33.SSW · emotions

Nein Danke

Ich sollt gar nicht drüber schreiben, weils nix ändert, und ich mich vielleicht nur mehr drüber ärger. Aber es kreist mir grad so durch den Kopf, dass ich ja ohnehin ständig drüber nachdenk.

Wir werden also heiraten, noch vor der Geburt unseres kleinen Babybubs. In 3 Wochen. An unserem 7. Jahrestag. Ich bin darüber so glücklich, auch dass wir einen Termin an genau DIESEM Datum bekommen haben, dass ich eigentlich ein paar Zentimeter überm Boden schweben möchte. Es ist so toll! Wir HEIRATEN! Wir sind danach Mann und Frau, und mit unserem Baby eine richtige Familie, wir haben dann den gleichen Nachnamen, tragen Ringe an unseren Fingern und sind offiziell und amtlich und überhaupt zusammengehörig. Nicht nur Freund und Freundin, nein, eine FAMILIE. Das ist ein so wunderschöner Gedanke, eine so wahnsinnige Vorstellung, etwas das ich mir so gewünscht habe… und nun ist alles in greifbarer Nähe! UNGLAUBLICH, einfach!

Während also das Wichtigste überhaupt hier bei uns passiert, und ich darüber ganz aus dem Häuschen bin, erwarte ich natürlich nicht dass für den Rest der Welt ebenso die Zeit stehen bleibt. Gut, ich gebs zu, ich erwarte mir doch dass sich ein paar Menschen mit uns freuen, aber das ist doch eine normale Erwartung, oder? Wir haben uns dazu auch überlegt wie wir feiern möchten. Vorerst werden wir nur standesamtlich heiraten (ich hätte gerne zur kirchlichen ein weißes Kleid angezogen und kein übergroßes Bettlaken), auch weil ich denke, dass es mir 28 Tage vor ET vielleicht einfach leicht zu viel werden könnte. Es gibt auch keine große Party im Anschluss, wir werden einfach gemütlich mit allen Mittagessen gehen. Ganz ehrlich gesagt, mehr ist auch finanziell grad nicht drin, schließlich (ja ich muss es nochmal sagen *hihi*) kriegen wir ja ganz bald ein Baby, ne?

Entsprechend fiel auch meine Einladung aus. Ich komme ja aus Österreich, und mir ist schmerzlich bewusst (schließlich bin ich ja jedes Jahr bisher auf Besuch gefahren), dass das nicht ums Eck ist, und eine längere Anreise, verbunden mit Fahrt- und Übernachtungskosten für eingeladene Gäste bedeutet. Mir ist auch klar, dass alle die es die letzten 4 Jahre nicht geschafft haben, mich zu besuchen (etwa Papa, Schwester…) auch jetzt nicht begeistert sein werden. Trotzdem hab ich echt gedacht, dass es nun ein wichtigerer Grund wäre, als „nur“ mich zu sehen. Ich hab also in die Einladung geschrieben, dass ich Verständnis hätte wenn jemand den Weg nicht auf sich nehmen möchte. Und ich hab das ganze Event runtergespielt, ist ja NUR standesamtlich (obwohl ich betont hab dass kirchlich noch ein paar Jahre warten wird), es wird NUR gegessen, ohne Feier. Nur, nur nur… Nur ich, kein Grund, sich Umstände zu machen.

Meine Trauzeugin, mit einer der liebsten Menschen die ich kenne (meine Güte ich bin nun nochmehr erleichtert, dass ich SIE gefragt habe, und damit nach Bauchgefühl gegangen bin und nicht aus Gewissens/Verpflichtungsgründen etwa jemanden aus meiner Familie!?) hat mir nach dieser Mail beinahe den Kopf gewaschen 😉
„Du HEIRATEST!“ schrieb sie, „Das ist total toll und super und hey, Hochzeiten sind immer cool! Und dann spielst du es so runter und rechtfertigst dich quasi dafür, dass es keine riesige Sause gibt. Mach dich doch nicht so klein,“ und weiter, „Die sollen froh sein, dass sie die Möglichkeit haben, dich vor dem Standesbeamten zu sehen. Wie oft haben sie denn dazu bitte noch die Möglichkeit?!“
Hmmm… ja. Eigentlich. Eigentlich, hätte es jemand anderes die Einladung geschrieben, würde ich das auch so sehen. Aber von meiner Familie wurde mir eigentlich immer vermittelt, eben nicht so besonders viel wert zu sein. Und ja, vielleicht hab ich alles runtergespielt, um eben allen schon eine Begründung in ihre Absagen zu legen, weil dann triffts mich vielleicht nicht so, das zu lesen was mir eigentlich von vornherein klar war. „Ist mir nicht wichtig genug“ hab ich ja schon abgeschwächt durch mein „ist ja alles nicht so wichtig“ vorab. Das ist blöd, und die Rechnung ging auch gar nicht auf.

100% meiner Verwandten haben abgesagt, und ja, es hat mich trotzdem getroffen. Bei einigen hab ich absolut Verständnis (etwa meine Oma, die gerade eine Knie OP hatte und ohnehin dann Anfang Oktober auf Kur muss), aber ich ärgere mich doch über fadenscheinig kreativ-schillernde Ausreden im Stile von „meine Schildkröte hat akute Neurodermitis, und ich erwarte einen Schub für Anfang Oktober“ (inhaltlich verändert, aber nicht der Grad der Absurdität, ich schwöre!!) bis hin zu ganz platt-ehrlichem „ne sorry da hab ich Pokerabend, der is schon länger ausgemacht und ich hätt schlechtes Gewissen da abzusagen, außerdem is standesamtlich ja eh nicht wichtig„. Oh, und dann sind da natürlich auch noch die, die nicht mal reagieren (etwa meiner Schwester), und die, die sagen sie wissen es noch nicht und das nun so lange ziehen bis mir klar ist, dass sie nicht kommen auch ohne dass sie dezitiert absagen (etwa mein Vater).

Ich gebs zu, das hat gesessen. Erwartet oder nicht. Mein Freund meinte, könne ich ja nix dafür wenn das alles Idioten sind. Nunja – wenns ein paar sind, sinds die anderen. Wenns aber alle sind, liegts an dir, meine ich eigentlich. Also eigentlich wäre nun der richtige Zeitpunkt, mir zu überlegen, warum ich einfach kein Mensch bin, mit dem sich die engste Familie freuen möchte, und der eben jener wichtig ist. Ich hoff, mir fällt darauf keine Antwort ein, meine Magengegend braucht das grad nicht mehr.

Insofern bin ich erleichtert, dass ein mit uns beiden befreundetes Päärchen aus Österreich „extra dafür, nur für uns“ her kommt. Und meine liebe Trauzeugin, und ihr Partner, auch etliche Autostunden entfernt wohnend. Die Statistik ist also: 0% der eingeladenen Verwandten und 100% der eingeladenen Freunde kommen.
Gut, ich weiß damit wenigstens, wen ich zur Taufe einladen muss. 😦 trotzdem.

.
Auf bald,
Hummelchen

 

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7 Kommentare zu „Nein Danke

  1. Och…jetzt mag ich dich drücken. Das ist nicht sehr nett!! Da ich kürzlich geheiratet habe, kann ich mir zumindest ansatzweise vorstellen, was das für dich bedeutet.
    Und dein Zukünftiger hat natürlich recht, auch wenn es dann eben alle sind!

    Schwebe ruhig weiter auf deiner Wolke 7, es geht so schnell rum und es kommt nie wieder!!!

  2. Da blutet mir doch irgendwie das Herz mit. 😦
    Ich wohne „nur“ 200km weg von meiner Familie. Aber ein Bruder hat auch viele viele Jahre gebraucht, bis er mich hier das erste Mal besucht hat. In schlechten Momenten denke ich mir auch, dass ich nicht wichtig genug bin. Aber in guten Momenten weiss ich, dass es einfach nicht anders geht-er muss sich um nen Bauernhof kümmern und kann nicht einfach so mal vorbei kommen.
    Umso trauriger, dass man bei dir einfach nicht kommen möchte. 😦 Ich kanns ein kleines bisschen nach empfinden: Seit ich hier wohne, hatte ich einmal an nem Sonntag Geburtstag. Also keine Arbeit für die Familie, sondern ein ruhiger gechillter Tag. 200km wären ja wohl ein Klacks gewesen, für meine Familie, zu kommen. Aber es kam niemand. Ich war so traurig und als die Anrufe der Familie kamen hätt ich fast ins Tele geheult. (Was noch gesessen hatte, mein Partner hatte 2 Jahre zuvor an nem Sonntag Geburtstag und für ihn konnten meine Eltern her fahren!)

    Es ist einfach traurig. Ich wünsch dir/euch trotz allem eine wunderschöne Hochzeit und hoffe sehr für dich, dass der Schmerz an eurem großen Tag nicht zu groß ist. Vergessen kann man das sicher nicht, auch wenns der beste Tipp wäre/ist. Und das Schlimme ist, man macht sich bis zuletzt doch noch ein ganz ganz kleines bisschen die Hoffnung, nur um dann richtig enttäuscht zu werden, weil man realisieren muss, dass man selbst nicht „wichtig“ genug ist.
    Es ist so traurig!

    Ich drück dich!

  3. Mir fehlen die Worte. Das tut mir richtig Leid. Aber in deinen Worten hier auf dem Blog merke ich immer wieder dass du stark bist. Und hey, bald hast du eine NEUE Familie. Deinen Mann und euer Baby. 🙂 Ist das etwa nichts? 🙂

    Liebe Grüße,
    Jule

  4. Blut ist nicht immer dicker als Wasser.
    Es tut mir sehr leid, dass da von der Seite deiner Verwandten so wenig Interesse besteht. Das macht mich echt traurig.

    Ichvkann deine Gedanken gut verstehen. Aber ich wünsche dir/euch trotzdem einen unvergesslichen Tag mit allen lieben Menschen, die gerne “nur“ für euch kommen.

  5. Och mensch, das tut mir so leid )`:
    Wir haben dieses Jahr ja auch geheiratet und ich wäre sowas von enttäuscht gewesen, wenn nicht alle dabei gewesen wären – Entfernung hin oder her, „nur“ standesamtlich oder nicht. Es ist EURE Hochzeit. Das ist wirklich traurig ):
    Habt trotzdem einen unvergesslichen Tag mit Euren Liebsten. ❤

  6. Oh das ist bitter, besonders weils die eigene Familie ist!

    In solchen Situationen findet man heraus, auf wen man sich verlassen kann, und auf wen nicht!

    Aber siehe es mal so, du hast bald deine ganz eigene kleine Familie mit deinem Mann und deinem kleinen Jungen, und was gibt es Schöneres!

    Ausserdem scheint es ja wirklich auch gute Freunde zu geben, die gerne an eurem Glück teilhaben möchten und den weiten Weg aufsich nehmen!

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