emotions · Gedanken

Für Herzen

Hier im Ort und im Nebenort gibt es grade viele Baustellen. Gegenüber wird ein großes Haus saniert, und die Straße vom Nachbarort in den Über-Nachbarort ist komplett gesperrt und zwingt mich Umleitungen zu fahren. So komme ich an Ecken vorbei, die ich sonst nicht fahre.

Langweilige Geschichte bis hierhin. Wäre da nicht das Flüchtlings-Container-Lager, das ich auf jedem Weg zum dm/Kinderarzt und auf meiner künftigen Arbeitsstrecke (ab morgen!! #aufgeregt) täglich sehe. Natürlich ist das Thema nicht neu für mich. Ich bin schon ich weiß nicht wie vielen rechtsdenkenden, ausländerfeindlichen „aberwiesohabendieeinSmartphone“ Ärschen mal freundlich mal weniger freundlich übers Maul gefahren, weil ich da eine gewisse Null-Toleranz-Grenze für Menschenfeindlichkeiten, speziell brauner Natur, habe. So viel zu meiner Grundeinstellung. Aber, bin ich so viel besser? Ok, ich hetze nicht gegen die ganzen „Illegalen“ (welcher Mensch ist bitte illegal?) und „Wirtschaftsflüchtlinge“ und über die „es sind immer nur die jungen Männer“ (der Satz kommt immer von Leuten die noch nie ein Flüchtlingslager aus der Nähe gesehen haben). Ok, ich bemühe mich um Aufklärung. Ok, ich bin besonders empfindlich weil ich Österreicherin bin, und von geschichtlicher Prägung abgesehen sind Österreicher so scheiße zu Flüchtlingen wies nicht mal Deutschland hinkriegt (googelt. oder besser nicht.), ABER was unterscheidet mich denn? Hab ICH schon mal einen Finger krumm gerührt?

Natürlich lässt es sich leicht rausreden, mit genügend Verpflichtungen, genügend eigenen Baustellen, die Kinder, die Jobsuche, jetzt der Job. Natürlich kann ich jammern dass ich so schon nicht weiß wie mein Mann und ich Urlaube und Freizeiten legen um alle KiTa/KiGa Schließtage abzudecken. Es mangelt mir weiß Gott nicht an Ausreden.

Allerdings, vielleicht war dieses tägliche vor-Augen-führen nötig, hab ich beschlossen nun anzufangen, Kleinigkeiten in Gang zu bringen, wann immer ich sie leisten kann. Nein, ich schaffe es nicht mir fixe Verpflichtungen aufzuladen. Aber es fängt schon im Kleinen an – etwa, bei der Gemeinde anzufragen ob gerade Spenden gebraucht werden. So hab ich erfahren, dass ein Mädchen in den Kindergarten kommen soll und noch dringend Gummistiefel in Größe 26 gesucht werden, womit ich aber grad nicht dienen kann weil die der Große selbst noch trägt. Dennoch hab ich einen Sack Kleidung aussortiert, die meinen Jungs nicht mehr passt, oder die ich ihnen einfach nicht gerne anziehe. Hausschlappen waren übrigens heiß begehrt!

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Was dabei auffällt, wenn man die Sachen vorbei bringt: eine ganze Traube kleiner Kinder, die da rumlungern und neugierig angelaufen kommen, wenn ein Auto stehen bleibt. Nicht dass das Auto oder der Insasse spannend wäre, aber.. es ist eine Veränderung vom „Alltag“. Und weil mir das besonders hängen geblieben ist habe ich beschlossen, kleine Geschenke für die Kinder in den Nachbars-Containern zu packen. Ich habe bereits eine IkeaPuppe und ein Malset besorgt, ich habe einen Teddy von mir aus dem Nostalgie-Koffer geholt und ein Haarspangen-Set gekauft, außerdem ein Baby/Kleinkind FahrzeugLauflernwagenDings und Bälle abzugeben. Nun bin ich mit meiner nicht vorhandenen Kreativität allerdings ein wenig am Ende angelangt.  Ich möchte eigentlich für jedes Kind eine Kleinigkeit haben (das wär sonst echt unfair), und es sind so 7-8, die ich auf den ersten Blick immer erhasche (natürlich müsst ich noch genauer nachfragen). Große Sprünge (finanziell) kann ich mir halt auch nicht leisten, aber ich hab so ein dringendes Bedürfnis den Herzchen eine Freude zu machen, mit GESCHENKPAPIER dran und nicht aus der Plastiktüte! 😉

Daher meine Frage – habt ihr Ideen? Ich finds besonders für Jungs schwer (jaja tolle Jungsmama, ne?).. Hmp.
Und – habt ihr auch ein Lager im Ort/Umgebung? Habt ihr schon was geholfen, bzw. wie beteiligt ihr euch? (Ich sammele auch hier Anregungen..)

.
Auf bald,
Hummelchen

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4 Kommentare zu „Für Herzen

  1. Ich bin bisher noch nicht in Kontakt mit Flüchtlingen gekommen. Bei uns auf dem Dorf hier gibt es noch keine.
    Es ist schade und macht mich immer wieder wütend, wenn ich höre, wie abwertend teilweise über diese Menschen gesprochen wird.
    Deine Idee zu helfen finde ich super!
    Als kleine Geschenkidee würde ich einen Ball oder Seifenblasen vorschlagen. Vielleicht noch ein Wimmelbilderbuch oder so.
    Lg

    Kaya

  2. Bälle, Tücher (so Jongliertücher, die man in die Luft schmeißen kann), Luftballons, Malpapierrolle von Ikea, Bausteine, Autos, Stifte, Sicherheitsscheren, Karnevals-Schminkstifte, Seifenblasen.
    Ich sehe das Thema wie Du. Bin auch empfindlich bei solchem braunen Gedankengut. Ich würde mich so gern engagieren, hier gibt es viele viele Flüchtlinge und ein Willkommensteam (haben auch irgendeine Ehrung von Land Schleswig-Holstein bekommen), da engagieren sich die Bürger so etwa wie mit einer Patenschaft, überreichen eine Willkommenstüte mit diversen Sachen, zeigen den Ort, begleiten zu Ärzten und Behörden. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin ist mir das psychisch momentan zu viel und das macht mich echt traurig. Aber ne Spendenkiste hab ich wenigstens auch schon gepackt und die zuständigen Stellen kontaktiert.

  3. Hallo Hummelchen,

    Ich freute mich echt, wieder bon Dir zu lesen!

    Erstmal wünsch ich Dir einen gelungenen Start morgen bei Deiner neuen Arbeitsstelle!
    Schön, dass Du was gefunden hast!

    So schön, dass auch heute noch Menschen ein Herz zum Not lindern haben…
    Letztendlich sind wir doch dazu da, um anderen Menschen ein Licht zu sein, oder etwas Hoffnung zu geben…

    Persönlich hab ich eine Weile eine Migrantenfamilie begleitet, welche ich durch „Zufall“ kennen gelernt habe.
    Wir unterstützten sie mit materiellen Dingen des täglichen Bedarfs und verbrachten einfach Zeit miteinander…unsere Kinder spielten sehr gerne miteinander. Zeit miteinander zu verbringen ist auch eine wertvolle Investition, finde ich…
    Als ich erfuhr, dass die Familie eines Nachts weiterflüchtete um einer Ausschaffung zu entgehen, und viele Dinge die sie mir erzählten anscheinend nicht der Wahrheit entsprachen, verspürte ich trotzdem Frieden in mir, denn ich hatte mich finanziell nicht ausnehmen lassen, sondern geholfen Menschenrechte zu erfüllen…und schlussendlich darf man nicht vergessen, haben Hilfsbedürftige nichts zu verlieren und leben in einer total anderen moralischen Welt…
    Aber mit Liebe, Zeit und dem Nötigsten kann man nichts falsch machen..!

    Für die Hilfseinsätze in unserer Familie, welche regelmässig in Moldavien stattfinden, bereite ich gerne mit unsern Jungs zusammen die Kleinigkeiten für die notleidenden Kinder vor…
    So erleben sie etwas mit, dass es nicht alle Kinder so gut haben wie sie und lernen, auch was von sich abzugeben und mit Freude was zu verschenken.
    Gut an kommen auch Strassenmalkreiden, diese kleinen Ballfangspiele, Frisbees, und Stickers.
    Und halt eben….Zeit!
    Zeit zum Fussballspielen, Zeit zum miteinander ein mitgebrachtes Zvieri zu essen…mit eigenen Kindern bricht das Eis schneller und bald spielen sie miteinander..

    Ich wünsche Dir gute Begegnungen und bereichernde Erlebnisse!

    Liebe Grüsse, Königskind

  4. Die Idee finde ich super, toll, dass du dich engagierst. 🙂
    Hm, Malbücher finden die bestimmt gut. Oder Knetmasse. Es gibt auch oft kleine Puzzles, die recht günstig sind. Oder auch einfach nur ein leerer Malblock und Wasserfarben. Haben die bestimmt auch nicht.
    Mädchen mögen ja auch immer gerne Haarbänder oder Haargummis. 🙂

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