Entwicklung · Ernährung · Rumpelstilzchen

Und HAPS! (Breivernichtungsmaschine)

Immer wieder begegnen sie mir, und haben bestimmt ihre Berechtigung: die Anti-früh-Ess-Kampagnen.

Ich weiß auch nicht, wie ich es besser beschreiben soll, aber ich möchte hier eine Lanze für die Breivernichtungsmaschinen unter den Babys brechen. Denn wirklich stääändig lese ich Artikel oder Hinweise oder ähnliches, die darauf abzielen, Mütter/Eltern davon abzuhalten, Babys mit zu frühem Beifüttern zu überfordern. Das ist selbstredend ein wichtiger Hinweis, es ist keineswegs ratsam den armen Stöpseln den Brei zu den Ohren reinzuschaufeln nur damit er Himmelhilf irgendwie im Babykörper drin ist. Es wird darauf hingewiesen, dass ständiges Brei-aus-dem-Mund schieben auf eine physiologische Nicht-Reife zum Breiessen hindeutet, dass Babys nicht gezwungen/genötigt werden sollen wenn sie Unlust signalisieren, man sich damit ein späteres gestörtes Essverhalten erziehen kann, usw. usf.

Versteht mich nicht falsch: all das ist richtig, und gut, und der Hinweis nötig und sinnvoll. Möchte ich nochmal betont haben.

Mir allerdings stößt es mittlerweile fast auf, dass man mit diesen Belehrungen so bombardiert wird wie man auch mit „Verhindern von plötzlichem Kindstod“ Infomaterial panisch gemacht wird (auch hier: wichtig und nötig, aber: sagen und gut!). Ich hab bisher auuussschließlich Argumente gelesen, die das Hinausschieben des Beikostbeginns im Fokus haben, und das ruhig angehen-lassen. Ich weiß nicht, ob es einfach so ist, dass nunmal 99% der Babys damit nicht klar kommen und 99% der Eltern dann trotzdem weiter machen, aber angesichts der einseitigen Informationen bin ich gewillt das zu glauben. Ich habe (bis auf Nahrungsmittelhersteller, und da wollte ich immer glauben und mir weis machen lassen, die tuen das nur für ihren eigenen Absatz) noch niemals gelesen, dass es völlig problemfrei mit dem Breifüttern losgehen soll, man sich nicht kirre machen lassen soll und dem Baby einfach so viel Brei reinschaufeln darf wie es essen kann und will.

Denn uns geht es so, wie sonst wohl kaum jemanden: das Baby LIEBT Brei. Es liebt vom Löffel zu essen, kann gar nicht genug davon bekommen. Er wird so gierig, dass ich kaum schnell genug den Löffel befüllen kann. Sitzt er in der Wippe tritt er hektisch mit dem Fuß nach mir, sobald er geschluckt hat, zieht sich meine Hand näher (schon mehr als einmal hat er sich so den gefüllten Löffel im Gesicht verschmiert), stopft mit der Hand nach wenn was in den Mund kommt (ob das als Zeichen, er würde auch bald „frei“ essen, in Frage kommt?) und ist wahnsinnig glücklich und gut drauf, strahlt und jauchzt, sobald er schon nur die Schüssel erkennt. Und das ging nicht nach langem Quälen so, sondern ab etwa dem 3./4. Tag. Das erste Verschling-Video hab ich exakt 7 Tage nach Beginn gedreht. Außerdem hat er nicht wie gewarnt mit Stuhlproblemen reagiert, im Gegenteil: seither hat er keine Verstopfung mehr, sondern etwa 2 volle, normal aussehende (also, geformt, aber weder hart noch flüssigbreiig) gefüllte Windeln täglich. Täglich! Nicht wöchentlich!! Einseinself!

Auch die Menge, die er isst, ist beachtlich. War er beim Fläschchen immer ein „Spatz“ (auch nachm Abstillen), hat im Regelfall 120-150ml getrunken statt den 210, die er hätte haben dürfen, haut er sich Brei weg dass ich nur so staunen kann: es gibt hier 160g Gemüsekartoffelbrei, und dazu 20g Fleisch. Anschließend stelle ich etwa 30g Obstbrei bereit. Kürzlich hat er alles verschlungen und wütend geweint, als nichts nachkam. Da ich nichts anderes aufgetaut hatte, gab es dann nochmals die selbe Menge Obst, und als er anschließend immer noch gequängelt hat hab ich ihn fast „gewaltsam“ abgelenkt. Weil eigentlich .. kann er doch keinen Hunger mehr gehabt haben ?? Darf ich denn dann noch nachfüttern? Solche Fragen konnte mir bislang noch kein Text beantworten, heißt ja nur „bloooß nicht zu viel reinstopfen“. Da er generell gestern oft und viel haben wollte, denke ich er ist grad in einer „Vermopsungs-Phase“. Heute gabs nach dem Brei noch Gläschen-Brei-„Zusatz“.. der schmeckt ihm nicht so gut, und ich kann also sicher sein, er isst nur das was er wirklich *braucht*, und nicht nur worauf er grade Lust hat, oder gierig ist. Gibts denn sowas schon bei so kleinen Babys???

Seit einigen Tagen gibt es hier auch Abendbrei. Wider Erwarten zieht er sich die vollen 200g Milchmischung+20g Reisflocken+20g Obst rein. Nur gestern blieb ein Löffel übrig, weil ich ihn wohl zu früh gefüttert hatte… Er ist dann wohl voll bis obenhin, schläft auch erstmals durch (2 von 3 Nächten, bisher; wobei ich mit Durchschlafen nicht meine, dass er nicht mehr aufwacht, sondern nur dass er nachts nicht mehr gefüttert werden muss!). Und dabei habe ich extra darauf geachtet, keinen fertigen Brei zu nehmen, bei dem oft gehaltvolle Folgemilch drin ist, die Durchschlafen durch Übersättigung erzielen (Stichwort: schlaf gut/ gute Nacht – Breie). Ich glaub es liegt daran, dass er einfach wirklich sehr SATT ist, im Unterschied zu dem zimperlichen Fläschchen das er sonst abends (nicht) trinkt.

Ich hab fast das Gefühl, er möchte bittedanke möglichst bald nur Brei haben. Es ist zZ sehr schwierig, ihm die anderen Fläschchen zu geben (Baby hat durch die Riesenportionen die es momentan isst nur noch 4-5 Portionen täglich statt davor 7-8. Heißt aber, dass er 2-3 Fläschchen trinken muss!), oft weint er und sträubt sich, trotz Hunger, ich muss kaspern, singen, oder ganz unpädagogisch die Glotze anstellen *augenroll*… (alternativ im Halbschlaf, das klappt auch noch) Das komplette Umstellen scheitert mal grundsätzlich an 3 Dingen:
– Erstens, ich bin total verunsichert ob ich das „darf“, so zügig vorgehen, es heißt ja immer nur: Gang runterschalten!!!
– Zweitens, ich möchte langsam vorgehen, um Unverträglichkeiten zu erkennen bzw ihn vorneweg gleich mal nicht zu überfordern  … mit ihn  mein ich übrigens seinen Verdauungsapparat, nicht das Baby
– Drittens, er trinkt nicht. Wenn ich jetzt so schnell die Milch weglass bekommt er für meinen Geschmack viel zu wenig Flüssigkeit.. Wir üben täglich (ja, DAMIT quäle ich ihn schon eher), hören aber auf wenn er weint, und viel Erfolg verzeichnen wir noch nicht (obwohl es voran geht, etwa 15-40ml pro Tag!). Sobald er das kann, werden wir weitere Mahlzeiten einführen. Diese Vorgehensweise besprech ich noch mit der Ärztin bei der nächsten U, vielleicht weiß sie cleveren Rat wie ich dem Zwerg Flüssigkeit reinmogeln kann.

Wenn ich also mal als Mama emanzipiert genug bin, dann werde ich allen Mamas mit esseifrigen Babys sagen: Herrgottnochmal, so lass doch dein Baby in Ruhe seinen Brei essen, wenn es will, und lass dir nicht vorschreiben, dass du das nicht darfst weil bei irgendeinem anderen Baby nicht alles so läuft. Babys beugen sich nicht dem Willen der Breihersteller oder Verfechtern der Gegenseite: sie geben das Tempo vor – in verdammtnochmal beide Richtungen.
(Noch trau ich mich das nicht, aber wenn ich nochmal 2, 3 solche Babys hab, dann … vielleicht!)

.
Auf bald,
Hummelchen

PS: Ist es Einbildung, wenn ich wahrnehme, dass einem ein esseifriges Baby auch so geneidet wird wie ein durchschlafendes Baby? Hab ich hier im Bekanntenkreis wahrgenommen (aber vielleicht nehm ich auch zuviel wahr, manchmal hör ich Gras wachsen, ne?). Wenn er jetzt konstant durchschläft trau ich mich das kaum noch zu sagen. Und wenn ich dann auch noch gefragt werde, und erzähle, dass er kugelt, sich wie ein Uhrzeiger dreht, rückwärts schiebt, ein wenig robbt und Krabbelvorstufen übt und außerdem schon 2 Zähne hat krieg ich meist Blicke die mich nötigen, schnell ausdrücklich zu betonen: ABER ER BRABBELT NOCH NICHT! Herrje…….. Traurig, oder? :-/

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8 Kommentare zu „Und HAPS! (Breivernichtungsmaschine)

  1. Hihi ich muss ein bisschen schmunzeln. Ist doch total klasse wenn er so gern isst. Und er ist doch knapp 6 Monate alt, das ist doch nicht sooo früh oder? Den ersten Brei gabs hier auch mit 5 1/2 Monaten. Und laut Ärzten soll man ja sogar schon mit 4 Monaten beginnen.
    Ich denke man muss wie bei allem einfach gucken wie das Baby sich entwickelt. Wenns gut isst, wunderbar! Wenn nicht, lieber noch abwarten. Ich bereue nämlich im Nachhinein es doch immer weiter probiert zu haben obwohl sie offensichtlich viel lieber noch weiter gestillt worden wäre.
    Mit der Menge bin ich auch unschlüssig, aber denke mir dass Babys wohl schon zeigen wenns zu viel ist. Der Abendbrei geht hier nämlich auch super und da haut sie manchmal 200 Gramm Brei weg und nochmal ordentlich Obst hinterher. (Und schläft trotzdem nicht durch, so viel dazu.)
    Und rechtfertigen brauch man sich für gar nichts! Die entwickeln sich nunmal alle anders, das ist doch super. Das Julimädchen robbte mit nicht mal 6 Monaten und drehte sich mit knapp 4 Monaten.
    Vermutlich ist es einfach eher typisch, dass Babys ncht so früh super essen so wie es eben eher typisch ist, das sie nicht durchschlafen. Deswegen wohl die vielen Artikel und Hinweise darüber. Aber ist doch umso toller, wenn man so ein gut essendes oder schlafendes Baby hat. Genießen. 🙂

    1. Ich glaub, wenn ich stillen könnte und würde, dann würde er nachts auch noch trinken, weil er ja doch oft wach wird (momentan fällts ihm extrem schwer eine für ihn akzeptable Schlafposition zu finden), und dann weint. Mit Schnuller und Kuscheln lässt er sich einigermaßen bald beruhigen, aber wenn es nicht so eine Überwindung wäre aufzustehen und das Fläschchen zu machen 😛 und ich ihm die Brust geben könnte würd ich das sicher auch öfter tun, und dann würd er mitnichten schlafen und sich das entgehen lassen.. Aber er hat da halt keine Wahl, und er schreit auch nicht nach Flasche (der Unterschied im Weinen „mir passt was nicht“ und „lass was zu essen rüberwachsen“ ist überaus deutlich bei ihm, hust) wenn er nicht wirklich hungrig ist. Ist beim ihm wirklich die ultima ratio Notlösung, die Dinger trinken zu *müssen*..
      Und ja, du hast Recht.. ich muss das wohl mehr genießen und dankbar dafür sein, vor allem da wir eine verhältnismäßig eher anstrengende Anfangszeit hatten ist das wohl der Ausgleich, dass er da jetzt unkompliziert ist… (und bleibt? *fingerkreuz* hehe)

  2. Klingt doch alles super. Bei uns ist der Mittagsbrei gerade der Hit. Er zeigt in Richtung Becher sobald er ihn sieht und isst gerne. Das Wasser gebe ich ihm übrigens aus einem richtige Glas. Es läuft einiges daneben, aber er schluckt auch viel. Wie machst du das?

    1. Beste Erfolge hatten wir mit Flasche mit großem Saugerloch (so dass es rausläuft beim Umdrehen) und einem „Trinklernbecher“, wo man das Ventil ein und aus bauen kann. Mit Ventil kaspert er nur, ohne kann ichs immer kippen, lass was in den Mund laufen und… hoffe dass was drin bleibt 😉 Im Prinzip also auch so, ich werd auch nix mehr in die Richtung kaufen sondern gleich Becher/Glas nehmen. Blöd nur, dass er dabei SO viel wieder rauslaufen lässt und sich verschluckt .. Ist halt wohl Übungssache (auch für mich, weil er so zappelt is es schwer zu dosieren..)

  3. Bei uns war es genauso. Meine Tochter hat mit 4 Monaten den ersten Brei bekommen und mit 6 Monaten nur noch eine Flasche am Morgen gehabt und 3 Breie am Tag. Sie hat die selbst gemachten Breie geliebt und hat sich prächtig entwickelt, mit einem Jahr hat sie sogar ohne einen einzigen Zahn vom Familientisch mitgegessen. Als sie in die KITA kam, haben die Erzieher immer gestaunt, dass sie ohne Prostest alles ist und vor allem Gesundes bevorzugt. Heute ist sie 3 Jahre alt und es hat sich nichts geändert. Meine Zwillinge sind 3 Monate alt und bei ihnen werde ich es genauso machen und früh Beikost geben. Ich freue mich jetzt schon aufs Breichen kochen.
    Also nicht verunsichern lassen, Du machst das super und hörst auf die Stimme deines Kindes und nicht auf allgemeine Richtlinien. Bei uns im Freundeskreis haben fast alle früh angefangen, Breie zu geben und waren eher frustriert, wenn es nicht geklappt hat.

    1. Na DAS ist mal beruhigend zu hören! Ich muss mich auch ermahnen, entspannt akzeptieren zu dürfen dass es gut läuft (so paradox das klingt!), aber ich bin durch so viel Gegenlautendes fast erleichtert wenn er mal ganz *normal* was stehen lässt, so wie heute – er war zu müde und schaffte knapp 2/3 Abendbrei.
      Danke für den Bericht! 😉

  4. Ach, ich finde das eh manchmal ziemlich anstrengend: „Wie, dein Baby kann noch nicht das und das? Also unserer macht das ja schon seit 2 Monaten.“ – „Deiner bekommt schon Leberwurstbrot? Aber kann er das denn kauen? Die können sich ganz übel verschlucken.“ – „Ihr gebt nachts immer noch Milch? Aber der muss doch inzwischen durchschlafen können. Da ist er alt genug für. Einfach mal schreien lassen, dann will der bald nichts mehr.“

    Ommmmmmm…..
    Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Jedes Kind isst unterschiedlich viel (und hat selber dann nochmal unterschiedliche Phasen, wo man echt denkt „wo lässt der das alles?“) Und ich hab inzwischen aufgehört mir da den riesen Kopf zu machen, sondern frage erstmal meinen Bauch. Und wenn andere aus der Krabbelgruppe das anders machen, sollen sie das halt so tun.
    Und wenn deiner gerne isst, ist doch wunderbar. Außerdem: Wir haben mit dem Krümel auch nach 5 1/2 Monaten angefangen.

    Was mir eben zum Thema Wasser noch eingefallen ist. Schonmal auf dem Löffel angeboten? Oder meinste das ist Sauerei? So zwischendurch zum druntermogeln *g*

    1. Ich find das auch anstrengend. Ich mag das ständige Vergleichen nicht.. also, das Erzählen schätze ich unglaublich, aber es gibt Menschen da hat das Gespräch einfach Überordnung „Konkurrenzkampf“. Finde überhebliche Mamas von Wunderbabys da ermüdend.. nicht dass ich mich nicht über Entwicklung anderer freue, aber dieses folgende „waaaas, deiner etwa niiiicht? Ohjeeee“ ist.. gnaaa.

      Löffel – ja. Mag er nicht. Das Grundproblem ist, dass er nichts Flüssiges im Mund haben will, egal wies da hin kam. Ich geb ihm seinen Obstnachtisch mittags 50:50 verwässert, da ist die Konsistenz ne Gratwanderung, aber das geht.
      Ich schätze, durstfrei ist er aktuell ab 80ml täglich. Ist halt doof, weil er sonst nachts weint (ich hör richtig wie er trockenmundige Schmatzgeräusche macht), und dann nur Milch nimmt – die ER eigentlich wirklich nicht mehr braucht weil er tags SO viel isst, aber aus Durst dann nix anderes geht.. Vorletzte Nacht konnt ich ihm so im Halbschlaf 30ml reinmogeln bevor ers gemerkt hat, das hat dann auch gereicht *mihihi*.

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