Geburt · Rumpelstilzchen

Geburtsbericht Teil I

Vorab: es wird ein Roman… 😉 Hier ist mal der erste Teil, die anderen muss ich noch mal quer lesen (hab aber grad keine Zeit mehr, der Kleine meldet sich…)

Ich sitze hier, mit meinem genau einen Tag alten Sohn, der nach einer ausgiebigen Fütterung und Besuch von Opa, Oma und Paten völlig erschöpft in seinem Bettchen schläft. Ich werde noch so so vieles über ihn schreiben, aber als ich vorhin erzählen sollte, wie denn die Geburt so war, da merke ich: es beginnt bereits jetzt leicht zu verschwimmen. Daher möchte ich so schnell wie möglich alles festhalten…

Begonnen hat alles eigentlich schon am Wochenende, mit dem Abgang des Schleimpropfs. Aber es heißt ja auch immer, das muss nix bedeuten. Ich hab aber auch schon andere Veränderungen festgestellt, die ich auf Hormonspiegeländerungen geschoben habe: plötzlich Pickel, Schlafschwierigkeiten, und so Kleinkrams wie das dringende Bedürfnis, noch schnell die ausständigen Überweisungen zu tätigen, weil wenns dann losgeht und das Baby daheim ist vergess ich darauf bestimmt. Das war dann am Montag. Ich hatte auch den ganzen Tag schon Durchfall (allerdings auch Belastendes aus meiner Familie erfahren, wusste daher nicht ob das nicht davon mit beeinflusst war). Trotzdem hab ich brav viel Himbeerblättertee getrunken und mich am Montag hauptsächlich von einer Ananas ernährt 😉

In der Nacht vom Montag auf Dienstag war Vollmond. Ich habe also sicherheitshalber die Jalousinen hochgezogen, man weiß ja nicht wofürs gut ist, ne? Ich dachte eh nicht dass es was bringt, war mir aber auch egal, ich wollte ja eh frühestens ein Halloween Baby. Vom Kopf her war ich schon mal gar nicht drauf eingestellt, dass es bald losgehen könnte, mein Bauch hat aber ganz deutlich gesagt: sei dir mal nicht so sicher! Hab ich dann auf Wunschdenken geschoben…

Jedenfalls, nachts um irgendwas zwischen 1.30 und 2.00 merke ich, dass ich aufs Klo muss, und da wohl wieder ganz viel Schleim abzuwischen sein wird. Ich stehe auf, und merke dass es plötzlich wirklich ziiiemlich feucht ist, und denke mir noch: Hallo, das wird doch nicht etwa??? Und taste so an mir runter und merke, wie sogar schon die Hose feucht wird. Ich kneife die Beine zusammen und schlurfe mit Herzrasen aufs Klo, wo nochmal ein wenig mehr daneben geht. Es kommt nicht in großem Schwall, mehr so wie wohl Inkontinenz sein muss. Aber es ist genug, um eindeutig Fruchtwasser zu sein. Ich fange an am ganzen Körper zu zittern, werde auf einmal entsetzlich nervös und bekomme Angst: ach du Scheiße, bin ich schon soweit??? Ich möchte aufstehen und den Mann wecken, aber es kommt immer noch einiges nach und ich muss eine halbe Stunde am Klo sitzen bis ich einigermaßen sicher bin. Ich wecke ihn, und sage ihm dass es wohl ernster wird, er meint erst mal nur verschlafen „was meinst du?“, versteht aber bald, denn ich merke wie ich wieder undicht werde und aufs Klo muss.

5 Minuten später war er dann hellwach. Wir verteilen noch schnell letzte Aufgaben: Essen zusammenpacken, Kaffee kochen (gedacht für Dammschutz), Körperpflegedinge einpacken, und dergleichen. Ich kanns mir auch nicht verkneifen noch schnell zu bloggen und zu twittern, gehe mich noch ordentlich rasieren, und dann beschließen wir, uns noch ins Bett zu legen, da ich keine Wehen habe. Wirklich schlafen konnte ich natürlich nicht, aber ein wenig Erholung hab ich trotz Herzscheppern wohl doch bekommen, hab mit den Katzen gekuschelt und versucht, mich mental drauf einzustellen (haha).

Irgendwann so gegen 6 Uhr stehen wir dann auf: der Mann organisiert die künftige Oma zum Katzenfüttern mittags, und gibt in der Arbeit bescheid, dass es bei uns losgeht (WAS ES GEHT LOS BEI UNS!? +Panik+) und er daher ab nun im Urlaub ist. Und mir wird klar: Wehen hin oder her, unser Sohn kommt egal wie bald zur Welt. Aber die Wehen kamen dann doch, schwach nur, aber sehr häufig. Es waren nur kurze, etwa 30 Sekunden dauernde, aber nach 2, 3 Stunden waren sie im 3 Minuten-Takt, und auch wenn mir klar war, dass DAS noch keine schmerzhaften oder wirksamen Wehen sind, wollte ich bald ins Krankenhaus – ich hatte das Rumgesaue mit Fruchtwasser daheim satt, und mit so häufigen Kontraktionen wollt ich nicht gern im Auto rumgefahren werden. Wir machen uns so gegen 9.30 auf den Weg, kurz darauf sind wir auch schon da und melden uns im Kreißsaal an.

Empfangen werden wir von einer mir relativ unsympathischen Hebamme, die mich nur blöd-milde von oben herab anlächelt, als ich ihr sage dass sich unser Sohn angekündigt hat (He du blöde Nuss ich weiß dass ich keine ansehbaren Wehen habe, aber ich weiß auch, dass ich mit geplatzter Fruchtblase hier im Laufe des Tages richtig bin, Mensch…). Sie bittet uns in ein Untersuchungszimmer und fragt gelangweilt Dinge, erst als sie hört dass ich einen Blasensprung hatte (den sie mir nicht glaubt) zeigt sie sich bereit, gibt mir eine Binde, in der ich Beweismaterial sammeln soll und fesselt mich an ein Folter-CTG. Ich hasse CTGs, und sie mich. Sie haben bei mir wegen meines Übergewichts noch niiie verlässlich gut geschrieben, es ist immer eine Quälerei, und ich liege Stunden daran bis was Auswertbares zustande kommt. Und so auch hier. Es schreibt gelegentlich mal Herztöne, aber nix von mir. Nunja, nicht dass ich eine Wehe gehabt hätte, nicht wahr? Nur 2 kleine, und die sind nicht vermerkt. Ich verliere ein wenig Mut und denke mir: DIE schickt uns bestimmt wieder heim. Als sie zurück ist, hat sie aber beschlossen mich schon mal stationär aufnehmen zu lassen. Ich solle das tun, mein Zimmer beziehen, und wenns WESENTLICH stärkere Wehen gibt wiederkommen, sonst in 2 Stunden. Ein wenig entmutigt bin ich ja, aber was soll man machen.. Wir tun wie uns geheißen.

Auf dem Zimmer kommen dann im Verlauf der nächsten Stunde Wehen, die ich tatsächlich veratmen muss, teilweise hilft sogar leises Mittönen. Ich beschließe (nein, der Freund beschließt dass ich beschlossen habe – ich bin bereits ein wenig schwammig darin, meine Forderungen und Wünsche zu äußern, und bin sehr froh ihn dabei zu haben), nun wieder zum Kreißsaal zu wollen. Dort folgt natürlich wieder ein Folter-CTG, aber diesmal von einer wesentlich freundlicheren Praktikantin, die weder so jung noch ahnungslos wirkt wie der Titel vermuten lässt, und Ruhe und Zuwendung ausstrahlt. Aaahh… Sie fragt, ob ich nach dem CTG ein Entspannungsbad möchte, und ich kann gar nicht energisch genug bejahen. Nach viel zu langem Rumquälen ists endlich geschafft und ich darf ins Badezimmer. An dem Punkt bin ich schon relativ un-entspannt, empfinde die nicht-verzeichneten Wehen als doch gut schmerzhaft und tue mir selbst sehr leid.

Aber kaum berühren meine Füße das warme Wasser, lichtet sich alles. Ich stöhne sofort vor Erleichterung auf, als ich vollständig bedeckt im Warmen liege (war keine Gebärwanne, sondern eine ultra große Badewanne mit Vertiefung da wo man drinsitzt… so ein wundervolles Badegefühl hatte ich noch niemals, die hätte ich gern daheim!!!). Die nächsten 1,5 Stunden sind fast ein Traum. Ich habe Wehen, die im Verlauf auch stärker werden, aber dazwischen bin ich ganz wunderbar gelöst, versöhnt mit der Welt, dem Bauch und der Nervösität und kann entspannen. Irgendwann, als das Wasser kalt ist und heißes nachfüllen nicht angenehm, möchte ich dann doch raus. Ich werde abgetrocknet (im Nachhinein realisiere ich: ich habe mich schrecklich unbeweglich und ungeschickt gefühlt während der Geburt, noch schlimmer als eh schon mit Bauch) und darf mir einen Kreißsaal aussuchen. Ich wähle natürlich den mit Wanne. Ist der größte, auch ein normales Kreißbett ist drin, viele Seile und auch ein Platz am Boden für eine Matte. Ich hab also freie Auswahl. Dort muss ich aber nochmal ein CTG erdulden, aber einen Vorteil hats: die doofe Hebamme war als ich in der Wanne war in Feierabend gegangen, und nachgerückt ist eine, die ich von der Akupunktur kenne und als sehr angenehm empfand. Jackpot! Die guckt sich das eine Zeit lang an, und sagt dann, dass wir da wohl eine Sonde ans Köpfchen legen müssen: so schwammige CTGs können wir nicht brauchen, da müssen später verlässliche Daten her. Mir wird ein wenig grün um die Nase: mein armes Baby! Aber sie sagt, dass es zu seinem Besten sei, es muss gut überwachbar sein, auch wenns da nen Pieks in den Kopf braucht. Sie macht dann auch die erste Untersuchung und stellt fest: wir sind bei 4cm. Na also!

Ich bin relativ guter Dinge, auch wenn die Wehen mittlerweile unangenehm sind. Ich töne sie alle auf ein tiefes Oooohh mit, und bekomme generell Lob für meine Atemtechnik, werde gefragt von welcher Hebamme ich komme. Ein wenig schwillt die Brust, gelle… +lach+ Es ist jetzt irgendwas zwischen 13 und 14 Uhr, genau weiß ichs aber nicht. Die nächsten 2 Stunden sind für mich sehr unangenehm. Ich habe starke Wehen, „ooohh“ reicht mir oft nicht, es wird ein deutlich lauteres „aaaahh“ daraus, und als um 16h wieder nachgeguckt werden soll, bin ich mir sicher, dass wir uns der Übergangsphase nähern, so wies mir grade geht. Und dann kommt der bisherige Tiefstpunkt: wir sind bei 6cm. Ich kann es kaum glauben, mich verlässt gerade blitzartig der Mut. 6cm, und ich leide schon so???? Das heißt, wir sind noch nicht annähernd in der fiesesten Phase, und vom eigentlich Highlight kaum zu sprechen?! Gut, das überlebe ich nicht. Ich sage dem Mann, dass ich vielleicht eine PDA will, und schäme mich. Wieder ist er meine Stütze, und bekräftigt mich: Wem will ich denn was beweisen, und wem was vorspielen? Wenn ich nicht mehr kann, dann ist das so? Ich bin seit über 12 Stunden extrem angespannt, habe nachts so gut wie nichts geschlafen, und wenn ich jetzt meine Grenzen erreicht habe dann ist das eben so. Ich nicke, und beschließe noch eine halbe Stunde zu warten, nachdem er mir schon angeboten hat, gleich der Hebamme bescheid zu geben. Ich bin beruhigt, dass ich ihn habe, denn allein hätte mich der Gedanke und die Entscheidung sehr gequält.

Mittlerweile kommt die Hebammenschülerin, die vorhin schon vorgestellt wurde und immer so mit dabei war, und bietet mir Buscopanzäpfchen an, sie würde hören, dass ich grad ordentlich „zu schaffen“ hätte. Die würden Schmerzen lindern ohne dem Kind zu schaden, und das Gewebe um den Muttermund aufweichen. Ich bin sehr dankbar, denn ich hatte auch vorher schon daran gedacht, aber dann doch nicht gewagt darum zu bitten. Sie fragt auch, ob ich vielleicht nochmal in die Wanne (diesmal Gebärwanne) möchte, wenn ichs vorhin so gut fand im Wasser. Ich bejahe wieder, und so legen wir los. Ich merke allerdings sofort, dass mir die Wanne nicht soo sympathisch ist: ich finde keinen Halt. Die Größe hätte mich nicht gestört, aber die Rundungen, ich rutsche überall weg. Nichts vom angenehmen, entspannten Schwerelos-Gefühl, ich muss mich immer festhalten oder abdrücken (was ich nicht soll, um den Beckenboden nicht zu verkrampfen). Bald kommen zu den heftigen Wehen auch gemeine Rückenschmerzen dazu. Ich habe das Gefühl, ich muss den unteren Rücken wo dagegenpressen (was in der Wanne nicht geht), oder ihn gesamt runder drücken, aber auch das gelingt hier drin nicht. Der Mann will von außen helfen, aber er kommt so nicht an die richtige Stelle, und ich mache sogar noch mehr Hohlkreuz damit. Ich versuche noch im 4-füßler, aber auch das ist kaum auzuhalten. Ich muss lautstark auf „AAAAHHH“ tönen um das ganze durchzustehen, und fürchte mich vor jeder neuen anrollenden Wehe. Ich bin ziemlich verzweifelt, habe das Gefühl schon enormen Druck nach unten zu haben und drücken zu müssen, aber weiß, dass ich noch weit von Derartigem entfernt bin – ich war grade mal eine knappe Stunde in der Wanne, es war kurz vor 17Uhr. Ich rufe die Hebamme(nschülerin), sage dass ich aus der Wanne will – und eine PDA. Sie sagt nur „ist in Ordnung“ (ohne Überredungsversuche, gottseidank), und erklärt mir die Rahmenbedingungen, bis es so weit ist haben wir mit Organisatorischem 30-45min Vorlaufszeit, und dann noch die Zeit bis sie wirkt. Ich nicke, und zweifle aber doch: können wir vorher noch eine Untersuchung machen?

Fortsetzung folgt…

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4 Kommentare zu „Geburtsbericht Teil I

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