Arztbesuch · Baby · emotions

Braucht kein Mensch.

Ich brauch wohl noch einige Zeit, um diese Woche zu verarbeiten, daher hier erstmal die Fakten…

Mo, 14.1.
08:00: Baby hat die Nacht durchgeschlafen, ich bin ganz erstaunt und freu mich – wow! Der Vormittag ist dann aber wirklich schlimm, schrecklich weinerlich, quietscht auf sobald ich ihn ablege, nicht mal Zähneputzen ist drin, und wenn ich vom Klo wieder komme hat er sich schon ganz rotköpfig geschrieen.
11:00: Ich beschleße gegen 11h, dass da nur ein Spaziergang hilft. Ich will ihn also umziehen, und hab so ein komisches Gefühl im kleinen Zeh, ich kanns nicht genau benennen, jedenfalls messe ich Fieber. 38,4°. Ich mache mir Sorgen, da die Impfung schon 3 Tage zurückliegt, und rufe bei der Kinderärztin an, vereinbare einen Termin, darf um 15:00 kommen. Ich bin sehr unruhig, und der Kleine weint, weint, weint. Wenn er nicht weint schläft er in meinem Arm. Sonst fällt nichts auf.
13:00: Fieber bei 38,6°, ich werde ängstlich. Fläschchen trinkt er wunderbar, brav die 120ml leer, und ich bin erstmal erleichtert.
15:00: Kinderärztin kann nichts Außergewöhnliches beim Abhören+Anschauen feststellen, meint aber bei so kleinen Würmchen kann man da nicht einfach zuwarten und nimmt ein Tröpfchen Blut für den Schnelltest, ich solle im einen Behandlungszimmer warten.
15:45: Ich höre im Nebenraum die Patienten gehen, und das Gespräch zwischen Sprechstundenhilfe+Ärztin, verstehe aber kein Wort, nur den Tonfall. Viel Geseufze, … ich bekomme Bauchkrämpfe, habe schreckliche Phantasien und als endlich die Tür aufgeht bin ich kurz vorm Heulen.
16:00: Die Ärztin sagt seufzend, dass sie uns nun leider stationär in die Kinderklinik einweisen wird. Ich heule Rotz und Wasser.
16:15: Ich frage nach, was eigentlich los sei: Entzündungswerte erhöht, muss man großes Blutbild machen, Fieber in Griff kriegen und kontrollieren. Wir sollen sofort hinfahren. Auf Nachfrage, was das denn sei  gibts als Spektrum: nichts bis Sepsis. Ich schaffs mit Müh und Not den Baby-Paten mit Auto zur Ärztin zu bestellen.
16:45: Im KH wird er erst mal untersucht, und erfreulicherweise war die Temperatur auf 37,6° runter. Blut soll abgenommen werden, die Assistenzärztin versticht sich am Handrücken und bohrt, schiebt, sucht, bohrt, während der Kleine wie am Spieß brüllt. Völlig verzweifelt und entnervt entfährt mir ein „ists dann mal genug, ich als Erwachsener hätts mir schon längst nicht mehr gefallen lassen!?“ – ehrlich, meinen die sie können grottig stechen und quälen, nur weil ein Baby sie nicht einen unfähigen Vollpfosten nennen und die Spritze um die Ohren knallen kann? Aus Stechunfähigkeit beschließen sie, den Zugang am Kopf zu legen. Ich hab kein Problem damit, Blut zu sehen, auch bei meinem Baby nicht, aber das in den Kopf stechen und das Aufkreischen des Kleinen hat mich fast wahnsinnig gemacht. Die blöde (richtige, fertige und fähigere, aber nur anweisende) Ärztin meinte dann flapsig: „Ach der weint doch nur weil er festgehalten wird.“ Ich möchte ihr eine Nadel in den Kopf stecken und fragen, obs angenehm war, antworte aber nur „ja das hab ich gemerkt, weil er ja schon die ganze Zeit beim Festhalten schreit, nicht wahr??“ Ich bin nur noch am Zittern und wünschte halb, ich hätte meinem Baby das nicht angetan, aber gut. Ich frage dann noch, was ich von daheim brauch – Fläschchen, Milch, Gewand. Alles wird verneint, gibts auf Station, ich solle noch mal nachfragen.
17:30: wir laden im Zimmer, er bekommt eine Infusion angehängt und schläft nach ausgiebigem Schreien an meiner Brust ein. Mittlerweile ist der Mann daheim, und ich geb ihm die Liste was wir alles brauchen durch.
18:30: der Mann ist da, die Testergebnisse nicht. Wir warten darauf, dass der Kleine in den angeklebten Pipi-Sack macht, damit man auf Harnwegsinfekt untersuchen kann. Hunger hat er auch mittlerweile, und ich bekomme eine Flasche Aptamil. Nicht Hipp. Obwohl ich vorher gefragt hatte und es „jaja“ hieß, und der Mann problemfrei welche von daheim hätte bringen können. Habe keine Wahl und geb ihm diese. Er spuckt kräftig, auch später nachts, verträgt den Wechsel natürlich nicht (war mir von vornherein klar, da is er empfindlich) und ich beginne das Krankenhaus zu hassen.
20:00: Testergebnisse liegen vor, allerdings darf uns die Schwester nichts sagen, und die Ärztin hat keine Zeit, weil in der Notaufnahme beschäftigt. Ich werde immer unruhiger, und sehe vor meinem geistigen Auge ein totes Baby. Pipi mittlerweile gesammelt, Harnwegsinfekt ausgeschlossen. Dennoch: ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie solche Angst…
21:00: Schwester teilt uns mit, man möchte ein Röntgen machen. Ich versteh nicht warum und wieso und frage nach dem Zusammenhang, bekomme natürlich keine Antwort, aber es gäbe die Erlaubnis dass der Mann nach unten in die Notaufnahme geht und schnell in Kenntnis gesetzt wird. Ich beginne zu heulen und ernte ein „Ja warum weinen Sie denn jetzt???“ worauf ich schnauze „Weil ich endlich wissen will was mit meinem Baby ist und niemand mit mir redet!!!“
21:30: Röntgen nötig weil Verdacht auf Lungenentzündung (ich schluchze), ob wir die Untersuchung machen lassen – ja, tun wir. Ich geh mit dem Kleinen zum Röntgen, ist eine ziemliche Quälerei für ihn, weil er sitzen muss mit gestreckten Armen – er hängt also mehr oder weniger an gestreckten Armen, aber ich bin froh dass ich das machen darf und nicht irgendso eine ruppige Kröte von hier.
23:00: Wir warten, warten, warten, warten….. endlich die Nachricht, es sähe wohl nicht nach Lungenentzündung aus, sei aber schwer zu beurteilen weil er zu dem Zeitpunkt grad ausgeatmet hat. Vorerst mal Entwarnung. Der Mann geht heim, wir gehen schlafen *haha*, schaffen zusammengezählt etwa 4 Stunden, weil der Kleine nicht gewohnt ist, in einem Bett alleine schlafen zu müssen.

Di, 15.1.
09:00: Das Baby ist wesentlich besser drauf als am Vortag, und begrüßt den Papa mit einem fetten Grinsen. Wir sagen meinen Friseurtermin ab, und warten was da komme… Inzwischen wurde die Infusionsflussmenge runtergedreht, und ich bin erleichtert dass das Fieber trotzdem nicht steigt. Der Knirps ist sehr unruhig (kein Wunder), und ist nur in meinem Arm, bevorzugt an der Brust ruhig. So schläft er auch, mit der Brustwarze im Mund. Egal, Hauptsache er schläft. Mir tut alles weh, was nur weh tun kann, weil der Stuhl so entsetzlich unbequem und die Lehne zu weit unten ist. 15:00: Ich bekomme erklärt, dass man einen Ultraschall machen müsse, das Herz wirke zu groß auf der Röntgenaufnahme. Ich bin verwirrt, waren wir doch erst vor nem knappen Monat bei nem Kardiologen weil die Ärztin ein Herzgeräusch gehört hat. Ich frage die anwesende Ärztin nach dem Grund und Zusammenhang und ernte wieder ein „kann man nicht pauschal sagen.“ Mittlerweile bin ich wirklich entsetzlich allergisch auf die Informationspolitik und entgegne rotzig „gut, dann google ich mal eben,“ und ziehe das Handy (hab zwar kein Internet, aber das weiß die ja nicht) Sie winkt sofort ab, ich solle das nicht tun, da findet man die schlimmsten und tödlichsten Gründe. Ich sage, dass ich das weiß, aber eine andere Wahl hab ich ja  nicht – klar könne sie mich kompetenter informieren, aber sie tuts ja nicht. Schließlich gibt sie nach und sagt, dass sie hoffen dass es nur daran liegt, dass er ja grad ausgeatmet hat und auf dem Bild die Lunge so klein wirkt, dass das Herz verhältnismäßig groß aussieht. Gut, klingt logisch. Wir gehen also zum Ultraschall und diese Annahme bestätigt sich, alles in Ordnung. Das Löchelchen, das der Kardiologe im Dezember gefunden hat ist wirklich winzigklein (geworden?), der dortige Arzt sieht auch keinen unbedingten Grund das zu kontrollieren, außer der Spatz will mal tief tauchen oder benötige eine OP mit Gas im Bauch, auf beides würde man verzichten wenn das Loch noch da wäre. Beruhigend. Außerdem kommt die Infusion nun ganz weg, man wolle mal schaun wie er drauf reagiert.
19:00: Ich erfahre, dass die heute anwesende Kinderärztin mit Spezialgebiet Radiologie, geübteren Blickes für Babyröntgen, sehrwohl von einer beginnenden Lungenentzündung ausgeht, und habe wieder schreckliche Angst. Ich heule mal wieder. Die selbe Schwester, die tags zuvor den blöden Spruch gebracht hat, erwischt mich wieder und fragt, warum ich mir so arge Sorgen mache. Ich erkläre, und sie druckst sich immer wieder um eine Stellungnahme, fragt dann ob ich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht habe, und ich erwähne die Fehlgeburt. Sie meint, das hätte sie sich schon so gedacht in die Richtung, und meint ich solle mal von den ganzen Diagnosen absehen und mal auf ihn schaun – wie sieht er denn aus, was seh ich denn wenn ich ihn anschau, wie gehts ihm denn? Sie erzählt, dass es ein ganz breites Spektrum gibt, und dass da noch viel Raum nach oben gibt, bis es so lebensbedrohlich wird dass ich wirklich derart Angst haben muss. Natürlich ist es bei so kleinen Würmchens ernst, aber grad deshalb tut man so viel, und das sei noch kein Grund durchzudrehen. Ich bin beruhigter, das Gespräch tat gut. Kein Fieber.
22:00: Er kann partout nicht schlafen in dem Bett, und ich bin mit meinen Kräften mittlerweile so am Ende, dass ich nur noch zittere und das Gefühl hab, bald zusammenzuklappen. Ich bitte die Nachschwester, den Überwachungsmonitor auf die andere Babybettseite, als an meine Pritsche zu hängen, weil ich  mit den Kabeln nicht rumkomm und auf dem normalen Stuhl nicht mehr sitzen kann. Ich habe dabei natürlich einen Hintergedanken…
22:15: ich schnappe mir mein Baby und lege mich mit ihm in mein Bett, er kuschelt sich fest an mich, und ich drück ihn richtig fest dran, zieh die Decke über uns beide – schließlich piepst ja der Monitor, sollte ich ihm zu wenig Luft lassen und seine Sauerstoffsättigung runtergehen. Das gibt mir die Sicherheit, mich so mit ihm einzumümmeln. Ich bin mir sicher, dass die Schwester motzt wenn sie uns sieht, aber bis dahin hätte ich schon etwas geschlafen. Ich kann allerdings kaum einschlafen, weil ich so zittere vor Erschöpfung, das hört einfach nicht auf (hey, das hatte ich nicht mal nach der Geburt!?)
01:00: Schwester ertappt uns. Sie stellt den Stuhl vorne ans Bett dran, als Begrenzung und fragt ob wir noch eine Decke brauchen. Ich möchte sie küssen. Dann schlafen wir, werden erst um 7Uhr wieder wach, und Amen möchte ich hinzufügen.

Mi, 16.1.
11:00: Kein Fieber, große Chefarzt Visite, abhören, untersuchen. Man könne keine Geräusche hören, und daher die Therapie an der Stelle beenden, wir dürften nach Hause, oder noch bleiben wenn ich mir unsicher wäre (ich entscheide mich schweren Herzens für letzte Variante). Ich frage, ob denn „beginnende“ Lungenentzündung heiße, dass es nun noch schlimmer werde? Er erklärt, dass das die „Arbeitshypothese“ war, wär genauso gut möglich, dass es das Ende der Lungenentzündung war, oder dass sie einfach nur so klein war. Ich habe natürlich schreckliche Schuldgefühle (hallo, er war vielleicht erkältet und ich habs nicht gemerkt und war impfen!?), frage tausende Dinge nach Ursachen und Gründen und erhalte auf alles nur ein: es war halt Pech.
15:00: wir bekommen eine Zimmernachbarin, und es wird etwas unruhiger – ich bedauere, hier bleiben zu wollen, besinne mich aber darauf dass ich auch nachts nicht schlafen würde weil ich ja ständig schaun würde ob er noch atmet (das mach ich im Normalfall schon etwa 3-4 Mal nachts….). Der Rest des Tages ist in jeder Hinsicht unauffällig.

Do, 17.1.
11:00: nochmal Visite, nochmal genau untersuchen, nochmal (teils dieselben) Fragen meinerseits. Wir dürfen gehen. Ich bestelle uns den Paten und wir fahren heim.

Fr, 18.1.
Der Kleine hat zwar gut geschlafen, aber ist extrem weinerlich und unruhig, trinkt zögerlich. Er vermeldet Hunger zwar lautstark, trinkt aber nur wenig. Ich füttere daher 2-stündlich. Abends endlich die erlösenden 150ml, erstmals so viel. Ich schnaufe durch.

Sa, 19.1.
Die Nacht war gut, der Morgen auch, und ab Mittag ist der Wurm drin: ständiges Gekreische, schlechtes Trinken, nach 40ml schreit er wie am Spieß. Außerdem klingt er heiser. Ich versuche ihm, etwas kühlere Milch zu geben (er mag sie sonst nur SEHR warm), aber das schmeckt ihm nicht. Wir füttern nahezu stündlich Minimengen. Außerdem hat er einen aufgeblähten Bauch und wohl Blähungen, gegen die er ein Zäpfchen bekommt. Und er speichelt und lutscht alles ab. Ich lese, dass wohl Zähne einschießen um den Zeitraum, und das manche Babys ein wenig stört. Achja, und weils sonst langweilig wäre: wir haben nun auch Milchschorf.
Gegen Abend bin ich wieder fertig mit der Welt, und frage bei der Hebamme nach, wann zu handeln sei – wenn er deutlich weniger trinkt als er soll (wir kommen mit viel Mühe auf etwa 5/6 der normalen Menge mit genügend nassen Windeln), oder Fieber bekommt. Vorm Schlafengehen pumpt er anstandslos zu meiner Erleichterung 160ml weg.

So, 20.1.
Nacht wieder gut, aber er hustet. Naaa toll. Trinken wie gehabt schlecht, allerdings nimmt er auch etwas kühlere Milch (schätze 33°??), was wohl angenehmer für ihn ist.
An der Stelle mal ein Berichtsende…. mehr morgen nach dem Kontrolltermin bei unserer Ärztin – ein paar gedrückte Daumen können wir bestimmt gut brauchen… :-/

.
Auf bald,
Hummelchen

 

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6 Kommentare zu „Braucht kein Mensch.

  1. Ich schicke dir alle Daumen die ich habe. Und gute Besserung an den kleinen Mann. Manchmal ist es echt schrecklich wenn sie im Krankenhaus so drumherum reden. Aber nun wird (hoffentlich) alles gut

  2. Ich schwanke noch immer zwischen Heulen und Wut, wenn ich dran denke und lese, wie es euch im Krankenhaus gegangen ist 😦 Für morgen hast du alle guten Gedanken von uns!

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