann. Hat sie nicht alles genau so erlebt wie sie?? Wie KANN sie nur??? Die letzten Highlights waren, dass sie sich für ein von mir zugeschicktes Geburtstagspaket über einen Monat nicht gemeldet hat, ob es überhaupt angekommen sei. Auf Nachfrage entschuldigte sie sich dann dafür nicht „bescheid gegeben“ zu haben. Danke hab ich vergebens gesucht. Nunja. Zudem hält sie grade 4 große Hunde und 2 Katzen in einem 15m² Raum, und die Menschen in ihrer Umgebung scheint sie nicht viel besser zu behandeln.
Mein Vater hingegen hat dieses Jahr zum ersten Mal auf seine Muttertagsgruß-Vorwürfe verzichtet und so getan, als sei nichts gewesen.

Und ich hab mir nun überlebt.. in dem ganzen „Kampf“ den ich da kämpfe, wofür und für wen kämpfe ich denn da eigentlich? Für oder um mich? Darum geht es schon lange nicht mehr. Was geschehen ist, das ist vorbei und die Spuren die es hinterlassen hat werden auch dort bleiben wo sie jetzt sind. Daran kann ich jetzt nichts mehr ändern. Für meinen Vater? Nun, der ist alt genug, und dafür wie er mich nicht schützen konnte oder wollte, finde ich, wenn ich hart bin, hat er eigentlich auch nichts anderes verdient (einen stillen Groll hege ich auch ihm gegenüber). Und meine Schwester? Naja sie findet die Verhaltensschiene wohl trotz allem gut, also wofür soll ich gegen meine Mutter kämpfen, um die es hier schon gar nicht mehr geht?

Oder viel wichtiger: Was bringt mir das ganze Spiel? Wie gesagt, die Folgen von früher werd ich nicht wegkämpfen. Die Zukunft kann ich egal wie bestimmen. Also was tu ich hier?

Eins steht für mich fest: ich kann, will und werde ihr nicht vergeben. Ich habe so ein Psycho-Gedankenspiel gespielt, das in Therapien oft vorkommt: Was wäre, wenn ein Dieb käme und dir diesen Konflikt stehlen würde?

Ich habe die Frage auf mich wirken lassen. Was wenn, egal was war, es keine Bedeutung mehr hätte? Wenn es keine Auswirkungen darauf hätte, wie ich mit meinem Vater spreche?
Das Gefühl war…. sehr unbeschwert. Ich glaube, mir würde nichts fehlen. Mir würde dieser ganze Gefühlskomplex Hass kein Stück fehlen, wirklich. Ich müsste ein paar Tonnen weniger mit mir rumtragen. Ich könnte vielleicht ein Buch endültig schließen.

Aber wie soll das gehen, wenn es doch so schwer ist, und ich es nicht will? Ihr… quasi, vergeben, oder so?? Das wäre wohl nötig um den Groll hinter mir zu lassen, anders gehts ja nicht. Und so sehr ich auch wollte, dass der Groll verschwindet bin ich eigentlich der Meinung, dass sie es sich erst verdienen muss.

Ich hab drüber nachgedacht, wie sie es sich verdienen kann. Was müsste sie tun? Meinen Vater gut behandeln? (Dem allerdings durchaus gebührt selbst zu merken wie sie sein kann und darüber hinaus sich ruhig selbst wehren könnte, schließlich sehe ich nicht ein warum ich seinen Kampf für ihn kämpfen soll) Zu meiner Schwester nett sein? (Obwohl sie jetzt schon so nach ihr kommt?) Aufhören zu trinken, sich in Therapien begeben? (Schön für sie, ändert aber nichts mehr für mich oder an der Vergangenheit).
Auf einen Nenner gebracht: sie kann nichts tun um es zu verdienen.

Mir fällt übrigens eine Textstelle aus einem meiner Lieblingsbücher ein. Da fragt ein Junge seinen Vater, ob man auch mutig sein kann wenn man Angst hat. Der Vater antwortet, dass man NUR dann mutig sein kann.
Das hat irgendwie eine tiefe Logik. Sonst wäre man ja nicht mutig, sondern (sinnvollerweise oder nicht) angstfrei. Mutig ist ja nur, wenn man Angst HAT und sich trotzdem nicht dadurch lenken lässt. Hm.

Darum habe ich etwas beschlossen:
Ich… werde beginnen, ihr zu vergeben. Nicht, weil sie es sich verdient hat. Weil sie es NICHT verdient hat.
Es geht nicht mehr um sie, schon längst nicht mehr. Darum geht es jetzt um mich, und darum, ob mein Charakter es mir erlaubt, diesen Schritt zu tun.
Game on…

.
Auf bald,
Hummelchen

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4 Kommentare zu „Absolution gratis

  1. Puh. Ich weiß gar nicht, ob man zu diesem Artikel etwas sagen kann.
    Mit meinem Kommentar wollte ich nur bemerkbar machen, dass ich das gelesen habe. Deine Geschichte ist sehr aufwühlend. Aber es scheint (zum Glück), dass du deinen Weg gefunden hast mit all dem umzugehen.

  2. Hm, danke für eure Kommentare.. Ich wollt mich jetzt aber nicht als *Held* darstellen, vor allem da vom Wollen zum Können noch ein gutes Stück Weg ist… Aber zumindest ist das grade meine Meinung, und ich behalt sie auch nur weil sie mir gut tut und nicht weil irgendwer was davon hätte – insofern ist das alles nur egoistisch motiviert 🙂

    Freut mich aber wenn irgendwas daran zum Nachdenken anregt, Nachdenken ist (fast) immer gut…

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