Baby · Geschwister · Kleinkind

Großer Bruder

Schon lange will ich dazu schreiben, und komme irgendwie nicht dazu…
Ich hatte mir vorab ja vorgestellt, wie das so sein wird, wenn hier das kleine Baby ankommt, und wie der Große reagieren würde. Ob ers wohl mag? Ob er eifersüchtig sein wird? Ich habe versucht, mir eher wenige Hoffnungen zu machen und mich auf Krisen einzustellen, wissend dass der Mann ja die ersten beiden Monate da sein würde.

Und wie siehts jetzt aus? Nun, vom ersten Kontakt an war der Große begeistert vom Baby. Fasziniert, er hat es beobachtet und fand es toll. Anfangs machte es ihm große Angst, wenn der Kleine losgeweint hat, aber nach wenigen Tagen hatte sich das gelegt und er bleibt nun völlig ruhig (viel weint das Baby aber auch nicht).

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Mehrmals täglich, manchmal im Minutentakt kommt er her und will den kleinen Bruder küssen. Fette Schmatzer gibts auf Kopf, ins Gesicht, und gerne auch auf Füße und Hände. Er reagiert wahnsinnig zornig und verzweifelt, wenn ihm das verwehrt wird (zB als er erkältet war).

Er ist auch nicht aufs Baby eifersüchtig, wenn wirs im Arm halten, sondern eher auf uns. Also – hey, das ist MEIN Babybruder, Pfoten weg! Er fühlt sich auch immer aufn Plan gerufen, wenn jemand das Baby anspricht oder küsst. Solang er dann auch mitmachen darf, ists kein Problem.

Was er allerdings gar nicht leiden kann, ist wenn er ein Fläschchen bekommt (dass er beim Stillen auch trinkt versteht er erst jetzt allmählich). Er ist eben ein entsetzlicher Futterneider, und kann es gar nicht haben wenn wer was isst und er nichts abbekommt. Ich kann nun aber ihn auch nicht jedes Mal füttern wenn das Baby eine Flasche bekommt. Er wird dann oft zornig, versucht mir die Flasche wegzunehmen oder *stört* eben – patscht auf mich, aufs Baby (glücklicherweise nicht allzu fest, sondern nur eindeutig provokant), piekt mit spitzem Finger auf uns rum oder kneift mich in den Arm. Schwer zu ignorieren, vor allem wenn er anfängt auf dem Babykopf rumzu“pieken“. Ein wenig Hilfe bringt es, wenn er ebenfalls eine Trinkflasche bekommt (normalerweise trinkt er ja nur aus dem Becher, aber alleine nur unter Aufsicht, er… wedelt mit allem, was ihn begeistert -.-). Wird noch eine Herausforderung, wenn wir alleine sind und er nicht zeitgleich bespaßt werden kann.

Was zwar mittlerweile besser wird, aber auch noch geübt werden muss, sind seine extrem stürmischen Liebesbekundungen – wir kennen die ja auch schon vom Kater. Er „patscht“ oft recht feste, wenn er „streichelt“. Da hilft kein monoton geflüstertes „voooorsichtig streicheln“ oder „laaangsaaam“ mit Vormachen, er ist feinmotorisch ein wenig fahrig. Er scheint auch kaum die Ruhe zu haben, etwas langsam und vorsichtig zu machen, sieht da keinen Sinn darin. Da er uns aber nun ständig dabei zusieht, wie wir mit dem Baby umgehen, wird es besser: er kann tatsächlich sanft streicheln (wir üben es auch immer mit ihm, streicheln uns gegenseitig im Gesicht oder so..), oft nimmt er den Handrücken, ganz so als würde er sich dadurch selbst ein wenig regulieren, weil er sich sonst so schwer zurücknehmen kann vor übersprudelnem Kuscheldrang (er kann ja nie lang am Stück, da muss er wohl die Gesamt-Kuschel-Kraft in ein paar Sekunden packen). Auch insgesamt ist er aber kuschliger und anhänglicher geworden (was ein wenig nervt, wenn er klettet und viel getragen werden will *uff*). Wir geben ihm das, und nehmen uns die Zeit. Erstens, damit er nicht denkt er bekommt weniger Körperkontakt als das Baby, und zweitens – hach, weil wirs auch so genießen ihm öfter nahe sein zu dürfen…

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Das Baby war übrigens erst wenige Tage alt, da hatte es sein erstes „blaues Auge“ vom Bruder. Er beugte sich nach unten, ließ den Kopf ruckartig fallen und zack, rommscht gegen den Augenbrauenknochen. Das sah vielleicht übel aus! Ich erwartete lautes Aufschreien, aber das Baby verzog kaum das Gesicht – wie gesagt, es scheint dem Bruder viel nachzusehen… Auch müssen wir aufpassen, dass das Kind sich nicht ständig auf seinem Bauch abstützt wenn es sich zu ihm beugen will. Oder draufrollt, beim Nebendranlegen und Ankuscheln (er tut das nämlich auch mit Vorliebe und viel Nachdruck beim Kater… er kann halt nur intensiv).

Seit einiger Zeit schaut das Baby nun auch den Bruder an und lächelt dann. Oder gibt seine süßen glucksenden Plauder-Seufzer von sich (meine Güte wie herzallerliebst die klingen!!). Das entlockt dem Großen auch immer ein begeistertes Strahlen und Quieken. Und wir schmelzen dahin!!

Der große Bruder zeigt sich auch wahnsinnig clever und einfühlend im Alltag. Halte ich das weinende Baby am Arm, dann kommt er (empört, wenn ich selbst noch nicht auf die Idee kam) und äußerst „geschäftig“ mit dem Spucktuch oder der gestrickten Babydecke angelaufen und drückt sie mir in die Hand, oder besser gleich aufs Baby. Wenn das nicht hilft, und ich doofe Mama immer noch nicht verstehe was das Baby will, stellt er sich vor mich hin und macht „mtz-mtz-mtz“ (mal stelle sich schmatzende Lippen-Zungen Geräusche vor, wie ein Baby beim Fläschchentrinken macht). Mit viel Nachdruck und leicht erwartungsvoll-besorgtem Blick in den Augen. Wenn ich auch darauf nicht reagiere oder das Baby das Fläschchen schon bekommt (aber weint, weil er grad eine Windel drücken muss gleichzeitig – ein Tick von ihm btw), dann wird es aufmunternd und tröstend ein wenig geklopft, bekommt einen Kuss (und einen seiner Schnullies geliehen wenn grad einer in Griffweite ist, idR nur im Schlafzimmer) und dann ist auch gut. Wenn das Weinen tatsächlich noch anhält und der große Bruder ratlos und oder genervt wird, dann weist er mit spitzem Zeigefinger und „äh äh!“ rufend auf die Nonomo. 🙂

Am Liebsten würde er das Baby ständig befummeln. Er kommt oft her, nimmt sich das Händchen vom Kleinen (er liebt die Fingerchen, spielt oft ganz fasziniert damit, macht sie auf und zu, tätschelt die Faust…) und drückt es sich an die Wange, und lehnt sich dann Händchenhaltend an seinen Bauch. So süß das ist, so zeigt es mir auch dass ich da ein wenig aufpassen muss: kürzlich platzierte ich das Baby in seinem Gitterbett (recht weit an der Wandseite, also entfernt von der zugänglichen Gitterseite), der Große sollte spielen während Mama mal eben die Toilette besucht. Als ich grade Hände wasche höre ich das Baby aufweinen (nicht schrill, eher empört/genervt). Beim Betreten des Zimmers sitzt der Große ganz beiläufig mit einem Blick als könnte er kein Wässerchen trüben auf der anderen Seite des Zimmers und spielte mit dem Baby zugewandten Rücken vor sich hin, als er mich sieht springt er förmlich auf, ruft „äh äh äh!“, zeigt aufs Baby und läuft mit mir hin. Ich dachte erst, er war selber erstaunt dass es weint und wollte mir das zeigen, aber – Pustekuchen! Als ich hinkomme sehe ich, dass er den kleinen Bruder (wohl am Beinchen) ganz nah zu sich ans Gitter gezuppelt hatte. Die kleine Kröte hatte sich wohl nur schuldbewusst aus dem Staub gemacht als das Baby aufschrie und tat dann so als wär nix! Tze! (Ja, ich fand das sehr lustig und enorm süß… <3)

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Zusammenfassend kann ich also sagen, es läuft eigentlich wunderbar. Ich bin wahnsinnig gerührt, wie verliebt der Große ins Babybrüderchen ist, konnte mir gar nicht vorstellen dass er ihn so schnell so sehr liebgewinnt. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt, und auch der Kleine seine Gefühle erwidern wird. Ich bin so stolz auf meinen großen Kleinen.. und so verliebt in meine beiden Jungs. Es ist so toll, sie bei uns zu haben…! ❤

.
Auf bald,
Hummelchen

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4 Kommentare zu „Großer Bruder

  1. Das liest sich so toll, so herzallerliebst. ♥♥♥ Tolle Jungs hast Du da (und diese Fooootos, awww! ♥)
    (Und der Rest wird auch. Ganz bestimmt)

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  2. Hach, das klingt sehr schön! Ich habe auch Bammel, wie unsere Maus auf das Geschwisterchen reagieren wird und hoffe, sie wird es ähnlich annehmen, wie es euer Großer getan hat! 🙂

  3. Hallo,

    ich bin seit Kurzem eine neue Leserin deines Blogs, der mir gerade in Anbetracht zahlreicher anderer Angebote in der Internetwelt irgendwie sehr gut gefällt. Diesen Eintrag fand ich besonders schön – wohl auch weil wir hier an einem ähnlichen Abstand basteln. Bei all den Leuten, die davon dringenst abraten (vor allem wenn man auch noch wie in unserm Fall „vorsätzlich“ handelt) waren deine Erfahrungsberichte sehr erfrischend!

    Liebe Grüße!

    1. Oh danke 🙂
      Bei uns sagen die meisten: toll, aber am Anfang sehr anstrengend. Denke das hängt vom Temperament des/der Kinder ab, wenn zumindest einer davon pflegeleicht is dann ists bestimmt nicht anstrengend (-er als andere Altersabstände – hat doch jedes Alter seine einfachen Seiten und seine Tücken).
      Viel „Erfolg“ euch! 😉

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