Arztbesuch · Rumpelstilzchen

Augenkliniktermin from hell

Schon  seit einem halben Jahr schielt das Rumpelstilzchen. Anfangs war ich selbst unsicher, ob er da überhaupt schielt, und fragte den damaligen Arzt. Der meinte, das käme vom breiten Nasenrücken, Thema erstmals abgehakt. Dann wurde es aber deutlicher, und war auch nicht immer in gleichem Ausmaß sichtbar, sodass ich immer sicherer wurde, dass das wohl nicht vom Nasenrücken her rührt, sondern wohl was dahinter steckt. Der aktuelle Kinderarzt schickte uns auf meine Nachfrage dann noch zu einem Augenarzt, der wiederum feststellte, dass sein linkes Auge führend sei, und das rechte eben schiele. Eine weitere Abklärung war nicht möglich, da das Rumpelstilzchen aus vollem Röhren plärrte und sich hin Händen und Füßen gegen jegliche Untersuchung sträubte.

Somit wurden wir in die Augenklinik überwiesen, wo wir heute waren. Rückblickend bin ich mir sicher, dass ich wohl lieber Drillinge zur Welt bringen wollte, als nochmal so einen Vormittag zu ertragen. Die Klinik selbst (wir waren damals mit der Lungenentzündung schon im Nebengebäude, das ich in guter Erinnerung hatte) machte einen äußerst schäbigen Eindruck. Alt, schmuddelig, verwinkelt, überfüllt, unorganisiert. Schon beim Reingehen standen mir mal sämtliche Körperhäärchen senkrecht, ich leide zwar nicht unter Klaustrophobie, fühlte mich aber extrem beengt und unwohl. Das Kind gab ich daher größtenteils an den Mann (der GsD Urlaub hatte), bespielte selbst eher das Baby, dem der ganze Trubel eigentlich herzlich egal war. Die Wartezeit war gefühlt ewig (faktisch eine knappe Stunde), und es gab gar nichts zu tun. Es gab keinen Warteraum, die Stühle standen am Flur aufgereiht, nebendran und rundherum standen auch immer wieder Menschen, weil eben alles besetzt war. Es war auch zu eng, mit dem Kind sinnvoll rumzulaufen. Zu spielen gab es auch nichts, und das Buch das wir mithatten, das er zwar sehr liebt (das tolle kleine „Ich bin die kleine Ente“ Buch, der hervorragend zum Mitnehmen geeignet ist), aber eben auch schon gut kennt und nach 2 mal durchblättern erstmal nicht mehr so spannend findet. Er wurde immer unruhiger und wuseliger und unzufriedener, ich saß auf Nadeln.

Endlich kamen wir dran, und schon beim Betreten des Untersuchungszimmers fing das Rumpelstilzchen an sich zu winden. Die Ärztin kam zu ihm, begrüßte ihn, strahlte ihn an, suchte den Augenkontakt, wollte ihm die Hand geben, und streichelte ihm nach seiner Weigerung übers Bein. An der Stelle frage ich mich immer immer immer wieder: WARUM zum Geier muss das denn sein? Jedem Fremden wär ich da schon drübergefahren (, ist vor ner Untersuchung aber dann doch eher kontraproduktiv). Das Kind zeigte SO deutlich dass es KEINEN Kontakt will, und schlussendlich wurde es dazu genötigt bis es aufquietschte, sich wegdrehte und an mir festklammerte. Ab diesem Punkt hat es nur noch geschrieen und gekreischt wenn die Ärztin das Sichtfeld betrat. Nein, ich meine nicht dass die Untersuchung toll gelaufen wäre, wäre der erste Kontakt gelungen (iSv ein kurzes „Hallo“ und dann das Kind bittedanke erstmal gepflegt ignorieren, bis es eventuell auftaut und von sich aus Kontakt sucht, bis dahin hätte sie ja mit uns in Ruhe die Anamnese machen können, ne?), aber nachdem sie sichs mal mit ihm verscherzt hatte war mir klar, dass da nichts mehr läuft.

Nunja, man versuchte es natürlich trotzdem, und das Rumpelstilzchen schrie sich immer entsetzlicher in Rage und Verzweiflung, war völlig überfordert und nach 20 Minuten dauerschreien schluchzte er auch nur mehr „heia, heia!“. An der Stelle hätte ich mich einfach gern umgedreht und wäre gegangen, aber man wollte noch das Auge (den Nerv? Hatte ich das richtig verstanden? Keine Ahnung, meine Ohren klingelten ja nur) untersuchen, dafür gäbe es noch Tropfen zur Pupillenweitung, dann 20 Minuten warten. Endlich konnte ich erreichen, dass ICH etwas tun durfte und gab dem Kind die Tropfen selber. Unter Geschrei, ja, aber es ist dennoch was anderes. Was davor übrigens nicht möglich war – mich mitmachen zu lassen. Ich fragte MEHRMALS, ob ich das nicht etwa machen könne, wenn es darum ging ein Auge zu verdecken, oder dem Kind ein Spielzeug schmackhaft zu machen, und wurde immer ein wenig arrogant abgewimmelt „na ich kann Ihnen ja jetzt nicht die Untersuchung erklären, nicht wahr?“. Trotzdem bin ich überzeugt, wir hätten bessere Chancen gehabt, wenn ich das Spielzueg mal von links nach rechts, mal von rechts nach links bewegt hätte, während ich je ein Auge abdecke. So fähig bin ich dann doch. Und ja, wenn mans als Arzt selber macht weiß man gleich was man will und muss nicht anleiten, schon klar dass das angenehmer ist. Aber nachdem sie dem Rumpelstilzchen dann auch noch ins Gesicht gefummelt hatte, war definitiv alles verloren. Uns wurde schonmal eine Narkose angedroht, weil so könne man gar nichts sehen. Klar war aber, dass das rechte Auge nicht alles so tut wie es soll, und uns auf jeden Fall phasenweises einseitiges Abkleben des Auges ins Haus steht. (Ich hatte leider nicht gefrühstückt, sonst hätte ich hier im Kreis gekotzt)

Nach weiteren entsetzlichen und von Müdigkeits- und Überreizungsgeschrei geprägten 30 Minuten der nächste Versuch, der Oberarzt sollte ran. Mit Festhalten konnte er wenigstens das Auge untersuchen, und das was er da untersuchen wollte wäre wohl in Ordnung. Zur Sehkraft könne er aber nichts sagen, da müsse er schon ordentlich schauen können. Dann wurden wir verabschiedet, wir sollen uns jetzt einen Narkosetermin geben lassen. Ich hatte Fragen, und vor allem viele Einwände, aber es gab keine Gelegenheit zum Gespräch – erstens schrie das Kind, zweitens zeigte der Herr Oberarzt sehr deutlich dass er zu sowas nun keine Zeit hat und verabschiedete uns wiederholt nach draußen. Nungut. Oder auch, nunschlecht.

Ich war heilfroh dass wir gehen konnten, kämpf(t)e aber sehr mit den Tränen. Ich will das einfach nicht, es widerstrebt mir extrem mein Kind stundenlang in Vollnarkose legen zu lassen, damit man eine 10minütige Augenuntersuchung durchführen kann. Man weiß ja schon, dass abgeklebt werden muss, man weiß dass (der Sehnerv?? was auch immer er da untersucht hatte) in Ordnung ist, und es geht jetzt nur noch darum ob er eine Brille braucht und in welcher Stärke? Und da kann man nicht noch einige wenige Monate warten, bis er so gut sprechen kann, dass er bei diesen „was siehst du da?“-Tests mitmachen kann? (Der erste Augenarzt hatte es versucht, aber Rumpelstilchen konnte nur den Vogel „Amsii!“ benennen, und war auch nicht bereit das andere zu beachten sondern rief nur dass die Amsel wieder gezeigt werden soll -.-)

Ich bin grad hin und her gerissen, habe aber so extreme Bedenken wegen der Vollnarkose, dass ich mal schaun werde ob es noch wo in der „Nähe“ eine Augenklinik gibt, um eine Zweitmeinung einzuholen. *seufz*
Hat von euch wer Erfahrung mit sowas???

.
Auf bald,
Hummelchen

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11 Kommentare zu „Augenkliniktermin from hell

  1. Alles insgesamt sehr unerfreulich, hm? (( )) Aus der Familienhistorie heraus kann ich nur sagen, dass eine gut angepasste Brille so früh wie möglich wichtig ist. Das eröffnet auch den Kindern eine ganz neue Welt, scharf und ohne Doppelbilder zu sehen.
    Ist eure Augenklinik denn auf Kinder spezialisiert? Es gibt ja extra Augenärzte für Kinder (die dann meinst auch Sehschulen haben). Die sind vlt. mit auch “unkooperativen“ Patienten nicht so überfordert.

  2. Uff. Ich würde definitiv noch zu einem anderen Arzt gehen und versuchen eine Narkose zu verhindern. Lieber beim nächsten Mal zuhause die Untersuchung üben.
    Und du erinnerst mich daran, dass wir auch ein leichtes Schielen abklären lassen sollen.

    1. Wir haben geübt. Ein Augeauf-Augezu-Spiel, und Augenverstecken… aber sobald ihn wer anfasst oder so genau „anstarrt“ und was von ihm will, vor allem nach nem misslungenen Start – Hysterieanfall, und vorbei. 😦

  3. Bitte geh zu einem speziellen Kinder-Augenarzt und erkundige dich nach Alternativen zum Pflasterkleben! Ich hatte als Kind selbst einen Schielfehler und musste Pflaster kleben und Brille tragen. Das hat zwar kurzfristig Früchte getragen – ich brauchte ab dem ca. zehnten Lebensjahr weder Pflaster noch Brille – aber das auch nur bis zum Führerschein. Beim Fahrunterricht habe ich festgestellt, dass ich nicht richtig räumlich sehen kann: ich kann keine Entfernungen abschätzen (gelte dadurch als „schusselig“ weil ich z.B. ständig kleckere oder mit dem Auto irgendwo anditsche), 3D-Filme sind für mich Geldverschwendung, ich kann nicht basteln, weil ich nicht sehe, wo ich langschneide. Man hat rausgefunden, dass ich durch das pflastern nie mit beiden Augen parallel schaue, sondern dass mein Hirn zwischen beiden Augen hin- und herschaltet. Immerhin: das ehemals schwache Auge ist nun das führende. Bringt mir nur leider genau gar nix -.-
    Mittlerweile bin ich fast 30 und schiele wieder verstärkt, v.a. bei Müdigkeit. Und dann hilft außer schlafen wirklich gar nichts, sonst bekomme ich Kopfschmerzen.

    Es ist immens wichtig, dass du da hinterher bist und deinem Kind hilfst, das Schielen loszuwerden, aber bitte bitte geh zu anderen Ärzten und hole dir Zweit- und Drittmeinungen! Vor allem, wenn die Untersuchung nur huschipfuschi gemacht wurde.

    Alles Gute!
    Jana385

    1. Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich suche auch nach Ärzten, die auf Kinder spezialisiert sind, wurde aber nicht fündig, auch der KiA weiß keinen .. 😦
      Für die Zweitmeinung gibts immerhin eine Klinik, die auf ihrer HP schreiben Kinder zu diagnostizieren *seufz* …

  4. Ich lese nun seit fast 2 Jahren fleißig mit und möchte dir zuerst mal sagen, dass ich von deiner Art zu schreiben und deiner Offenheit immer wieder angetan bin.
    Meine Tochter ist fast 19 Monate und kam mit einem angeborenen grauen Star zu Welt. Noch dazu kommt, dass ihr linkes Auge schielt. Wir kleben das „gesunde“ Auge jeden Tag die halbe Wachzeit ab, seit sie mit 5 Wochen ihre OP hatte. Die ersten Monate waren furchtbar, aber mit der Zeit hat sie sich daran gewöhnt und tatsächlich Fortschritte gemacht. Zur Zeit ist es wieder mühsamer geworden. Oft sind es nur wenige Minuten und das Pflaster ist schon wieder herunten. Von der Brille, die sie seit kurzem hat, brauch ich gar nicht reden. Aber ich habe gelernt, das ganze lockerer zu sehen. Doofe Blicke kann ich schon ganz gut ignorieren. Ich hoffe, meine Mädi schafft das auch mal. Naja, aber ich will dich gar nicht mit meiner Geschichte belagern, sondern, dir einfach nur sagen, dass das Auge abkleben 1. eine Gewohnheitssache ist und 2. nicht zu Belastung werden darf. Wenns heute auch nicht klappt, vielleicht geht’s morgen ja besser. Eine gute Freundin von mir, musste in ihren ersten Lebensjahren auch abkleben (zuerst das Auge, dann eine Seite der Brille) und ihr Schielen war danach komplett behoben.
    Was ich auf KEINEN Fall zulassen würde, wäre eine Vollnarkose für eine „lächerliche“ Augenuntersuchen. Das steht sich nicht dafür. In unserer Sehschule in OÖ wird diese Methode nicht angewandt. Habe schon oft gelesen, dass das in anderen Kliniken so gehandhabt wird (insbesondere bei Kindern mit grauem Star), aber das ist absoluter Blödsinn. Lina hasst ihre Augenuntersuchungen. Wenn auch nur die kleinste Kleinigkeit vermasselt wird, brüllt sie wie am Spieß und außer Mama geht dann sowieso nix mehr. Dann wird halt ein neuer Termin vereinbart, bis es halbwegs klappt. Wir hatten übrigens noch keine Untersuchung, bei der alles hingehaut hat. Aber Vollnarkose war da noch nie ein Thema. Die gibt es dann erst mit ca. 6, da wartet dann eine Schiel-OP auf uns, weil Linas Schielen leider nicht zu beheben ist. Aber die hat meine Schwester auch schon erfolgreich hinter sich, auch da gibt es schlimmeres!
    Wünsch euch alles Gute und kompetente Ärzte! (..es soll sie geben.. ;))

  5. Ich habe Deinen Beitrag heute gefunden, und auch mein Gedanke ist gewesen: Bitte versucht eine andere Klinik zu finden. Alles was mit Kleinkinduntersuchen und festhalten zu tun hat stellt mir die Nackenhaare auf. Weshalb?: Vor Jahren hatte ich einen Bericht im Fernsehen gesehen. Es ging in dem Bericht um ein Kleinkind in Psychologischer Behandlung. Dieses Kleinkind hatte durch die falsche Behandlung beim Kinderartzt sein Urvertauen an seine Umgebung inkl Mutter verloren, so dass es sich nicht mehr hinlegen wollte. Ergebnis des erzwungenen Festhaltens bei der Untersuchung und dem Versuch Ohrentropfen zu verabreichen, bei dem die Mutti des Kleinen unter Anleitung auch mitgeholfen hatte. Der Kleine ließ sich in keiner weise mehr hinlegen.. dies dann zu sehen, was ein Drahma beim Abendlichen zu Bett gehen … Deine Geschichte ist anders, aber ich musste sofort an diesem Bericht denken und dass ich damals sehr erstaunt war und diese Art der Problematik nicht kannte, nicht erkannt hätte. Ich hoffe, dass ihr noch eine bessere Behandlungsmöglichkeit findet, ein Arzt der sich auf das Kind und Euch in sanfter Weise einstellen kann.
    Liebe Grüße

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