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Es ist was es ist

Das Gedicht von Erich Fried mochte ich schon in meiner Jugend. Es ist eigentlich sehr simpel, es passt auch perfekt zu Teenager-Liebeskummer, aber es hat trotz aller Einfachheit eine Botschaft, die eine entwaffnende Wahrheit enthält. Es ist was es ist sagt die Liebe. Schulterzucken. Ende. Alles gesprochen.

Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Überlegungen und Gedankenkreisel der letzten Monate, ja fast schon eines ganzen Jahres, am Ende bei mir oft auf das rausliefen. Auf diesen einen kleinen Gedanken, dieses eine kleine Etwas, das man nicht wegleugnen oder wegargumentieren kann. Etwas, das so stark aber idiotensicher und unmissverständlich ist, dass es sich nicht auf Dauer ignorieren lässt. Denn da war etwas in mir, ein Gefühl, das als kleiner Keim, als läppischer nicht ernst gemeinter Gedanke begonnen hat und nun immer stärker wurde.

Dieses Gefühl, ich weiß ja nicht mal wie ich es nennen soll… VorLiebe, so als Pendant zu Vorfreude vielleicht? Ich habe immer öfter und dann auch immer deutlicher gespürt, dass mir noch ein Kind fehlt. Ich hatte auch ein sehr absurdes Gefühl, dass es nicht nur mein Wunsch nach einer fünfköpfigen Familie ist (obwohl ich immer wieder wenn ich an die Zukunft dachte, fünf Personen am Tisch sitzen sah, und wann immer ich die Jungs mit unserer kleinen Nachbarin zusammen alleine hatte ein sehr *rundes* Bild empfand), sondern dass ich ein ganz bestimmtes Seelchen herbeiwünsche, herbeiliebe, eine kleine verwandte Seele, ein meinKind, nach dem ich mich sehne und es sich nach mir. Das erscheint mir so albern, dass ich mir beim Tippen mächtig bekloppt vorkomme, aber was solls… Ich seh euch ja weder augenrollen noch schmunzeln! 😉

Dennoch waren lange Zeit die Zweifel übermächtig. Es ist Unsinn, sich dieses Mehr an Stress und potentiellem Geldmangel anzutun war das laute Wort der Vernunft. Oh ich hatte so viele Gründe dagegen. Dass wir jetzt erst wieder ein wenig Zeit als Paar haben, und Freizeit für uns selbst – das wollen wir opfern? Das Zerwürfnis mit den Schwiegereltern – können wir das überhaupt ohne Unterstützung? Was helfen alle diese guten Argumente, wenn mein Herz jedes Mal einen Schlag aussetzt wenn ich denke „scheiß drauf, was wenn wirs einfach machen?“. Eigentlich gab es nur zwei Gründe, die wirklich oft ein k.o.-Kriterium waren: der Mann wollte halt kein Drittes, und mein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht zu 100% ohne Zweifel für ein Kind entscheiden kann, dann ist es vielleicht einfach nicht „das Richtige“, und ich habe dieses 3. Kind schlicht nicht verdient. Bämm.

Und dennoch, die Vorstellung, diesen Wunsch einfach aufzugeben war so schmerzlich. Ich war mir so sicher, ich würde das lange und ausgiebig bereuen, vermutlich sogar „ewig“. Wenn wir es nicht einfach zumindest versuchen. Was wenn wir warten, bis die Bedingungen besser sind (versprochener Arbeitsplatzwechsel des Mannes mehr Richtung Wohnort, sodass er nicht täglich 3 Std. im Zug verbringt, und eine unbefristete Beschäftigung für mich, die Sicherheit nach der Elternzeit garantiert) und es dann einfach vielleicht ein wenig dem Zufall oder Glück überlassen? Ob es uns vielleicht bestimmt ist…?

Der Mann fühlte sich lange mit dieser Idee sehr unwohl, bei ihm haben die Zweifel klar überwogen, aber dann… eines Tages, meinte er plötzlich, er .. hätte doch gern ein drittes Kind. Er war eigentlich eh nie „so“ dagegen gewesen, er wollte sich nur die Nein-Option offenhalten ohne mir zwischendrin falsche Hoffnungen zu machen und die Vorstellung in Ruhe in sich reifen zu lassen.

Damit war es dann eigentlich klar. Ja, wir wollen. Noch einmal. Es ist was es ist sagt der Kinderwunsch.

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Auf bald,
Hummelchen

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