Arztbesuch · Baby · Gesundheit

Nicht ganz grün

Wir waren heute mal wieder beim Arzt. Nachdem vor 3 Wochen die Erkältung beim Kleinen begonnen hatte, zwischendurch natürlich deutlich besser wurde, sind die Nächte nach wie vor davon geprägt, dass er sehr schlecht Luft bekommt. Trotz Kochsalz-Nasentropfen und Muttermilch und nassen Tüchern im Raum und und … Seit gestern abend hatte er schlecht getrunken, heute Nacht ein Fläschchen sogar vollständig verweigert. Und das nicht mangels Hunger oder Appetit. Er wollte, hat immer wieder angesetzt, aufgehört weil er keine Luft bekam, und nach ein paar Schlucken schrie er laut auf, und wollte nicht wieder anfangen.

Für mich, nur beim Zusehen, wirkte es wie Halsschmerzen. Also heute auf zum Arzt. Der allererste Eindruck war ja ein guter, als wir mit dem Großen zum Impfen waren. Dann, bei der U2 vom Kleinen die grauenvolle Vertretung, dann erneut ein Impftermin und eben wegen der Erkältung – hier war er merkwürdig. Ich weiß nicht ob es daran lag, dass ich es gewagt hatte die Schreckschraube zu kritisieren, oder ob das nun der Normalzustand war, aber mein Eindruck von heute lässt uns arg darüber nachdenken, ob wir uns nicht doch einen anderen Arzt suchen.

Aber von vorn: die Wartezeit war super, vor allem dafür dass wir ja als „Notfall“ reinrutschten. Die Arzthelferin kontrollierte die Sauerstoffsättigung, alles prima. Nur der Kleine war arg am Weinen, denn seit wir aus dem Auto ausgestiegen waren, hatte er Hunger. Ich hab dann auch gleich das Fläschchen zubereitet, das aber zu heiß zum Trinken war, also blieb nichts anderes übrig, als zu warten. Etwa 15 Minuten nach Ankunft kam der Arzt zu uns, das Fläschchen hatte es bis dahin leider noch nicht gegeben. Ich habe den Eindruck, dass er mich nicht grüßt, genausowenig wie den Kleinen (Bei Babys vielleicht noch nicht nötig, ich fand es aber sehr nett dass unsere frühere Ärztin das immer, auch bei ganz kleinen. Wohl aus Prinzip. Hat wohl irgendwas mit Respekt zu tun…). Ich weiß nicht, ob er etwas *gesagt* hat, er hat sich nämlich gleich nach Betreten des Zimmers an den PC gesetzt, vielleicht habe ich es nur nicht gehört – aufgrund meines Hörschadens fällt es mir sehr schwer, Menschen zu verstehen oder zu hören, wenn ich sie dabei nicht ansehen kann. Ich weiß dann oft nicht ob sie überhaupt mit mir reden (wenn wie eben auch noch die Arzthelferin dabei ist zB), und kann einfach keine Worte ausmachen, so als würden sie chinesisch sprechen. Wenn dann noch ein Baby weint sind meine Chancen nahe Null. Na gut, muss er nicht wissen, höflich wars dennoch nicht wirklich.

Er murmelt da also was vor sich hin, guckt sich die Akte an, dreht sich zu mir und nuschelt er würde ihn sich gern anschaun – klar, logo, dafür sind wir ja da! Dass er nicht nach „warum wir eigentlich da sind“ fragt stört mich nicht gleich – denke mir, dass er darüber informiert wurde und sich lieber erst selbst ein Bild machen möchte, soll mir ja auch recht sein. Er hört ihn also ab, und weil der Zwerg so laut weint (und ich mir denke er HÖRT dann einfach nicht so gut beim Abhören), stecke ich ihm den kleinen Finger in den Mund, an dem er sofort kräftig zieht. Kaum ist er fertig mit Abhören, meint er (nach wie vor ohne mich anzusehen): „Wie war das in der Psychologie doch gleich?“ [Und ich bin ganz baff ob der sich gar gemerkt hat dass ich Psychologin bin und bin sehr gespannt was da jetzt kommt…] „Eine sofortige Bedürfnisbefriedigung erhöht die Erwartungshaltung.“

Batz. Ich gebe zu, ich bin nicht schlagfertig. Schlagfähig, ja! Wenn ich die Zeit habe, so etwas sacken zu lassen und nachzudenken. Spontan kommt sowas nicht. Und dabei wäre mir da so viel in den Sinn gekommen. Problematisch auch, dass diese Aussage SO blöde war, auf so vielen Ebenen, dass die Entscheidung, WAS man darauf jetzt sagen könnte gar nicht so leicht wäre… Denn:

1. Herr „Kollege“, hör mal der Expertin zu: du laberst Müll. Babys haben keine Erwarungshaltung, die haben nur Wünsche und Bedürfnisse und bei Nichterfüllen haben sie dann Not. Die sind, ich sags dir mal ganz einfach, damit dus auch verstehst, zu DOOF für Erwartungshaltungen bzw. Verwöhnen. Das können die noch gar nich! Kognitiv nicht dazu imstande. Klar soweit? Also, es entsteht keine Erwartungshaltung bei sofortiger Bedürfnisbefriedigung, beim schlauesten Baby nicht in den ersten 6 Monaten, bei fast allen nicht in den ersten 12. Als Beweis kann ich gern mal den Großen bringen, der sein Essen bei Hunger, eben zur „Bedürfnisbefriedigung“ immer sofort zackzack hopphopp braucht sonst gibts Terror. Und DER hat die ersten 5 Monate NIE sofort alles bis zur Sättigung bekommen, wegen Stillen+Fläschchen-Unterbrechung. Siehste, hilft also gar nix dem Baby warten beibringen zu wollen. Ällebätsch.

2. Keine Regel ohne Ausnahme. NATÜRLICH gibt es etwas wie eine Erwartungshaltung im weitesten Sinne, die sich glücklichweise schon in den ersten 6 Monaten ausbildet. Nennt sich Urvertrauen, für die Freudianer. In diesem Fall wollte mir der gute Herr mit seiner Bemerkung wohl ein Kompliment machen, welches ich völlig verkannt hätte.

3. Was heißt denn da bitte „sofortige“!? Mein Baby war bereits seit einiger Zeit unruhig, gut 10 Minuten am Weinen. Dass es verhältnismäßig ruhig bleibt solang ich ihn nur am Arm hab und bekuschele, weil das eben (bislang *fingerkreuz*) sein Temperament ist, heißt nicht, dass es nicht schon seit geraumer Zeit gerne etwas *hätte*. Gut dass Sie dabei waren, gut dass Sies beurteilen können. Danke fürs Gespräch.

4. Das nächste Mal, Herr Doc, wenn sie etwas HÖREN möchten, werde ich mein Kind einfach plärren lassen. Kein Thema. Die Minute mehr kann ich ab, er auch. Viel Spaß. Wer so lieb bittet…

5. Zuletzt keimt bei mir noch die Frage auf, was dieser unerbetene, hinter einem blöden Spruch getarnte, Erziehungsratschlag/Kritik sollte, wenn ich eigentlich bittedanke gerne gewusst hätte wie es um die körperliche Gesundheit meines Neugeborenen steht!?

Achja – dazu sagte er natürlich was! Mit mir zugekehrtem Rücken, halb zur Arzthelferin tuschelnd, der Rachen sei ein klein wenig gerötet (ich entnehme dem Tonfall dass das wohl nicht so schlimm sei), und mit dem Ohr blabla irgendwas – „WAS!?“ – blablamurmel, ich solle weiterhin die abschwellenden Nasentropfen geben, aber nur bei Bedarf, …

… und schon will er „Tschüss!“ davonstürmen. Gerade noch fange ich ihn im Türrahmen ab. „Ja und wenn er weiter nichts trinkt?“ – „Ach, vorhin hat er doch gut gesaugt!“ – „Ja, am FINGER, da muss er ja nichts schlucken.“ „Och, hm, joa, naja.. seit wann trinkt er schlecht?“ – „Gestern abend, heute Nacht gar nicht.“ – „Achso, hm, joa, ne.. *nuschelmurmelwusel* passt schon.“ Und zurück lässt er mich, mit einem Fragezeichen auf der Stirn, und einem Gebräu von Verwirrung, Enttäuschung, Sorge und Wut, das da in mir nach oben brodelt.

Bevor ich aber etwas sage, gebe ich dem Baby endlich das (noch nicht ganz trinkbereite, das waren keine 3 Minuten, aber er hat genug Hunger sichs auch zu warm reinzuziehen) Fläschchen. Er trinkt es, ganz. Ich gehe und beschließe, wohl nochmal nach Kinderärzten zu suchen…

.
Auf bald,
Hummelchen

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7 Kommentare zu „Nicht ganz grün

  1. Gute Besserung an den kleinen Schatz. Zum Arzt fehlen mir die Worte. Es ist aber auch verdammt schwer, einen guten Kinderarzt zu finden. Wir hatten bei der ersten auch schon ins Klo gegriffen… Der jetzige ist ok, ich habe ihn zwar noch nicht durchschaut, aber B. mag ihn und er beantwortet brav alle Fragen und akzeptiert meine Wünsche (z.B keine Rota Impfung und Impfung generell erst mit 3 Monaten, Vollstillen bis 6 Monate usw.).
    Ich drücke dir die Daumen, dass ihr einen Kinderarzt findet, der zu euch passt.
    Liebe Grüße aus Köln!

  2. Unglaublich!
    Da geht man mit seinem Kind zum Arzt weil man Hilfe braucht und erhofft und dann sowas 😦
    Vielleicht doch beim nächsten mal schlafkräftig sein ;-))))
    Hoffe dem Muckel geht es besser!!

    Wir haben leider auch schon so Erfahrungen gemacht und bin jetzt gsd bei einem Arzt der ein Traum ist. Aber bis dahin war es auch manchmal grenzwärtig 😦

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