emotions · Gedanken

Reizbar

Aller Fairness halber muss ich zugeben: ich bin nicht der entspannteste Mensch der Welt. Ich bin also relativ schnell mal un-entspannt, genervt oder ähnliches.. Im Normalfall kann ich aber relativ gut damit haushalten, muss mich nur gelegentlich ausmotzen, und dann gehts wieder.

Momentan aber, da lassen sich meine Gefühlsregungen schwerer kontrollieren, ich nehme sie irgendwie viel „gewaltiger“ wahr, bin ein wenig ohnmächtiger oder weniger geschützt, lasse mich viel mehr davon beeinflussen.. Mich nervt das gewaltig, weil ich eben nicht gewohnt bin so arg emotional zu sein, und schiebe es primär auf die Schwangerschaft. Hauptsächlich bin ich momentan schnell genervt. Ich musste mir schon gefühlte paar trillionen Mal vom Mann augenrollend anhören „wie kann man sich da nur so drüber aufregen / so viele Gedanken machen??!“ und meist bin ich dann gleich nochmal mehr genervt, wie man so blöd sein kann, zu meinen ich mach das absichtlich.. 😉

Hauptaufreger scheinen sich grad (von haushaltsbezogenen Konflikten mit dem Mann) aufs Wohnzimmer zu konzentrieren. Es ist ja nun so, dass wir zwei seeehr haarige Katzen haben, die noch dazu einen außergewöhnlich heftigen Fellwechsel vollziehen: Norwegische Waldkatzen sind Halblanghaarkatzen, und im Winter tragen sie eine Löwenmähne, Wollebüschelbauch, dicken Schweif und hinten an den Beinchen etwa 10cm lange Haare… Im Sommer haben sie eher nur Fell mit Zugabe. Alles andere fällt aus. Und bisher wars saukalt, also.. kommt grad der mega Fellwechsel. Um es hier konstant sauber zu halten müsste ich täglich etwa 2 mal Staubsaugen. Schaffe ich nicht. Ich sauge die ganze Wohnung alle 2 Tage, Küche und Wohnzimmer täglich. Kostet mich momentan viel Kraft, weil todmüde und so. Und wenn ich anderen erkläre dass ich so schlimm müde bin, dann schieb ichs gemeinerweise oft aufs unschuldige, brav-schlafende Baby :‘-( …

Jedenfalls ist im engen Familien- und Freundeskreis bekannt: hier grad ein wenig Land unter, viel zu putzen und wenig Energie dafür. Spätestens wenn sie zur Tür reinkommen wissen sies, weil ich mich dafür entschuldige wies ausschaut. Ja, ich bin da etwas neurotisch sensibel.

So, und nun kommen die beiden Situtionen, die mich zum beinahe-ausderhautfahren bringen.

1) Kumpel vom Mann (=Pate) kommt auf Besuch. Bei ihnen zuhause ist es üblich, Straßenschuhe auszuziehen auf einem Treppenabsatz/Vorraum, und zwar bevor man den ersten Fuß in die Wohnung setzt. Sie selber machen das so, und auch ihre Gäste, es ist halt einfach selbstverständlich. Er latscht bei uns aber prinzipiell mit Schuhen rein. Bisher hab ich da oft drüber geschaut, aber nun haben wir eben ein Baby, das jeden Millimeter vom Wohnzimmer mehrmals täglich ableckt. Noch dazu hatte es an besagtem Besuchstag geregnet. Ich stelle mich ihm also in den Weg, vor den Wohnzimmereingang, und da er keine Anstalten macht seine dreckigen Schuhe auszuziehen, frage ich (wie kann man höflich sagen „lass gefälligst die Treter aus meinem Wohnraum?!“) „Darf ich dir Schlapfen anbieten?“ und fand das Hinweis deutlich genug. Er entgegnet breit grinsend „nö“ und will an mir vorbei ins Wohnzimmer. Ich stelle mich auffälliger in den Weg und sage eine Spur patzig „weil dus bist darfst auch mit Socken“. Als er immer noch nicht reagiert hat, füge ich an „jedenfalls geht mir keiner mit Schuhen ins Wohnzimmer, weißt du, da krabbelt ein Baby und ich wills nicht von deinen Schuhsohlen lecken lassen.“
Echt jetzt?! 0.O

2) Situation Zwei kommt vom zweiten Empathie-Genie unseres Kreises, dem Schwiegervater. Das ist ohnehin ein Thema für sich, über das ich mal schreiben müsste. Jedenfalls gibts da diesen Köter (pardon, ich mag Tiere im Allgemeinen, entwickle aber gegen manche Abneigungen, für die sie weniger etwas können als deren Besitzer, aber… ), der vom Schwievater wie sein Baby behandelt wird (hallo Midlifecrisis – ja er schaffte ihn sich kurz an nachdem er erfahren hat Opa zu werden und beim Vorgängerhund war das alles auch niiiiieeee so!!!). Anfangs durfte er keine Sekunde daheim allein gelassen werden (bei Welpen die stündlich pinkeln verstand ichs ja noch irgendwo, ne..). Geändert hat sich aber seither nix, der Hund ist nach wie vor mit ihm in der Arbeit, wird in seiner Mittagspause von ihm nach Hause gefahren, und dort wartet er bis Schwiegermama vom Halbtagsjob kommt um dann schnell zur Arbeit zurück zu hetzen. Besonders ärgert mich, dass sie aber in unserer Wohnstadt arbeitet und sehr gerne auch mal 1, 2 Stunden vorbeikommen würde nach der Arbeit, was ich sehr sehr sehr gerne annehmen würde, aber sie darf nicht. Nur in Notfällen. Dann nimmt der Schwiegervater Urlaub.
Ja, kein Joke.

Jedenfalls muss das blöde Vieh (pardon) immer mitkommen wenn sie zu Besuch sind, kürzlich an einem Regentag (gabs ja viele), kam er eben wieder hoch, und trippelt mir das ganze Wohnzimmer dreckig. Ich also bemüht, das Baby auf seiner Krabbeldecke zu halten (um danach sauber zu machen bevor er wieder krabbeln darf), und außerdem hab ich mich erfrecht eine Decke für den Hund hinzulegen (der auch mit seinen Krallen und seinem überaus blöden aufgeregten Temperament ordentliche Kratzer in unserem Billiglaminat hinterlässt, den ich aber bittedanke nur ungern komplett austauschen möchte bei Auszug). Mit unverständigem Blick, was er mit der Decke soll, meinte ich „ach ich dachte für die #blödethöle“ (ich nannte sie natürlich beim herkömmlichen Rufnamen). Das fand er erst doof, dann erklärte ich warum, dann war er schon leicht .. naja, eingeschnappt. Und dann kam der Brüller: nachdem er mir beim letzten Besuch mit Straßenschuhen versehentlich auf den Krabbelteppich gelatscht war, und ich ihm sagte dass mir das nicht recht ist – er sich natürlich entschuldigt, er hätte da gar nicht drauf geachtet, glaub ich ihm – geht er einmal um den Tisch rum, stellt sich langsam mit beiden Schuhen nebeneinander einmal auf die Krabbeldecke, schaut mich an und sagt „oh, da steh ich ja schon wieder drauf“. Mir ist fast die Kinnlade runtergefallen. Mein  Mann behauptet, er hätte das nicht so provokant gesagt wie ich es gerne zitiere, aber genau SO provokant kam es bei mir an. Die Schuhe hatte er übrigens deswegen an, weil er die a) ohnehin nie auszieht oder ausziehen würde und b) er keine Schuhe ausziehen braucht solangs der Hund nicht kann (ich muss ja eh danach nass wischen)…

Jedenfalls, sowas bringt mich momentan zum Kochen, und ich kann mich anschließend stundenlang aufregen, Tage danach noch, und auch noch mal exzessiv vorm nächsten Besuch. Mal ehrlich, muss man sich so blöde benehmen, oder erwarte ich da zu viel von Leuten, die noch nie ein Baby hatten oder schon 30 Jahre nicht mehr? Ich finds halt irgendwie ne Selbstverständlichkeit, Schuhe auszuziehen, außer man wird aufgefordert es zu lassen. Aber bei Regenwetter die Wohnung dreckig zu tappeln, also da wär ich noch nie drauf gekommen, Krabbelbaby hin oder her. Ich bin daher einfach grad nur sehr vor den Kopf gestoßen von der Unverfrorenheit oder Dreistigkeit unserer Besucher.. *seufz*
Beten wir eine Runde für mehr Empathie, mehr Benimm, und mehr Geduld und Nerven für mich, ja? 🙂

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Auf bald,
Hummelchen

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10 Kommentare zu „Reizbar

  1. Liebes Hummelchen

    Für mich liest es sich, als fehlt deinem Besuch wirklich der Anstand. Familie oder guter Freund hin oder her. Es gehört sich doch die Treter auszuziehen oder zumindest zu fragen ob man diese denn anlassen darf. Mich würde es also genau so auf die Palme bringen und ich bin nicht schwanger! Aber scheinbar fehlt es den Herren der Schöpfung einfach an Verständnis, dass da nunmal ein Krabbelbaby unterwegs ist und eben die Schuhe ausgezogen gehören.

    Vielleicht hilft denen auch ein Hinweisschild à la „Bitte Schuhe ausziehen“. Und beim nächsten Regenwetter für den Hund ein altes Handtuch bereit halten, das dann dem Schwiegerpapa in die Hände drücken und der soll dem Hund die Tatzen abwischen. So haben wir das zumindest bei unserem Hund immer gemacht ;-).
    Also ich wünsche dir ganz viel Geduld und Nerven für deinen nächsten Besuch.
    Liebe Grüsse, Themama

  2. Von mir völlig unschwanger vollstes Verständnis! Finde das auch frech und mag es absolut nicht wenn mir jemand mit Schuhen in die Wohnung läuft. Macht sogar meine Mutter jedes Mal und grade DIE hat mir beigebracht dass sich das nicht gehört.
    Werde da nun auch zickiger und sage dass wir hier ein Krabbelbaby haben. Wobei ich das schon vorher doof fand.

  3. Hallo Hummelchen.
    Ich bin nicht schwanger und würde beide Situationen genauso schlimm empfinden wie du.
    Ich weiß grad gar nicht, über was ich mich mehr aufregen soll, vermutlich Nr. 2.
    Das geht gaaaar nicht.
    Schuhe an oder aus – da gabs mal ne sehr interessante Diskussion bei der kaltmamsell
    (http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/2012/01/schuhausziehwohnungen.htm) insbesondere die Kommentare sind echt spannend zu lesen.
    ABER: völlig egal, wie man es bei sich zu Hause handhabt, wenn einmal klar ist dass in der Besuchswohnung Schuhe aus gewünscht ist, dann muss sich jeder dran halten, insbesondere gute Freunde und Verwandte…
    Ne, also da fehlen mir echt die Worte
    Ich glaube gern, dass das Nervenkostüm hormonell bedingt anders reagiert, aber das sind zwei ganz ganz berechtigte Aufreger.
    LG lajulitschka

    1. Haha, interessante Diskussion.. für mich ist das normalerweise so: sind es Gäste, für deren Besuch ich mich extra schminke und mir die Haare föhne und schick anziehe, dürfen sie die Schuhe anlassen. Dürfen die Gäste nach Konsum der Pizza auf die Couch lümmeln und den Hosenknopf aufmachen, dann sollen sie die Schuhe ausziehen. So war das prä-Baby 😉
      Regen- und Matschwetter ist so ein Zwischending, aber nun mit Boden-rutsch-Baby find ich entbehrt das jeder Diskussionsgrundlage, und ich kann nie und nimmer begreifen wie man nicht zumindest auf die Idee kommt, das Schuheausziehen von selbst anzubieten !?

  4. Ich kann das voll und ganz nachvollziehen. Ich bin zwar gerade schwanger, aber ich würde mich auch im unschwangeren Zustand darüber aufregen. Und egal ob ich nun gerade ein Krabbelbaby habe oder nicht, das gehört sich einfach nicht, gerade bei Regenwetter. Meine Oma macht das ganz genau so. In ihrer Wohnung darf nicht das kleinste Krümelchen rumliegen, aber wenn sie bei uns ist und nur mal ganz kurz reinkommt, da werden auch keine Schuhe ausgezogen. Zum kotz… sowas.

    Wie wäre es denn wenn du so Plastiküberzieher bereitlegst? Und sobald der Besuch kommst, wirfst du dich auf die Knie und ziehst jedem so ein Ding über die Füße. 😉
    LG Julia

    1. In aller Regel haben wir genügend normale Schlapfen von uns anzubieten, oder eben diese Gäste-Dinger.. darf auch jeder mit Socken, aber das wär mir unangenehm weil ich weiß dass die dann ne Pelzschicht drunter haben. So Plastik-Schneeschuhartige-Dinger wären mal was. Und seis nur des Sarkasmus wegen für die Verweigerer 😀

  5. ich denke manche denke da nicht wirklich darüber nach … jedesmal wenn wir bei schwiegereltern zu besuch mit baby waren, habe ich das katzenfutter hochgestellt … und jedesmal hat die tante das zeug wieder runtergestellt … das spielchen hatte ich bereits bei der schwägerin mit babys beobachtet …
    irgendwann war die katze dann nicht mehr und auch wenn es mir für das tier leid tat, war ich froh, das das futterhochstellen erledigt war … und ich mag tiere sehr …

    und wenn du zur alternative wohnzimmer mit den schuhträgern in die küche/esszimmer gehst?

      1. versuchs doch einfach mal … 😉
        ist doch nicht dein Problem, wenn der Gast mit Schuhen auch noch sitzen will …
        [ach, das bin ich nicht, das ist der kleine Teufel da neben mir auf der Schulter, der da gerade schreibt … #zwinker … dazu kommt mein derzeitiges Hormontief … #ironisch kicher]

  6. DANKE! Ich kapiere es wirklich nicht. Wir haben ein riesiges Wohnzimmer und wo latscht der Besuch mit seinen Straßenschuhen drauf rum? Auf der Krabbeldecke. Und was kriegt das Baby als erstes? Die dreckigen Griffel zum Draufrumlutschen. Ich HASSE es…

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