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Freundschaften

Das Rumpelstilzchen war ja immer schon unglaublich .. wie soll ich sagen? Sozial, extravertiert, an anderen sehr interessiert. Mich überrascht das in  positiver Weise, weil er da so ganz anders ist als ich und ich nicht zu hoffen gewagt habe dass mein Kind das halt mal einfach nicht erbt. Ich war schon als kleines Kind extrem schüchtern und zurückgezogen, konnte im Kindergarten die Gesellschaft (mehrerer) Kinder kaum ertragen. Aber nicht so mein Rumpel, der am Liebsten dort ist wo viel Trubel und viele Menschen sind.

Das wirkt sich natürlich auch auf seine Freundschaften aus. Er findet unglaublich schnell Anschluss, quatscht jeden direkt an (auch Fremde auf der Straße, die werden regelrecht verhört was sie grade machen und wieso und wie sie heißen und wo sie wohnen und warum sie „so“ einen Hut aufhaben..) und kann sich auch meist schnell in Grüppchen einklinken, auch (oder grade wenn) die Kinder deutlich älter sind als er. Ich finde das ganz wunderbar!

So kam es dann dass seine ersten besten Freunde im Kindergarten Sechsjährige mit „Schulanfänger“ Status waren. Es ist wirklich erstaunlich welche Zuneigung da in beide Richtungen bestand, einmal waren wir vor Kurzem Einkaufen und die beiden lagen sich geschlagene 5 Minuten einfach nur in den Armen und waren nicht voneinander weg zu bewegen. Und nein, das war nicht nach Einschulung, sondern in einer ganz normalen Woche in der sie sich ohnehin täglich sahen. Entsprechend schlimm war es für Rumpel sie gehen zu lassen. Am Abend vorm neuen Kindergartenjahr lag er schluchzend im Bett. „Meine allerbesten Freunde sind weg und dann hab ich nur noch den Schlumpi [das ist Raupes Spitzname hier] und der darf dann beim Essen nie bei mir sein!“ Es hat mir richtig weh getan, ihn so zu sehen, aber ich weiß auch noch was: das waren nicht seine einzigen besten Freunde. Es waren bestimmt seine ersten, und sicher auch die ALLERbesten, aber es gibt noch andere dicke Freunde, sodass er sicher nicht verloren dastehen würde im neuen Jahr. Nachdem ich ihm versprochen habe, dass wir bestimmt mal ein Treffen mit den beiden ausmachen können war er etwas ruhiger.

Außerdem wissen wir mittlerweile, dass die Raupe in die selbe Gruppe kommen wird. Ich habe lange mit mir gehadert, Vor- und Nachteile abgewogen. Schließlich hat dann der organisatorische Aspekt das Rennen entschieden: nur die Rumpelgruppe hat gemischte Öffnungszeiten. Eine andere hat nur „normale“ (also bis 12Uhr und an 2 Tagen auch 2 Std. Nachmittags), die andere nur verlängerte (also von 7.15-13.45). Jetzt ist es halt nicht so, dass ich gut vorausplanen kann welche Zeiten in Zukunft die besten sind, da ich nach wie vor auf Suche nach Nachmittagsbetreuung bin. Und je nachdem wen wir für wie viele Stunden finden macht es Sinn, die Jungs schon um 12 abholen zu  lassen. (Es gibt da so „Stufen“ und bis 50Std pro Monat zahlt man den ersten Fixbetrag. Wär natürlich doof dann viel weniger Stunden zu buchen und trotzdem im Kindergarten nen höheren Betrag zu zahlen.) Da ich das alles aber halt noch nicht weiß brauch ich größtmögliche Planungsfreiheit, und einen Gruppenwechsel möchte ich den beiden ersparen.

Ich sehe aber schon, dass die Jungs recht unterschiedlich sind, ganz andere Bedürfnisse haben und es sicher schön wäre, wenn sie den Vormittag nicht auch aufeinander kleben müssten. Der Große stiehlt gern die Show, kann das Rampenlicht nicht gut teilen. Der Kleine ist aber ein süßer tapsiger Drops und sichert sich die Zuneigung auch wenn er gar nicht so viel dafür „tun“ muss. Ich kann mir schon vorstellen dass das viel Nährboden für Eifersüchteleien gibt. Andererseits sind sie wirklich so dicke miteinander, dass es mich oft erstaunt. Klar, sie streiten wie die Kesselflicker, wissen haargenau welchen Knopf sie beim anderen drücken müssen damit es komplett eskaliert, aber die meiste Zeit sind sie unzertrennlich, lieben sich innig und können nicht ohne den anderen. Auch im Kindergarten sind die Gruppen offen (nur die kleine von der Raupe nicht, er kann also nicht selber besuchen gehen), und meist klebt auch da Rumpelstilzchen nur an seinem Bruder und ist immer grummelig wenn er zu Programmpunkten wieder raus soll. Insofern ist es vielleicht gar keine schlechte Entscheidung. Außerdem kriegen wir dann nur die Virenkonzentration von einer Gruppe ab! (Haha.)

Aber so Freundschaften sind halt auch ein tolles Übungsfeld. Rumpel saugt das regelrecht in sich auf und ist sehr empfänglich für Erklärungen und Diskussionen. Er liebt soziale Belange, aber man merkt auch dass es ihn viel „kostet“, er steckt viel Energie und Überlegung da rein, und als grundsätzlich ängstlicher Typ entstehen da viele Zweifel. So erst kürzlich diese Unterhaltung.
„Ich hab mit dem Ivan einen groooßen Turm gebaut, der war toll! Und dann hat die Katrin den Turm vom Ivan kaputt gemacht, aber nicht absichtlich, die hat das nicht gewusst dass der Turm wem gehört. Und dann hat der Ivan gesagt ich soll den Turm von der Katrin kaputt machen, und dann hab ich den Turm auch umgeschubst. Weil die ja unseren Turm kaputt gemacht hat!“ – „Und wie hast du dich dabei gefühlt, als du den Turm kaputt gemacht hast? War das ein schönes Gefühl oder ein doofes?“ – „Eigentlich .. nicht so schön. Aber, aber.. der Ivan hat gesagt ich soll das machen!“ – „Naja, du könntest ja trotzdem entscheiden dass du das nicht machen willst, wenns dir eigentlich gar nicht gefällt.“ – „Aber der ist schon Schulanfänger!!“ – „Siehste, so ein Großer kann das bestimmt selber mit der Katrin ausmachen wenn er sich grad über sie ärgert.“ – „Ja.. also wenn ich mal Schulanfänger bin dann mach ich sowas nicht!“ – „Das hat ja jetzt nichts mit Schulanfänger zu tun, du kannst das auch jetzt schon so machen und üben.“ – „Hat das der Johann auch vorher immer geübt?“ – „Na ganz gestimmt. Und was könnte man nun machen statt Turm umschubsen?“ – „Ich will sagen: ‚Nein, Katrin, das darfst du nicht! Das ist mein Turm den sollst du nicht kaputt machen!‘ Gell Mama, und dann muss sie unseren Turm in Ruhe lassen!“

Solche Gespräche gibts grade viele, und ich sehe wie viele Gedanken er sich macht und wie er sich (oft) bemüht das dann auch umzusetzen. Bei der Raupe haben wir da noch ein bissel Weg vor uns. Der würde – sobald keiner hinguckt – Katrin irgendwas über die Rübe ziehen… -.-

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Auf bald,
Hummelchen

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