emotions · Schwangerschaft

But the Tigers Come at Night

Es ist nun schon fast eine Woche, dass ich nicht mehr schwanger bin. Es fällt mir einerseits schwer überhaupt zu sagen, ich wäre schwanger gewesen, denn eigentlich war da nie ein Baby. Mein Körper aber zumindest war äußerst schwanger, mit allem was so dazu gehört. Seit Montag also ist auch das vorbei.

Ich wusste es schon seit der ersten Ultraschalluntersuchung bei 6+3, wo man zwar eine Fruchthöhle, aber leider nichts anderes erkennen konnte. Ich habe versucht noch ein wenig Resthoffnung zu behalten, aber auch die Woche drauf hat sich an der Diagnose nichts geändert. Der hCG Spiegel schoß weiter in die Höhe, und nach noch einer Woche abwarten riet mein Arzt dringend zu einer Ausschabung, da er nicht ausschließen könne dass das Gewebe (der babylose Trophoblast) wuchere und das … wäre dann nicht so schön.

Nachdem der eigentliche Albtraum ja schon der Verlust des Versprechens auf ein Junibaby war, wollte ich mir eigentlich wenigstens das gerne ersparen, aber auch das sollte nicht klappen und so musste ich aller Angst zum Trotz ins Krankenhaus.

Im Nachhinein kann ich wenigstens sagen, meine Ängste vor der OP waren glücklicherweise nicht berechtigt, und alles lief komplikationslos. Auch danach hatte ich keinerlei Beschwerden, nicht mal etwas das den Namen „Blutung“ verdient hätte. Eine Draufgabe zu diesem ohnehin gräßlichem biographischem Marker war die Anästhesistin, die mir, als ich also festgeschnallt am OP Tisch zur Vorbereitung lag, schluchzend und mit einem Blutdruck der mit 217/150 das Gerät hysterisch werden ließ, noch unbedingt drücken musste, dass ich mit dem Übergewicht ja selber schuld sei an der Fehlgeburt. Ich solle mich mal lieber darum kümmern als ums Schwangerwerden.

Danach ging es mir schnell wieder „gut“, und ich konnte schon mittags wieder heim. Dort quälten mich dann tyische „Beschwerden“, die ich sonst nur von nach Geburten kenne. Hitzewallungen im Gesicht, tausende Pickel, Rückenverspannungen, aber da war auch der Besuch der Hebamme.. Nur kein Schlafmangel, keine winzigen stinkenden Windeln, keine kleine Seele. Alles völlig falsch.

Es wäre zu perfekt gewesen. Ich ahnte früh, dass ich so viel Glück in diesem scheiß Jahr nicht mehr haben werde.
Alles was mir also bleibt ist die Erinnerung an die Vorfreude auf dich, mein liebes Junibaby.

 

But the tigers come at night
With their voices soft as thunder
As they tear your hope apart
As they turn your dream to shame

 

Auf bald,
Hummelchen

 

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5 Kommentare zu „But the Tigers Come at Night

  1. Oh nein, liebes Hummelchen… das tut mir so leid zu lesen! 😦 Hatte mich schon mit euch mitgefreut auf das Junibaby. Das, was die Anästhesistin gesagt hat, ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit…

    Meine zweite Schwangerschaft endete letztes Jahr im Juni auch in einer Ausschabung. Das Baby hatte sogar schon einen Herzschlag gehabt – ich war tieftraurig und wusste nicht, ob ich nach meinem ersten Sohn jemals nochmal ein Baby in den Armen halten würde.

    Nun halte ich den 4 Monate alten kleinen Bruder in den Armen ❤ Alles wird gut am Ende!

  2. Fuck!
    Du weißt hoffentlich, dass Übergewicht nicht, gar nichts mit der gestoppten Entwicklung eures kleinen Zellbabys zu tun hat. Viel viel viel wahrscheinlicher sind genetische Ursachen, auf die du gar keinen Einfluss hast. Es ist absolut unverantworlich von der Frau, dir sowas mit auf dem Weg zu geben, und schon gar nicht in der Situation. (SOOON HALS!)
    Falls du die Energie aufbringen willst, hilft vielleicht eine Beschwerde ans Krankenhaus dabei, dass sie sich bei der nächsten Frau ihre Worte verkneift.
    Und abgesehen vom Ärger: Fühl dich umarmt, von einer die euch viele Jahre mitliest und aus der Ferne mag.

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