26.SSW · Beziehung · emotions

Verlieben…

Ich hab nun schon länger überlegt, ob ich das schreiben soll, und ob ich es überhaupt so formulieren kann, dass es nicht irgendwie falsch rüberkommt und ich für diese Gedanken und Gefühle verurteilt werde… Hm.

Oft lese ich, wie sehr werdende Mamas ihr Bauchbabys „lieben“ würden, und jedes Mal hat sich dann bei mir fast ein wenig schlechtes Gewissen eingeschlichen. Vielleicht ist das ein wenig zu viel der Genauigkeit oder Goldwaagen-Tum, aber wenn ich so ganz genau und kritisch nachfühle… Ich weiß nicht, ich habe nicht das Gefühl, dass ich dieses Wesen schon „liebe“, denn mit der Definition bin ich sehr streng.

Bitte versteht mich nicht falsch… von der ersten Sekunde an, als ich wusste, dass dieses Baby unterwegs ist, und auch davor als prinzipiell die Möglichkeit bestand, ist es mir eins der wichtigsten Dinge in meinem Leben. Ich würde alles tun und alles geben damit es ihm gut geht und es gesund zur Welt kommen darf, und ich würde niemals niemals irgendeine meiner „Befindlichkeiten“ oder Wünsche vor das Wohlergehen meines Babys stellen. Aber ist das schon Liebe?

Ich meine,… ich tu mir schwer mit der Vorstellung, weil ich diesen Minimenschen doch noch gar nicht kenne. Ich liebe seine Existenz, ja, … aber ihn selbst? Nehm ich die Definition zu genau, reicht es, die Vorstellung zu lieben, dass da ein Menschlein kommen wird? Die Frage hab ich mir oft gestellt, wenn eben wieder ein wenig schlechtes Gewissen auf dem Vormarsch war. Bin ich ein schlechter Mensch, oder eine schlechte Mutter, weil ich nicht grade raus sagen kann: ich liebe mein Baby?

Besonders schwer war das wohl zu Beginn, weil ich die ersten 12 Wochen fast nicht mal gewagt habe, mich überhaupt zu freuen. Daran, eine Beziehung zu diesem Minimenschböhnchen aufzubauen, konnte ich schwer arbeiten, weil ich mich schlicht nicht getraut hatte. Natürlich Blödsinn, selbst diese unsinnige Vorsichtshaltung hätte mich nicht „geschützt“ wenn etwas schief gegangen wäre, aber ich konnte eben einfach nicht.

Mittlerweile sieht die Sache aber auch wieder anders aus: ich spüre meinen kleinen Sohn in mir treten, sich drehen und rumwuseln. So sehr das auch alles gedämpft sein mag durch die olle Plazenta und meinen eigenen Speckmantel… Ich spüre ihn! Und was noch viel erstaunlicher ist… ich spüre ihn auf mich reagieren. Ich spüre, dass er inne hält, wenn ich mit ihm rede.. Eigentlich find ich das doof, ich will ihn ja dazu animieren, weiter zu strampeln. Aber wenn ich dann still bin merke ich sofort wieder etwas von innen. Und dann rede ich wieder, und er hält still, als würde er mir zuhören. Als er beim CTG schreiben so wild strampeln musste, ließ er sich auch „beruhigen“ (das mag vielleicht überinterpretiert sein?) durch Zureden und Bauchstreicheln. Irgendwie, diese… Interaktion, so banal (und möglicherweise auch gleich mal völlig falsch interpretiert) sie auch sein mag.. irgendwie bringt uns das… näher.

Ich merke, wie es ganz fluffig in meinem Bauch wird, wenn er sich nach einer ruhigen Phase mit einem Tritt meldet, ganz genau wie Verliebtheits-Schmetterlinge. Ganz plötzlich, und auch wenn es nur für einen Moment ist, da sind alle anderen Gedanken weg, ich muss lächeln und die Hand auf den Bauch legen, wenn ich alleine (oder in vertrauter Gesellschaft) bin, rede ich dann auch kurz mit ihm. Es ist so schön, dass wir uns gegenseitig wahr nehmen können, und ich habe nun den perfekten Vergleich, wie sich das anfühlt:

Mein Freund und ich haben uns per Internet kennen gelernt, und ein halbes Jahr, bevor wir uns sehen konnten, haben wir nur auf diese Weise kommunizieren können. Wir konnten uns nicht mal die Hände schütteln, geschweige denn umarmen, und trotzdem.. hab ich mich in dieser Zeit in ihn verliebt, und das Warten, bis ich ihn endlich tatsächlich umarmen dufte, schien mir quälend lange. Und ich fühle mich gerade wieder erinnert.

So ähnlich geht es mir nämlich grade wieder. Ich weiß noch nicht ganz genau, wer da auf mich zukommt, welcher kleine Mensch da ab November mein Leben maßgeblich bestimmen wird, aber… ich kann es nicht mehr erwarten, denn ich verliebe mich jeden Tag ein Stückchen mehr. In 100 Tagen…

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Auf bald,
Hummelchen

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5 Kommentare zu „Verlieben…

  1. Ich hab den Post schon vor ein paar Stunden auf dem Handy gelesen. Aber da lässt sich so schlecht kommentieren, bzw. würde das durch wurstfingerige Vertipper den Eindruck erwecken, ich hätte ein ausgeprägtes Rechtschreib-Problem 😉

    Jetzt sitze ich am Rechner, kann gemütlich tippeln und endlich endlich sagen dass du dir überhaupt keine Gedanken machen musst! Mach dir keine Vorwürfe oder hab auch nur den Hauch des Gedankens dass man dich dafür verurteilen könnte!!!
    Wenn es das erste Baby ist, dann weiß man doch gar nicht, was mit einem passiert!
    Ich war während der Schwangerschaft (und bestimmt auch jetzt noch nicht) eine dieser Vollblut-Mamas, die jeden ihrer Charakterzüge in Anbetracht der Schwangerschaft über Bord geworfen haben. Ich hab mich gefreut und war natürlich happy. Aber gleichzeitig empfand ich die Tatsache dass da wirklich ein kleines Wesen in mir drin ist, unglaublich schräg. Die Bewegungen, die ich in mir gespürt habe und die man äußerlich dann auch irgendwann gesehen hat. Total schräg!
    Das hat dann aber plötzlich alles Sinn gemacht als Purzel auf der Welt war. Da war dann auf einmal total normal dass er derjenige war, der mir seinen Hintern gegen den rechten Rippenbogen geschoben hat. Und dass seine kleinen Hände und Beine es waren, die da drin um mehr Platz geboxt haben. Auf einmal war alles ganz normal.
    Heißt aber auch noch nicht dass ich im Muttersein von der einen Sekunde auf die andere angekommen bin. Eine Geburt ist eine Achterbahn von Gefühlen. Und jedes einzelne Gefühl hat seine Berechtigung. Für keines muss man sich selbst Vorwürfe machen oder sich (noch schlimmer) Vorwürfe machen lassen.

    Deshalb: genieße die Schwangerschaft. Finde es seltsam, witzig, unheimlich, gruselig, angsteinflößend, wunderschön und herzzerreißend. Du darfst das.

  2. Verliebt sein drückt es irgendwie schön aus.

    Und ich finde wie die Purzelmama das jedes Gefühl ok ist.
    Die ganz große Liebe wird es dann im November sein, da bin ich mir sicher.

  3. Wundervolle Worte. Ich kenne das Gefühl so gut, nicht zu wissen wen man da eigentlich bald kennenlernen soll. Tausend Fragen schwirren im Kopf herum „Wie sieht das Baby wohl aus, welchen Charakter wird es haben, welche Fähigkeiten und so weiter“
    Aber eins ist klar, oder? Die Liebe zu dem Unbekannten ist so groß wie die Freude und die Neugier 🙂
    Liebe Grüße

  4. Mich fragte gestern eine Freundin ob ich mich die ganze Zeit schwanger fühle und was ich empfinde. Meine Antwort war: „Ich fühle mich wie frisch verliebt. Ich denke ganz viel an das kleine Wesen, es kribbelt und fühlt sich gut an.“

    Von daher hat dein Beitrag meine volle Zustimmung. Auch der Vergleich mit der Online-Beziehung (war hier ganz genauso) passt toll. Danke.

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