emotions

Ein wenig zuviel des Guten

Ich hab bestimmt schon an der ein oder anderen Stelle von meinen tollen Schwiegereltern geschwärmt. Dass sie ganz deutliche Macken haben, hat der aufmerksame Leser aber sicher auch noch im Gedächtnis. Leider hat die Präsenz selbiger Macken in letzter Zeit so die Überhand gewonnen, dass ich echt ein wenig sehr abgesättigt bin, und an dieser Stelle einfach mal ein wenig rumkotzen muss…

Das Kleinste der Probleme, aber irgendwie immer Dauerbrenner für mich, ist das Schuhthema. Wir sind ja endlich aus der bescheuerten Wohnung raus, wo der Boden kaputt geht und sich vor Feuchtigkeit wellt wenn man im Raum einmal niest. Insofern ist diese unmittelbare, für die meisten noch einigermaßen nachvollziehbare Begründung, warum bei uns keine Schuhe getragen werden durften (1. weil sie eventuell nass sind, und 2. weil sie dreckig sind und ich anschließend nass wischen müsste), weg. Im Haus gibts nämlich Fliesen. Da darf wohl jeder Besucher davon ausgehen dass wir ja eh wischen können sobald sie weg sind. Können wir. Tun wir ja auch. Müssen wir ja.
Nun liegt da aber im Wohnzimmer bei der Couch ein Teppich. Weil eben Fliesen und so… Und standardmäßig wird da, auch während grad nebendran noch gearbeitet/geschraubt/gebohrt/gefliest/sonstwieDreckarbeit gemacht wurde, prinzipiell drauf gelatscht. Ich hab schon mal versucht zu sagen, dass ich den Teppich nicht in die Waschmaschine stecken kann, half alles nichts, auch Hinweise vom Mann, bitte nicht mit Straßenschuhen über den Teppich zu laufen, halfen immer nur für den Moment. Beste Antwort der Schwiegermutter „och die haben nichts“. Was auch immer sie damit meinte? Dass wir uns sorgen der Teppich ruiniere angeschlagene Schuhe? Häh? Oder die haben keinen Dreck dran? Ach nein? Soll ich dann das nächste Mal mit meinen Straßenschuhen bei ihnen durchs Bett laufen, weil offensichtlich ja kein Dreck transportiert wird? Übern Asphalt schweben wird sie wohl auch nicht…. *augenroll*
Was mich so maßlos stört: Ich finds schon mal eine Frechheit, nicht zumindest zu fragen ob man die Schuhe ausziehen soll. Ich versteh ja, dass man geneigt ist zu denken „ist eh schon wurscht“, weil bei uns noch so chaotisch ausschaut vom Umzug, aber konsequent unsere Regeln zu ignorieren, das lässt mich aus der Haut fahren. Versteh wer will…

Aber eigentlich sind das Peanuts. Richtig ärgerlich ist, dass wir eben grad leider auf ihre Hilfe angewiesen sind. Zum Einen, weil ich diverse Arbeiten einfach nicht mehr machen kann, auch wenn ich sonst nicht ungeschickt in handwerklichen Dingen bin, ich kann grad nicht mehr so wirklich heben, mich bücken, komme nirgends dran, usw. Und schlapp bin ich auch nach kürzester Zeit. Zum Anderen – selbst wenn ich grad mitarbeite, wer kümmert sich denn dann um den Großen? In seiner Mittagsschläfchenzeit arbeiten wir zwar im Akkord, aber laute Arbeiten gehen eben nicht. Folglich hat hier der Schwiegervater oft mit dem Mann irgendwas gearbeitet. Den Küchenspiegel gefliest zum Beispiel.
Nun ist es so, dass der gute SchwieVa nicht dezitiert ungeschickt ist, aber er hat einen total dämlichen Arbeitsstil. Zum Einen hat er mal von vornherein NULL Bock und kommt mit entsprechend pissiger Laune. (Wenn man ihn aber nicht um Hilfe fragt, ist er auch beleidigt) Dann will er ganz zackig alles fertig haben, kommt zur Tür reingeschossen und hat den Bohrer schon im Anschlag, rennt ohne Grußwort los und fängt an, womit auch immer. Gehts dann nicht schnell genug lässt sein rudimentär perfektionistisches Streben nach, und er – pfuscht. Sorry, besser kann mans nicht sagen. Da werden dann die Fliesen eben abgeschnitten, weil da das Fensterbrett endet und es nervt eine Ecke ausschneiden zu müssen. Dass das nachher scheiße aussieht ist zweitrangig. Nach dem ersten Fliesentag haben dann Mann und ich etliche Fliesen wieder abgeklopft, weil ich das nicht so durchgehen lassen wollte – immerhin fliese ich ja nicht jährlich nach, da möchte ich schon dass das bittedanke auch längerfristig dekorativen Wert hat, und nicht nur die Wand möglichst ohne viel Aufwand mit Fliese zugepappt wird… Echt he. Weiters will er ja schnell fertig werden, also werden keine Pausen gemacht. Maximal zum Trinken. Gegessen wird nicht. Auch nicht hingesetzt. Wenn dann abends alle beide völlig durch sind und kaum Nerven für gar nix haben, die Arbeit immer bescheidener aussieht, ist das nie und nimmer seine Schuld oder Grund was zu ändern. Dann sind die Fliesen schuld. Oder der Kleber. Das Licht! Wasauchimmer.. Alles scheiße, es wird gemotzt, er wird latent aggressiv und raunzt alle an. Hey, kein Wunder nach so einem Tag, ne? …. *augenroll*

Überhaupt macht er alles richtig. Er ist Experte für alles. Andere wissen nichts, und daher ist es nur selbstverständlich dass man sich seiner Expertise zu beugen hat. Und WEHE da hat jemand Einwände! Man darf auch nichts in Frage stellen oder gar kritisieren. Auch ein vorsichtiges „ich hätts gern anders“ bringt ihn schon an den Rand vom Austicken. Widerworte ist der Gute auch nicht gewohnt, es ist daheim nämlich üblich, dass Frauchen kuscht. Die tut das übrigens äußerst gern und freiwillig, ist ihre Art. Meine aber nicht, Pech. Ich hab eine Meinung, und die hat auch Bedeutung, Punktum. Damit kommt er nicht klar. Generell kommt er daher mit mir nicht so gut klar. Wie gesagt, so haben Frauen nicht zu sein.

Eskaliert ist der Rotz dann gestern. Er und Mann wollten noch den Garderobenspiegel aufhängen. 2 blöde Schrauben in die Wand, kein großer Act. Er kam nachm Abendessen, so gegen 18.45, vorbei. Leider gabs bei uns eine Verzögerung – ein Fenster ist nämlich kaputt gegangen (also nicht das Fenster, sondern die Schiene), sodass es nicht mehr richtig schließt, und wir haben natürlich versucht schnellstmöglich wen ranzukriegen der das repariert, und die kamen just dann. Also war der Mann damit beschäftigt, den Opa hat das nicht gestört, er hatte viel Spaß mit seinem Enkel. Als die dann endlich weg waren, wars aber schon 19.30. Die beiden beginnen, den Spiegel zu holen und wollen anzeichnen, ich nutze schnell die Gunst der stunde, rühre dem Kind seinen Abendbrei zusammen und löffele ihm was das Zeug hält rein, damit wir schnell fertig sind, denn es ist für ihn doch schon recht spät. Grundproblem war, dass die Küchenwand, wo der Tisch und alles steht, die andere Seite der Wand ist, an der gebohrt werden sollte. Ich also im Akkord dran, singe und bespaße damits schnell geht und es läuft auch alles wie am Schnürchen. Ich erkläre dem Mann noch, wo die Wasserwaage zuletzt lag, und denke mir, super, ich hab noch ein paar Minuten. Wir haben übrigens im Leben nicht länger als maximal 10 Minuten gebraucht für die Fütterung, Zubereitung schon mitgerechnet. Und während ich da grad schwungvoll den letzten Löffel ins Kind befördere, bricht die Hölle los: Die Wand ist sehr dünn, und neben dem extremen Lärm vibriert sie auch, rüttelt die Gläser am Tisch, der direkt dran steht, mit. Mein Kind „verreißts“, ich weiß keine bessere Beschreibung: Er reißt seine Ärmchen hoch, starrt mich mit panikgeweiteten Augen an, kreischt los, hüpft in seinem Tripptrapp und ist so entsetzlich verzweifelt, dass mir die Sekunden die ich brauche um ihn an mich zu drücken für uns beide wie Folter vorkommen. Kaum an meiner Schulter angekommen übergibt er sich würgend und hustend in einem Schwall, während ich mit ihm ins Wohnzimmer renne.
Trotz allem hat er sich dort recht schnell beruhigt. Er kennt den Lärm ja, er hat keine Angst vorm Bohren. Ich hab ihm schnell erklärt was das ist, er konnte sogar fast wieder lachen. Er findet es witzig, wenn ich diverse Baustellengeräusche imitiere. So haben wir uns über die letzten Monate ja auch gerettet. Kaum lässt das Bohren nach reiße ich die Tür auf und fahre, zugegebenerweise ziemlich angepisst, nach draußen und motze los: „Also Leute, so geht das nicht, ihr könnt mir doch wenigstens Bescheid geben wanns losgeht, der Kleine hat sich grad erbrochen weil er so erschrocken ist, das muss doch nicht sein!?“ Sofort jault der Schwiegervater auf. Ja, wir müssen schon wissen ob sie arbeiten sollen oder nicht, was soll denn das, geräuschfrei gehts doch nicht! Ich werfe noch nach: „Nein, der Lärm ist kein Problem, aber wie du gesehen hast saßen wir nebendran und er ist erschrocken! Ich wär doch sofort weg wenn ihr mir ein Startsignal gegeben hättet, dann könnt ihr in Ruhe bohren!“ und verschwinde dann wieder ins Wohnzimmer.
Keine 10 Minuten kommt der Mann nach, pissig wie noch was, und schnauzt rum. Der Schwiegervater sei jetzt tierisch sauer auf mich und grade eben abgerauscht mit den Worten, dann sollen wir uns eben jemanden mit Schalldämpfer am Bohrer suchen. Generell wurde mir vermittelt, ich sei nun der Arsch, und es brauchte einen riesen Streit mit dem Mann, bis ich ihm äußerst lautstark und außer mir erklärt hab, dass ich mir den Schuh nicht anziehen werd.

Ich hab mich gestern so wahnsinnig aufgeregt, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Wie respektlos dem Kind gegenüber ist denn sowas? Wie asozial muss man denn drauf sein, um so eine Denke zu haben? Was läuft denn falsch bei dem Menschen??? Und was muss man sich eigentlich bieten lassen, nur weil man Hilfe bekommt? Hab ich, hat mein KIND in seinem Zuhause keine Rechte mehr? JA, er geht eben VOR, selbst wenn aufgrund von Zwischenfällen geplante Arbeiten GANZ entfallen müssten weil er grade schläft. Aber wir richten uns ja eh immer alles so, dass gearbeitet werden kann, man muss nur die Umstände für alle passend biegen, aber DAS????
Für mich ist klar – der rührt hier keinen Finger mehr. Wir werden die restlichen Arbeiten irgendwie zu zweit hinbekommen, aber ich will den – erstmal generell so schnell nicht wieder – hier nicht mehr mit Werkzeug in der Hand sehen. Ich bin noch so völlig neben der Spur, dass ich gar nicht weiß wie ich mit diesem Menschen wieder klar kommen soll. Ich meine, ohne Entschuldigung. Weil die wirds nie geben. ER hat ja nichts falsch gemacht!

Was wäre der Advent auch ohne, … ne?

.

Auf bald,
Hummelchen

P.S.: Das Kind übrigens, hat heute Nacht mehrfach aufgeschrieen, war so gegen 2h nachts nur nach einer Stunde rumtragen zu beruhigen und ist heute morgen entsprechend drauf. Hat natürlich nix mit dem ganzen Scheiß gestern zu tun.

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4 Kommentare zu „Ein wenig zuviel des Guten

  1. Verstehe dich vollkommen wegen der Schuhe!
    Bei uns ziehen Familie & Freunde zum Glück freiwillig aus, aber allen anderen Besuch in unseren heiligen 4 Wänden, lass ich die Schuhe auch ausziehen (z.B. Klavierstimmer, Versicherungsvertreter). Das ist überhaupt nicht zu viel verlangt. Und wenn sie ein Loch im Strumpf haben, ist doch nicht mein Problem….
    Was mir gerade einfällt, bei Aldi gibts gerade für sehr wenig Geld Gästepantoffeln, vielleicht hilft das?
    https://www.aldi-sued.de/de/angebote/angebote-ab-donnerstag-19-dezember/detailseite-kw51-do/ps/p/gaestepantoffel-set/
    Vielleicht kann man ihnen das so verkaufen, dass sie bei euch jetzt extra Hausschuhe besitzen, damit sie sich wie zu Hause fühlen *höhööö* 😉

    Liebe Grüße,
    Dani

  2. Das gleiche hier bei uns in grün. Ich könnte auch im Dreieck springen. Vor allem, weil sehr gerne dann nicht nur der Teppich so „mitgenommen“ wird, sondern auch die Spieldecke der Tochter. Besonders „nett“- nachdem man was gesagt hat, trampelt z.B. mein Vater (dieser ***) gerne NOCHMAL EXTRA drüber. !!??Mit Schuhen versteht sich.
    Was mir dabei auch aufgefallen ist, gerade die Leute die bei uns notorisch das Ausziehen der Schuhe ignorieren, das sind die, bei denen man selbst daheim nicht mal in den Flur mit Straßenschuhen laufen darf, sondern noch vor der Haustüre (Arsch und kalt) oder im öffentlichen Hausflur (wo auch gerne Mal Schuhe geklaut werden) bereits alles auszuziehen hat. Bei uns dürfen sie ja immerhin im Flur stehen. Und auch das nicht mal gefragt wird (??) ist allein schon so dermaßen unhöflich, geht gar nicht…..
    Dürft ihr wenigstens bei denen die Schuhe auch anbehalten?

    Trotzdem schöne Festtage und hoffentlich kriegsfreie Schwiegerelternzeit. Ist alles nicht gut fürs Baby, die Aufregung 😉

    1. Haha, ja ganz genauso ists hier auch, hab hier schon mal ausführlicher drüber gelästert (https://projektstorch.wordpress.com/2013/06/11/reizbar/).
      Wir dürften theoretisch dort Schuhe anbehalten, mach ich aber trotzdem nicht – schließlich krabbelt mein Baby ja dann auch durch Schuhdreck, dann eben meinen… Bei den Freunden die sich hier kategorisch weigern heißts aber auch: sofort Schuhe aus. Versteh das wer will……..
      Dir auch schöne Feiertage!

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