Gedanken

Der Philosophenweg

Ich glaube, ich muss meinem Spazierweg in der Arbeit einen neuen Namen geben, ich nenne ihn Philosophenweg. Begründet ist das ganz einfach: dieses kleine Waldstückchen, durch das ich, wenn ich mal eine Viertelstunde mittags nichts Besseres zu tun habe, spaziere, hat es in sich. Innerhalb weniger Meter fange ich an zu grübeln, über dies und jenes zu philosophieren. Die „Philosophien“, die ich vor einiger Zeit hier schon mal gepostet habe, sind auch alle dort quasi entstanden. Dieses Phänomen merk ich öfter an mir, wenn ich spazieren gehe. Dummerweise geh ich gar nicht soo gern allein spazieren, lieber mit dem Freund, aber das ist so ein typischer „Mann“ und findet Spazierengehen öde.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will.. Ich habe mich die letzten Tage viel mit meinem „Neid“ beschäftigt, weil er mir so gar nicht schmeckt. Ich finde es eben keinen besonders schönen Charakterzug, gleichwie menschlich er sein mag. Es stört mich, es passt mir nicht in mein Selbstkonzept, und es mir selbst eingestehen zu müssen „drückt im Schuh“. Folglich versuche ich natürlich, darüber hinweg zu kommen. Nur wie??

Ich vermute, Neid ist überflüssig, wenn man optimistisch ist und davon ausgeht, dass es bei uns auch bald soweit ist, dass es bald geklappt hat. Denn, wäre ich selbst nun auch schwanger würd ich mich ja wahnsinnig mitfreuen mit anderen. Folglich ist mein Problem logischerweise nicht die Freude anderer sondern meine Erwartung, wann ich mich denn freuen darf. Zu arbeiten ist also an meiner Erwartungshaltung.

Vermutlich ist das wieder so ein Punkt, an dem Optimisten im Vorteil sind. Manchmal hab ich das Gefühl, Optimismus passt nicht zusammen mit dem, was ich teils krankhaft versuche: bloß nicht zu sehr darauf einstellen, bloß nicht zu sehr wollen. Man kriegt das ja (oft ungefragt) gern mal zu hören: Entspann dich, nimms locker, sei geduldig… „Wenn man etwas zu sehr will dann klappts nicht.“ Also bitte, entschuldigung, was ist das denn bitte für eine Unfugslogik?? Tatsächlich habe ich festgestellt, dass es keine Auswirkungen auf die Dauer meine Zyklus, meinen Eisprung, oder Temperaturlevel hatte ob ich es *unbedingt* wollte oder nicht dran gedacht hab. Tatsächlich ging es mir in dem Zyklus, wo es dann geklappt hat nicht gut (mein Papa war im KH), wenn als alles Psychische derart die Sache ins Kippen brächte, hätte es nicht geklappt.

Außerdem find ichs schwer: Sei optimistisch, aber denk nicht zu sehr dran. Sei überzeugt dass es bald klappt aber hoff nicht zu viel. Alles wird gut, aber freu dich bloß nicht drauf. – Nein, sorry, so läuft das für mich nicht. Ich muss mich entscheiden (insofern ich diese Wahl wirklich willentlich treffen kann): bin ich optimistisch, verkrampft, hibbelig, nervös, aufgeregt, und denk ich dran, oder bin ich pessimistisch und schieb alles von mir weg? Gibt’s ein Patentrezept, was auf Dauer gesünder ist?

Was meinen „Neid“ angeht, ist definitiv die erstere Version vorzuziehen, denke ich. Ich muss einfach beginnen zu glauben, dass wir nicht immer das Nachsehen haben, dass einfach nicht alles gleichzeitig passiert, und nur weil wir jetzt, in diesem konkreten Moment, noch nicht soweit sind heißt das ja nicht, dass wir uns nachher weniger freuen.

Ich büße also nicht mit Freude, sondern nur ein wenig mit Zeit. Das muss ich mir klar machen.

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Auf bald,
Hummelchen

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3 Kommentare zu „Der Philosophenweg

  1. Ich find es auch immer bescheuert, wenn einem gesagt wird man solle nicht so viel nachdenken. Als könnte man das ausstellen.
    Schwanger geworden bin ich im August trotzdem.
    Andere wissen es ja gern besser…

    Bei mir war das mit dem Neid extrem, als ich so traurig war. Da konnte ich keine Blogs lesen von Schwangeren, weil ich sie alle ein bisschen gehasst habe. Ist natürlich unsinnig, aber Trauer sucht sich seinen Weg.

    Gib dir die Zeit, die du brauchst. Du wirst dich garantiert irgendwann wieder neidlos mitfreuen können.

    Ich drück dich.

  2. Deine Gefühle sind völlig normal, zumindest hatte ich sie auch genau so! Das blöde ist, wenn du dann endlich, endlich schwanger bist, kannst du dich nicht 100%ig freuen, weil du dir – vor allem am Anfang – auch die ganze Zeit Sorgen um das Ungeborene machst. Schwanger werden und sein ist nämlich nur in Filmen NUR schön, in Wirklichkeit ist es so wie mit allem – es gibt dabei gute und schlechte Gefühle – das ist das Leben! Genieße die Vorfreude, aber lass auch die Traurigkeit raus und wenn du willst, darfst du gerne auf die blöde Evi schimpfen, die schwanger ist und du nicht. Ich kann das absolut nachvollziehen.

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