emotions · Gedanken

SZSZ

Wie ihr sicher gemerkt hab war es hier unglaublich still die letzten Wochen. Das liegt daran, dass mein Leben grad so läuft, dass es für die seichteste Soap zu kitschig wäre, denn es gab irgendwie nur „schlechte Zeiten“… Irgendwie sind im letzten Jahr so viele unglaublich unschöne Dinge passiert, dass ich kaum objektiv darüber schreiben kann ohne dass es wie Gejammere klingt. Denn natürlich sind diese unschönen Dinge nicht einfach passiert und gut, sie haben ja auch viel mit mir gemacht, und das hat mir weder gefallen noch bin ich damit zufrieden, was es aus mir gemacht hat.

Ich kann es fast mit dem Tag festmachen, als am 6.10., an unserem zweiten Hochzeitstag, mein Papa gestorben ist. Mein Papa war immer schon für mich der Kernpunkt meiner Familie, mein Fels in der Brandung, mein wichtigster Lieblings-Mensch bis ich meinen Mann kennen gelernt hatte. Auch wenn die letzten Jahre, schon fast ein Jahrzehnt eigentlich, sehr von Sorge um ihn bestimmt war, immer mit der Angst vor Augen er könnte bald sterben, weil sein Gesundheitszustand so schlecht war, so war er dennoch immer in meinem Kopf und in meinem Alltag mein „Papa“, also jemand der .. wie soll ich sagen… größer, älter, reifer war und wo ich eben das Kind war; den man eben mal anruft und auch erzählt wenns nicht gut läuft oder um Rat fragt, wie viel man den Bonsai gießen soll. Und dann ist dieser Mensch auf einmal weg und …

… nichts. Nichts darf sich ändern, denn die Welt dreht sich weiter. Da ist keine Zeit für Trauer, für einen Zusammenbruch, für sich im neuen Weltbild wiederfinden, da ist einfach nichts. Kennt ihr diese jump&run Spiele von früher, bei denen der Bildschirm von links weiterfährt und man muss sich beeilen auf Spur zu bleiben sonst gibts Game Over? In etwa so hab ich mich gefühlt. Einmal emotional durch den Fleischwolf, aber schön Tempo beibehalten. Während ich selbst emotional und psychisch derart erschlagen und bedürftig war, und mich gerne ein wenig verhätschelt und erholt hätte, war ich diejenige die eben sich um andere (die Kinder nämlich) kümmern musste und für deren emotionale und psychische Welt verantwortlich war. Dass mir das Gesundwerden nicht erlaubt war hat mehr Schaden angerichtet als ich gern zugeben möchte, und das Ausmaß wird mir in den letzten Wochen immer bewusster.

Unmittelbar nachdem wir vom Begräbnis zurückkamen begann bei den Kindern die Krankheits-Serie, die bis zum heutigen Tag exakt 2 Wochen pausiert hat. 2 Wochen, in denen alle (4) gesund waren, sonst war mindestens immer einer, meistens 2 krank, und eigentlich immer die Raupe. Ich selbst war so oft krank wie die letzten 15 Jahre zusammengerechnet nicht, hatte etwa 5 Infekte, 2 davon wirklich kräftezehrend. Zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben war ich so zugeschnoddert und konnte ohne Antibiotika nicht mehr gesund werden. Es ist unglaublich, wie anstrengend es ist sich krank um (eventuell auch noch kranke!) Kinder kümmern zu müssen, aber wem erzähle ich das, das wisst ihr vermutlich alle.

Es gab die letzten 7 Monate auch nie eine „Verschnaufpause„. Überstunden und Urlaub vom Mann gingen fast restlos drauf für Notfall-Betreuung der Kinder wenn ich mal wieder komplett ausfiel oder mit den Nerven so am Ende war, dass ich mir nur noch wünschte zu sterben. Oder für Vorstellungsgespräche.

Dieser Druck lastet auch grade sehr auf mir, denn ich muss und müsste mich dringend um einen Job bemühen, und von den Unsäglichkeiten die mir da schon begegnet sind (ein anderes Thema) abgesehen muss ich zugeben, dass ich derzeit eigentlich kaum in der Lage bin, meinen Job als Psychologin auszuüben. Und das tut mir weh, denn ich mache das eigentlich gerne, das ist das was ich tun möchte, und mir fehlt die Kraft die dazu nötig ist, und zwar in ganz großem Stile. Aber unabhängig von Lebensplanung und Wunschvorstellungen brauchen wir natürlich mein Einkommen, nicht arbeiten zu „können“ steht nicht zur Debatte. Und die Überlegungen, wie ich was bewerkstelligen könnte, machen mir zu schaffen. (Natürlich denke ich über alle möglichen Eventualitäten nach, es fehlt mir nicht an Ideen, sie bereiten mir nur Kopfschmerzen.)

Körperlich und gesundheitlich geht es mir auch eher nicht so gut, ich habe weder die Energie regelmäßig gut zu kochen, und für Bewegung und Sport schon gleich drei mal nicht. Hätte ich nen Euro für jede Pizza, jeden Muffin, jedes Eis, jede Schokolade und jede nicht erfolgte Sporteinheit im letzten Jahr bräuchte ich mir keine Gedanken um den Job zu machen. Und wie dumm das ist, zu der fehlenden Kraft noch unfitter zu werden…

Die Kinder, die natürlich sehr viel von meiner nicht mehr vorhandenen Energie abzapfen, überfordern mich momentan ziemlich. Ich merke, dass ich sofort anfange ein wenig Kraft zu tanken wenn nur mal EINE Woche normal läuft, sie also vormittags BEIDE in der KiTa sein können und an 1-2 Nachmittagen bei den Großeltern. Dann hab ich genug Elan mit ihnen schöne Dinge zu machen wenn sie da sind, auf den Spielplatz zu gehen, ein Picknick im Feld zu machen, zusammen zu kochen… Aber fällt die Fremdbetreuung und Hilfe komplett flach (wies eben ist wenn mindestens einer so krank ist dass ich ihn nicht weggeben möchte oder kann), dann komme ich aus dem Rhythmus. Es wird chaotisch und unsauber im Haus, mein Gehirn ist dann ebenso zugemüllt, ich kann nicht klar denken, habe keine Geduld, kriege nichts auf die Reihe und bin, um es kurz zu fassen, schlichtweg eine schlechte Mutter. Und das führt dann zu noch mehr Schuldgefühlen und Selbsthass, weil meine Kinder das nicht verdient haben und ich ihnen so wahnsinnig gerne mehr geben können würde. Besonders weh tut mir dann, wenn ich die Bestätigung dessen was ich sehe ernte, wenn mein Großer nicht gerne Zeit mit mir verbringt. Das sind dann die Momente in denen meine Kopfkreisscheiße beginnt und ich mich frage, wozu ich eigentlich noch hier bin und mich bemühe, wenn ich ohnehin dazu prädestiniert bin zu versagen.

Wie ihr seht, nix besonders schickes, und darüber eine Million Blogposts zu verfassen wie kacke alles ist bringts auch nicht weiter. Auf der einen Seite mag es vielleicht sein, dass „ausheulen“ hilft, aber oft möchte ich darüber einfach auch nicht mehr reden, weil mich der ganze Mist ja ohnehin schon den ganzen Tag begleitet. Und wenn mans erzählt trifft man auf 3 Typen Menschen, die einen haben kein Verständnis und man erntet Gemeinheiten, den anderen ists von vornherein egal (und wozu sollt ichs dann schreiben?) und den letzten, die es gut meinen, die möchten helfen. Und da aktiv helfen schwer möglich ist, kommen oft Ratschläge. Viele davon sind gut, alle sind sicher nett gemeint, aber die meisten sind nichts Neues für mich, und manchmal fühle ich mich als würde man mich für unzulänglich halten auf diese Dinge selbst zu kommen. Wie gesagt, es mangelt mir nicht an Ideen, sondern an Umsetzbarkeit.

Und wie ende ich diesen jammervollen trostlosen Post? Nun, vielleicht gar nicht. Ich versuche einfach ein paar meiner klugen Ideen umzusetzen und schaue obs nicht vielleicht doch mal wieder ein wenig bergauf gehen mag… Mal schaun!

.
Auf bald,
Hummelchen

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4 Kommentare zu „SZSZ

  1. Ach Hummelchen, lass Dich drücken. Das hoert sich gar nicht gut an…. 😦 ich fuehle mich auch sehr ausgelaugt und oft überfordert, mir fehlt ganz extremst mehr Entlastung, weil ich immer nur Kinder um mich rum hab.
    Was mir spontan in dem Sinn kam, auf die Gefahr hin, dass es ein kluger Ratschlag ist: kommt eine Kur infrage?
    Welche Position bekleidest Du denn als Psychologin? Mit viel Patientenkontakt? Und wann muss es wieder los gehen?

    1. Natürlich hab ich schon an eine Kur gedacht, aber aus guten Gründen bisher nicht angepeilt.
      Ich habe momentan ja keinen Job, meine Ausrichtung wäre Entwicklungs/Familienpsychologin und Diagnostikerin. Pi mal Daumen werden dabei eigene unverarbeitete Verluste in etwa 20 Mal je Sitzung getriggert, ich schätze ich schaffe kaum fünf bis ich losheule. Alternativ war ich auch in der Wissenschaft tätig, da macht man eigentlich nur Statistik, aber das Berufsfeld find ich eher zum Kotzen, vor allem weil immer nur befristet gearbeitet wird (also auf ewig, auch über die üblichen 2 Jahre hinaus).
      Losgehen „muss“ es allerspätestens im Januar.

  2. Ich kann ungebetene Ratschläge nicht leiden. Ich verstehe es, dass Menschen gern mit Verbesserungsvorschlägen helfen wollen, jedes „ach mach doch…“ und „könntest du nicht…“ impliziert aber auch, dass ich selbst zu doof war, um längst daran zu denken und es ja offensichtlich Gründe gibt, warum der Vorschlag nicht umgesetzt ist. Wenn ich mich ausheule, möchte ich Verständnis, nix sonst. Und meins hast du, unbekannterweise, voll und ganz.

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