22.SSW · Beziehung · Gedanken

Gefühls-Dinge

So, nun bin ich wieder zurück im Lande. Die letzte Woche stand Verwandtschaftsbesuch-Urlaub auf dem Programm – unser einziger Urlaub schon seit einigen Jahren. 800km von meiner Familie wegzuwohnen ist auch in dieser Hinsich ein Handicap, da eben vorausgesetzt wird dass ich zumindest einmal im Jahr komme, und dann meist kein Geld für andere Aktionen bleibt. Aber gut – zu mindestens 80% genieße ich es auch immer sehr.

Ein wenig Sorge hatte ich was die Autofahrten betrifft. Rückblickend kann ich aber sagen: problemfrei. Wir sind fast durchgefahren (also nur Fahrerwechsel und Klopausen) und sind super durchgekommen. Nur bei der Rückfahrt hatte ich Probleme mit extrem geschwollenen Füßen, die haben sich aber mittlerweile auch wieder beruhigt.

Einquartiert waren wir bei der Omi, nein bei der künftigen Urli-Oma! (Jaja, da wo ich herkomme sagt man so dazu) Diese hat, ohnehin schon nahe am Wasser gebaut, kaum die Augen trocken halten können. Von der Begrüßung abgesehen haben natürlich sämtliche Babythemen mindestens ein Glitzern im Augenwinkel verursacht, und als sie erfahren hat, dass es wohl ein Bub wird wars vorüber (sie hatte sich immer sooo sehr Söhne/Neffen/Enkel gewünscht, aber es kamen ausnahmslos 7 Mädchen..). Es war so schön, zu sehen wie sehr sie sich gefreut hat, das tat richtig gut *hach*. Und, sie hatte natürlich schon gestrickt. Ich wusste ja, dass sie das kann, aber als ichs gesehen hab war ich auch ehrlich platt – maschinell könnts nicht besser sein!! Leider geben das die Fotos nicht so gut wieder, aber hier mal ein Einblick:

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Der Besuch bei den Eltern war ein von vornherein sehr schwierig. Vielleicht erinnert sich die ein oder andere, dass ich ein äußerst schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter habe, was leider auch meine Beziehung zu Papa in Mitleidenschaft zieht, der ihr treu ergeben ist (ja, man lese Sarkasmus, ich kann ja nicht schreiben „hörig“, oder? Politisch korrekt könnte man es auch einfach eine klassische Co-Abhängigkeit nennen, aber das tut eigentlich nix zur Sache.) In der Vergangenheit wars also so, dass ich nicht mit Papa Kontakt haben konnte/durfte, ohne an ihr vorbeizukommen, worauf ich dann prinzipiell verzichtet hab. Seit nunmehr 2 Jahren haben er und ich aber so eine Art Übereinkommen, dass er aufhört mich zu Kontakt zu nötigen, ich dafür entgegenkomme wann und wie immer möglich, aber sobald er mich wieder (be)drängt ist Schluss. Hätte nicht gedacht, dass es klappt, aber bisher sind wir zwischenfallsfrei! Kein leidender Anruf nach dem Nicht-Gratulieren zum Muttertag oder ähnliches. Ich darf zufrieden sein!

Ähnlich lief es auch dieses Jahr: beim Besuch ließen sie mir die nötige Distanz (ich musste mich nicht umarmen lassen, niemand wollte an den Bauch fassen oder hat persönliche Baby-Fragen gestellt), ich kann also mit dem Verlauf sehr zufrieden sein. Ich kann jetzt auch nicht sagen, dass er Besuch „schön“ war, aber er war sehr ok, und ich konnte ohne Streit meinen Papa sehen. Die Alkoholausdünstungen und den Zustand der Wohnung verdränge ich dann mal wieder lieber….

Was ich eigentlich auch besser verdrängen möchte ist alles, was mit meiner Schwester zu tun hat. Damals hatte sie, als ich weggezogen bin meine Wohnung übernommen (geschenkt bekommen trifft es besser, denn es war eine baufällige Ruine, in die ich mit Hilfe von Sparbüchern, Bausparverträgen und Verwandten erstmal 10.000€ stecken musste, bis sie mit fließendem Warmwasser bewohnbar war – sie musste mir aber 300€ für die bis aufs Bett komplette Einrichtung geben; trotzdem wurde oft genug betont, hauptsächlich von unserer Mutter, dass sie immer zu kurz gekommen sei weil für sie angeblich! nicht so viel gespart worden sei *HUST*). Jedenfalls ist sie mittlerweile ausgezogen, und die Wohnung ist in einem gar gräßlichen Zustand… Es hat mir wirklich weh getan, zu sehen was aus der Wohnung wurde, in die ich mein Herzblut gesteckt hatte, die mich mit 17 von zuhause „gerettet“ hatte. Autsch. Was wirklich genau passiert ist, kann ich nicht sagen, es gibt Erzählungen, es gibt Theorien… aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen. Autsch, wie gesagt.

Aber es ist nicht nur das… Bei meinem ganzen Besuch ließ sie sich nicht ein einziges Mal blicken. Nun denn…

Aber wieder ein Abstecher zu was Schönem: die 10jährige Abiturfeier war absolut nett, es war schön die alten Gesichter wiederzusehen, und wir alle wollten konnten nicht glauben, dass das schon ZEHN JAHRE her ist! Wirklich verändert hat sich kaum jemand, und wir sind auch so verblieben, dass wir uns vielleicht schon vorm 20jährigen sehen wollen.

Ebenso schön war es, die (etwa gleichalte) Cousine zu fragen, ob sie unsere (zweite, weil evangelisch) Taufpatin werden möchte. Sie hat sich sehr gefreut, sagte, dass sie schon gehofft hat aber sich nicht fragen traute, weil sie dachte wir würden lieber jemanden nehmen, der näher ist und von dem das Baby mehr hat… Schon allein wegen dieser pro-Baby selbstlosen Äußerung wurde ich nochmal bekräftigt, dass die Wahl richtig war. Denn die andere (21jährige, wie meine Schwester) Cousine war prompt extrem beleidigt und hat schon bevor sies wusste immer wieder spitze Kommentare gefahren wie „ihr nehmt aber eh nicht xyz, oder??“ und als sies dann wusste kam nur so Zeug wie „meinst du wirklich dass du da eine gute Wahl getroffen hast?“. Nachdem ich ihr klipp und klar gesagt hab, dass unsere künftige Patin von allen am meisten am Baby interessiert ist und ständig Hilfe und Unterstützung anbietet, war die jüngere Cousine natürlich beleidigt, ich wisse ja auch gar nicht dass sie kürzlich Babyklamöttchen angeguckt hätte (äh, tschuldige, und davon hab ich dann … was? Ich weiß, ich bin gemein..) und postete umgehend auf Facebook: „Momente in denen man merkt, dass vertraute Verwandte sich wirklich entfernen… The Jeff Dunham-Show gucken und etwas trinken.“
Mir war ja gar nicht klar, wie beleidigt man sein kann, nur weil man nicht Pate wird. Enttäuschung hätte ich ja verstanden, aber mal ganz abgesehen von den logischen Kriterien, die ich in meine Wahl miteinbezogen habe, denke ich wäre die richtige „Rangordnung“ fürs Patenamt: Schwester – ältere Cousine – jüngere Cousine. So beleidigt sein braucht man dann auch nicht, find ich. Ich hätte sie ja wirklich gerne als Patin fürs möglicherweise künftige 2. Kind gehabt, aber mit der Aktion hat sie sich eigentlich ins Aus befördert. Schade…

Nunja, aber ich muss sagen, auch das überrascht mich irgendwie wenig… Ja ich weiß, meine Familie ist… *anders*. Auch ein Mitgrund, warum es mir 360 Tage im Jahr kaum schwer fällt, 800km weit entfernt zu sein. Trotzdem war das einer der schönsten Aufenthalte – wir waren auch schwimmen, in Wien mit (völlig unkomplizierten *g*) Freunden unterwegs, ich habe so viele alte Bekannte wiedergesehen, wir haben einfach viel gemacht und ich konnte daher viel mitnehmen. Wirklich erholt bin ich nach dem Urlaub zwar nicht, aber den Resturlaub spar ich lieber für vorm Mutterschutz und der Freund für November…

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Auf bald,
Hummelchen

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14 Kommentare zu „Gefühls-Dinge

  1. Oh man, das klingt echt nicht nach heiler Familienwelt. Wie gut, dass du da nicht so oft bist und da wohl die nötige Distanz hast.

    Die gestrickten Sachen von deiner Oma sind so toll. Das sind so Herzensdinge, die wird man wohl ewig aufbewahren und sich noch in 20 Jahren darüber freuen.

  2. Die gestrickten Sachen sind wirklich sehr niedlich, vor allem die Schühchen! 🙂

    Ich denke auch, dass eine gesunde Distanz zur Familie gut tut, wenn man kein super harmonisches Verhältnis zueinander hat. Dann kann man sich an den Tagen, an denen man zusammen ist, aufeinander einstellen, und danach ist es dann auch gut! 😉

  3. Dieses Patending scheint für manche echt ein Statussymbol zu sein. Bei uns ähnlich. Die Patin hat vorher hintenrum schon immer gemault, dass wir sie noch gar nicht gefragt hätten und sie nicht zur Taufe kommen würde, wenn wir jemand anderen nähmen…
    (Alles andere lasse ich unkommentiert, weil…wow!)

    1. Ich kapiers nicht… Ja, gut, wenn man möchte und dann enttäuscht ist, dann versteh ich das schon… aber was soll denn dieses Rumgezicke? Da gehts nur drum, pardon, wer „die dicksten“ hat und damit angeben kann, aber nicht ums Baby, wies scheint. Und sollte das nicht im Vordergrund stehen? Natürlich wählen wir die Person, die am meisten *bieten* kann, und damit mein ich mitnichten materiell… Ich find halt Pate-sein schon eine wichtige Aufgabe, das sollte man nicht nur wollen damit man sich dann ganz klasse finden kann… *kopfschüttel*

      1. Ich bin auch Patin und hätte fast geheult als meine Freundin mich fragte, weil ich das wirklich was besonderes finde. Und ich bin bisher nicht mal offiziell Patin, weil immer noch keine Taufe stattfand. Hindert mich aber nicht mich mit meinem Patenkind zu beschäftigen.
        Ich find bei solchen Sachen immer blöd, wenn es Leuten ganz offensichtlich um irgendwas anderes als das Kind geht.

  4. Keine Ahnung warum, vielleicht war das in meiner Familie einfach nie besonders genug, aber so ein Patenamt sagt mir nix und ich verbinde damit nicht wirklich eine „Ehre“, aber gut zu wissen, dass es anderen Leuten viel bedeutet. Sollte ich mal gefragt werden, weiß ich, dass es wohl für manche echt wichtig ist und ich mich freuen kann, wenn ich „gewählt“ werde 😉

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