Elternsein · emotions · Psychologie · Tipp

Skillsketten für Mamas

Ja gut, ein wenig Augenzwinkern ist dabei, bei diesem Post. Aber nur ein wenig, denn so unernst meine ich das gar nicht. Vielleicht können einige (die meisten? hoffentlich?) mit diesem Begriff so rein gar nichts anfangen, deswegen möchte ich ein wenig weiter ausholen.

Psychokram

Ich weiß nicht ob ich das schonmal irgendwo erzählt habe, aber ich bin Psychologin. Meine Spezialgebiete im Studium waren Entwicklungspsychologie, Diagnostik und differentielle Psychologie, erst später im Berufsleben war da noch ein deutlicher Schwenk Richtung klinische Psychologie dabei, das hat die Aufgabenstellung einfach so ergeben. Schon in meinem ersten Job „verschrieb“ ich mich der Jugendhilfe, damals aber in einem etwas anderen Bereich. Mittlerweile arbeite ich mit Patientinnen, die unter Depression, PTBS, Zwangsstörungen und/oder Borderline leiden. Das klingt erst mal bunt gemischt, ist sich aber ähnlich hinsichtlich Entstehung und vor allem Therapie.

Ganz klassisch in diesen Bereichen ist die intensive Arbeit am Umgang mit Anspannungszuständen – wie man also damit umgehen kann wenn man in emotionalen Hochstress gerät. Besagte Patienten tun das häufig, täglich, mehrfach, und heftig. Fast so wie… eine Mama!

Ich musste ehrlich lachen als mir der (zugegeben, unfachlich flapsige!! Ich entschuldigte mich im Anschluss) Kommentar in der Arbeit rausgerutscht ist (die Patientin nahms mit Humor und versprach, sich Kondome zu kaufen #hust). In Ruhe darüber nachgedacht fällt mir aber auf, dass man vielleicht trotzdem was aus dem ganzen Therapiekonzept rauspicken und sich zu Nutze machen kann – das Rad neu erfinden nämlich auch Therapien nicht!

Skill und Skillskette – wasn das?

„Skill“ ist ein unglaublich fancy-popancy Begriff für etwas, das jeder Mensch kennt und tut: Dinge anwenden um die Base zu chillen. 😉 „Da brauch ich jetzt erst mal nen Kaffee,“ wäre bei mir die Einleitung zum Skillen, in einem Beispiel. Natürlich gibt es da viel mehr als Kaffee, man denke an Sport, Baden, Musik hören, Lieblingsbuch lesen, Katzenkuscheln oder vieles Andere. Der Trick bei einem Skill ist nun, dass man über die Zeit herausfindet, welche spezifische Handlung gegen welches spezifische Problem/Anspannung hilft. Das ist praktisch bei niemandem das selbe und manches funktioniert nicht immer und ewig sondern nur in einem bestimmten Lebensabschnitt. Auch muss es nicht „logisch“ sein: bei mir hilft beispielsweise gegen Heißhunger weder viel Wasser trinken noch auf einer Karotte rumzukauen, bei mir hilft ganz einfaches Duschen. Total simpel, aber goldwert wenn man zufällig draufkommt. Das ist die Theorie vom Skillen.

Eine „Skillskette“ ist nun etwas, das man anwendet, wenn man mit den Nerven eigentlich schon komplett am Ende ist, man feuerrot sieht, Lava aus den Ohren kommt und man für absolut gar nichts mehr garantieren kann. Es ist die Notstopp-Taste. Ein Programm das man bewusst einleitet, wenns selbst für nen irish coffee schon 2 Stunden zu spät ist. Dieses Programm muss vorher schon bekannt, bestenfalls geübt werden, vielleicht auch schon in etwas harmloseren Momenten um zu checken ob es funktioniert. Im Bestfall hat man auch einen Spickzettel, denn sobald mir die Lava aus den Ohren kommt ist mein Gehirn verglüht, da is nix mehr mit Nachdenken!

Eine Skillskette basteln, Phase 1

Wichtig beim Gestalten einer Skillskette ist, dass die ersten 1 oder 2 Schritte aus Dingen bestehen, die man realistischerweise machen würde während man grade gepflegt Länge mal Breite austickt. Würde man dann ein Buch lesen? Ein Käffchen schlürfen? Neeeeiiin. Da kommen jetzt Dinge zum Einsatz, die es in sich haben. Ihr könnt vielleicht online recherchieren, hier ein paar Beispiele, wie sie klassischerweise in der Therapie empfohlen werden:

-> laut in ein Kissen brüllen, schnell Treppen laufen mit Kieselsteinen in den Schuhen, eine Chilischote aufessen, einen Eiswürfel fest in der Faust umschließen bis er geschmolzen ist, in ein Kissen boxen, Ammoniak riechen (heftig, kein Späßchen, nur wenn ihr droht komplett die Kontrolle zu verlieren und für euch oder andere eine Bedrohung darstellt, Ampullen in Apotheke zu beschaffen), an Tigerbalm riechen (sanfte Variante), ein Stück frischen Ingwer kaugen, den Kopf in Eiswasser tauchen, ein Coolpack in den Nacken drücken, langsam über Legosteine laufen wie ein Fakir, ein Stück Knoblauch/Zwiebel essen…

Eurer Kreativität um eurem Geist einen Frontalangriff auf die 12 zu verpassen sind keine Grenzen gesetzt, der erste Skill muss zwiebeln. Alles davon ist tierisch unangenehm, vieles davon sind Schmerzreize, aber was hättet ihr denn gedacht wie man Lava stoppt? Je nach Zustand solltet ihr euch 1-2 Skills überlegen, die ihr auch spontan einsetzen könnt – auch wenn Kinder da sind und euch nicht viel Zeit bleibt.

Phase 2, Skills gegen Dampf aus Ohren

Okay, wenn das geschafft wurde seid ihr noch nicht cool und dampft noch gewaltig. Kein Spaß, aber damit kann man arbeiten. Der Kopf sollte jetzt wieder einigermaßen funktionieren, und man ist halbwegs am Boden. Der Schweißausbruch ist vorbei, die Hände zittern nicht mehr, vielleicht laufen nun Tränen weil die erste schlimmste Anspannung abfällt. Aber hören wir nun auf? Neeeiiin. Es folgen (2-5, je nach Schweregrad) Skills aus dem Mittelbereich. Die tun nicht mehr offensichtlich „weh“, sind aber noch Arbeit.

-> Wechseldusche, anstrengende Hausarbeit, von 100 in 7er Schritten rückwärts zählen, ein Durchgang Stadt Land Fluss, einige Zeit am Zauberwürfel, Sudoku, mit der nicht-Schreibhand einen Text abschreiben, eine Strophe Gedicht auswendig lernen, Hampelmann springen, auf kleinen Murmeln balancieren, Vitaminbrausetablette im Mund zergehen lassen, scharfes Bonbon lutschen (Menthol!), gezielt Muskeln anspannen und wieder loslassen

Oft wird die Zeit nicht für viel reichen, aber man findet schnell raus wie viel es braucht. Wichtig ist für Mamas, dass man sich auch vorab überlegt wie man die Rasselbande in der Zeit beschäftigt. Ich rate ganz unpädagogisch aber dafür therapeutisch umso wertvoller sehr dazu, sie für 30 Minuten vorm TV zu parken und sein Selbsthilfe Programm zu absolvieren. Für Babymamas ist das natürlich nicht möglich (wobei, auch da gibts so blinkeblinke Dinger im TV die die Kids schrecklich paralysieren für ne Zeit, aber in der Not trinkt der Teufel Weihwasser, ne?) und man muss schauen wie viel Zeit man sich verschaffen kann und welche Skills schnell und effizient sind.

Phase 3, Cooldown

Zum Abschluss, wenn nix mehr dampft, wird vorsorglich noch ein wenig gekühlt. Jetzt kommen endlich die angenehmen Skills, solche die ernsthaft Spaß machen. Damit soll man wieder sicher am Boden landen und möglichst dafür sorgen dass man nicht beim nächsten Anlass gleich wieder hochgeht – immer Achtung auf Glutreste!

-> Kaffeetrinken (jaaaa! endlich!!), Spazierengehen, Tanzen, laut Lieblingsmusik hören, Lesen, sich hübsch machen/schminken/Lieblingsparfum auflegen, sich selbst umarmen oder von anderen umarmen lassen (notfalls das wehrlose Baby knuddeln, höhö), mit dem Haustier spielen, Witze lesen, Lieblingsfotos ansehen, etwas dekorieren, etc.

Ablauf und Vorbereitung

Wichtig nach Erstellung einer Liste bevor man nun zur ersten Anwendung geht ist noch Folgendens: der erste Schritt ist erstmal die „Zäsur“, das Stoppsignal. Der fette Stöpsel in die Ohren wenn Lava fließt. Man kann das auf unterschiedliche Weise einüben, je nachdem was für ein Typ man ist. Man kann zum Beispiel zu sich selbst laut und energisch „STOPP!!!“ rufen, oder man kann sich ein Bild visualisieren (nur wenn häufig vorher vorgestellt), von einem blinkenden Stopschild oder einem Polizisten mit erhobenem Schild, oder einer vor der Nase zuknallenden Stahltüre. Manche machen gute Erfahrungen mit bestimmten Gesten, beispielsweise beide Handflächen nach vorne zeigen, klatschen, oder wenn wir grade bei Geräuschen sind, pfeifen. Auf jeden Fall braucht es für den Einstieg ein gut mit sich selbst verabredetes Signal.

Beispiel 1: Skillskette für Mama von älteren kleinen (haha!) Kindern
  1. laut STOP rufen
  2. (wüste Beschimpfungen) in ein Kissen schreien
  3. auf Legosteinen balancieren (es liegen garantiert welche rum, oder?)
  4. 10 Strecksprünge
  5. Kids vor TV parken und Wechseldusche
  6. von 100 in 7er runterzählen
  7. ein Durchgang Stadt Land Fluss mit dem erstbesten Buchstaben der beim Umsehen ins Auge springt
  8. mit den Kids lustige Tierbabyvideos auf Youtube gucken und zusammen lachen
  9. zum Lieblingssong zusammen abtanzen
  10. Kaffee für dich/Kakao für alle

Bedenkt dabei, die Kids wenn möglich mit einzubeziehen. Auch die haben gerafft dass es euch grade richtig dreckig ging, und es macht durchaus Sinn das völlig transparent zu machen. „Mir gings grade überhaupt nicht gut und ich musste richtig dran arbeiten dass ich mich wieder beruhigen konnte. Wisst ihr, dabei könnt ihr mir sogar helfen, ich zeig euch mal wie ich das jetzt mache,…“ Das hat viele nützliche Effekte: ihr weckt in den Kleinsten Verständnis für die Situation und für euch, eure Anspannung ist kein bedrohlicher „must not be namend“ Zustand mehr, sondern hat ein Label bekommen, sie wissen nun konkret was los war. Und wer wenn nicht ein kleines Kind hat Verständnis für Austicker, hm? Gleichzeitig seid ihr damit ein Vorbild wie man mit heftigen Gefühlen umgeht, ihr könnt ja auch von den Zwergen nicht was verlangen was ihr nicht selbst tun würdet/könntet, werdet also mega glaubwürdig. Nicht zuletzt fühlen sich die Kids auch tatsächlich hilfreich, und gibt es auf der Welt ein geileres Gefühl als für einen geliebten Menschen von Wert und Nutzen zu sein? Außerdem – Kakao für alle ist immer ne gute Sache.

Beispiel 2: Skillskette für Mama von einem Baby

Okay, das ist wirklich tricky. In der Babyzeit gerät man oft in Anspannungszustände, und ich greife mir jetzt ein Extrembeispiel: was könnte jemand tun, der unmittelbar davor ist sein Baby zu schütteln?
Huch!? Okay, die empörte geistige Schnappatmung die dieser Gedanke glücklicherweise instinktiv hervorruft, absolviert, möchte ich Folgendes klarstellen: trotz aller nötiger und toller Aufklärung warum das katastrophale Folgen für ein Baby hat, und obwohl kein Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten auf die Idee käme etwas so Furchtbares zu tun, bleibt eines Fakt: es passiert. Es passiert übrigens nicht von Menschen die sich vorab überlegen „och, so ein bissle schütteln, das stell ich mir ganz sinnvoll vor, ja!“. Es passiert von Menschen die es vorher und nachher aufs Schärfste verurteilen, sich wahrscheinlich lebenslänglich dafür hassen, und… es dennoch vielleicht wieder tun. Denn so viel ist sicher: niemand tut das wenn er noch zurechnungsfähig ist, das ist ein Zeichen für absoluten Kontrollverlust. Und damit ein solches Tabu, dass ihr außer „legt das Kind weg und verlasst sofort den Raum“ kaum wo lesen werdet was ihr tun könnt um den Drang in den Griff zu bekommen. Und hier sind wir beim Thema Skillskette.

  1. Kind sicher ablegen und ihm mit ausgestreckten Armen die Handflächen zeigen, mit Geste Abstand schaffen
  2. ein schweres dickes Kissen so fest schütteln wie nur möglich (alternativ geschlossenen Sack Kartoffeln oÄ)
  3. in einen anderen gut belüftbaren Raum wechseln, eine Ampulle Ammoniak in Tuch zerbrechen und kurz unter der Nase wedeln, wiederholen so lange aushaltbar; Ampulle in Tüte und verknoten! Raum lüften!!
    [Bitte unbedingt beachten: Ammoniak ist eine Chemikalie und kein Spielzeug, äußerste Vorsicht beim Umgang; eventuell sind die räumlichen Bedingungen bei euch zuhause nicht gegeben oder euch ist das ein zu heißes Eisen – dann lasst es lieber und nehmt einen anderen heftigen, intensiven Geruchsreiz oder einen krassen Geschmackreiz wie zB frische Chilischote essen.]
  4. so viele Hampelmänner am Stück springen wie nötig, alternativ Luftboxen bis die Arme brennen
  5. Brausetablette im Mund zergehen lassen
  6. „Wechseldusche“ für Hände und Unterarme, warm-kalt-warm-kalt-warm
  7. 10 mal fest Fäuste machen und völlig Spannung rauslassen
  8. zum vermutlich noch weinenden Baby gehen und es sanft umarmen, „Danke dass du so viel Geduld mit mir hast“ zuflüstern und reinfühlen
  9. Schreiendes Bündel in die Trage oder den Kinderwagen packen und spazieren gehen, direkt die Ammoniktüte in die Restmülltonne entsorgen
  10. aller Peinlichkeit trotzen und dabei singen

Wichtig bei dieser exemplarischen Liste war mir, dass alles sehr schnell geht. Man kann nicht mal eben eine halbe Stunde verschwinden wenn das Baby brüllt, das lässt die Belastung gleich nochmal schlimmer werden. Deswegen hab ich hier echt heftige Skills gewählt, die in Sekunden absolviert sind. Bitte beachtet einen sicheren Umgang mit Amonik Ampullen in Haushalten in denen ein Baby lebt.
Sollte euch so eine Anleitung nicht helfen und/oder das Problem schlimmer werden, erklärt es sich von selbst dass ihr einen Live-Experten benötigt, eine pupsige Liste im Internet wird dem Leidensdruck dann nicht gerecht. Bitte niemals zögern rechtzeitig um Hilfe zu bitten, ich kann nur Familienberatungsstellen wärmstens als erste Anlaufstelle empfehlen!

Und sonst so?

Das Thema ist so „groß“, dass ich mir fast sicher bin noch etwas vergessen zu haben. Ich spare mir hier den Platz für ein Nachwort. Vielleicht fallen euch aber auch gleich direkt Fragen ein, oder ihr findet logische Lücken, dann kann ich die hier Q&A mäßig schließen. Also, schießt nur mal los!

Ansonsten hoffe ich dass ihr das alles eh nie braucht und es euch eigentlich ziemlich gelangweilt hat es zu lesen.. 😉 Küsschen!

Auf bald!

Elternsein

Typischer Kacktag

Also früher, da hätte die Schilderung eines Tages so in der Regel beim Aufstehen begonnen. Früher meint dabei die Vor-Kinder-Zeit. Als Mama ist für die Qualität eines Tages auch ganz wichtig, wie eben die Nacht war, mit der man in ihn startet.

Und diese Nacht war beschissen. Aber echt. Eigentlich sind größere Kinder ja schon Luxus was den Nachtschlaf betrifft, und außer mal aufs Klo gehen oder Durst haben sie nachts keine Wünsche (okay, von mehr Stress nach Albträumen jetzt mal abgesehen). Das trifft aber mal gänzlich nicht auf die komplette Erkältungssaison zu, denn … Steinböckchen leidet praktisch zwischen Oktober und Ostern fast durchgängig an Husten. Er ist da meeeega empfindlich, kriegt so Zeug ganz schnell, und auch wenn tagsüber schon längst wieder alles fit ist bekommt er nachts abartige Hustenkrämpfe, Pseudo-Krupp lässt grüßen.

Schon letzte Nacht hatte er so einen, und auch diese Nacht wieder, nur heftiger. Insgesamt war er 1,5 Stunden am Husten, 45 Minuten davon richtig entsetzlich, mit Würgen, fast Übergeben, knallrotem Kopf, tränenden Augen und Atemnot. Alles was so dazu gehört. Sämtliche Maßnahme (erste davon: warm einpacken und am offenen Fenster kalte Luft atmen lassen) halfen eher mal nix, und er war am Ende ganz aufgeregt und verzweifelt. Mit ihm am Arm rumlaufen und vorsingen konnte ihn ein wenig beruhigen, aber es dauerte sehr lange bis er überhaupt wieder bereit war ins Bett zu gehen, und dann alleine zu bleiben. Mittlerweile war er komplett heiser vom husten und weinen, röchelte also blechern vor sich hin. Mein Mann und ich waren irgendwas zwischen besorgt, mit den Nerven durch und genervt vom Husten.

Irgendwann nach etwa 2 Stunden konnte ich dann einschlafen, da war es kurz nach 1 Uhr. In dieser Nacht musste ich dann auch „nur“ noch einmal zur Toilette, und um 6 war die Nacht dann vorbei. VIEL zu kurz für mich, schon im Normalfall, schwanger erst recht.

Die Kids ließ ich dann so lange wie möglich schlafen damit sie nicht so ko sind, und schlussendlich musste ich dann unglaublich in die Arbeit hetzen, die war dann heute auch wieder das „reinste Vergnügen“. Hust.

Zurück beim Kindergarten wurde mir mitgeteilt, dass Steinböckchen überhaupt nicht mehr gehustet hätte (puh), aus der Gruppe vom Rumpelstilzchen bekam ich nichts mitgeteilt. Am Heimweg fiel mir auf dass er seine Jeans schoooon wiiiiieder zerrissen hatte, und es folgte entnervtes Gemecker meinerseits – er popelt Nähte einfach wahnsinnig gerne auf. Und bei uns ist jede Hose geflickt, die meisten mehrfach. Ich weiß nicht warum, aber momentan haben die Jungs einen Hosenverschleiß, der nicht mehr irdisch ist. Kein Plan wie sie das schaffen, aber ständiges auf die Knie schmeißen und dann rutschen hat daran vermutlich Anteil. Jedenfalls durfte er sich mein Gezeter anhören und sein „aber ich bin hingefallen“ stieß bei mir eher auf taube Ohren. (incoming major mom fail… loading…)

Zuhause sah ich dann dass er wirklich ein Pflaster drauf hatte. Im Kindergarten kleben sie gern Augenpflaster aufs Knie, weil die Form gut passt und die leicht wieder abgehen. Ich dachte mir nix, er kriegt öfter mal auf ein leicht gerötetes Knie ein Pflaster weil er das so fordert. Gegen Abend hatte er das Pflaster aber abgepiddelt und zeigte mir seine Verletzung, und den Teil fand ich dann so richtig uncool: da Knie war nicht gerötet, sondern einfach echt aufgeschlagen. Das ist absolut nichts Schlimmes oder Außergewöhnliches, außergewöhnlich war nur die Menge an Dreck die noch drin war. Am unteren Rand ein breiter Erdstreifen, und hinter einem abstehenden Hautfetzen klebte Erde.

Zum Einen war da dieses ekelige Schuldigfühlen weil ich ihm so unrecht getan hatte, und dann war da noch die Wut auf die Mitarbeiterin im Kindergarten. Ich weiß, dass sie Wunden nicht desinfizieren dürfen, aber ich erwarte doch bitte dass der offensichtliche und aus einem Meter erkennbare Dreck rausgewaschen wird?? Und wenn ihnen das zu kompliziert erscheint (den Erdpopel musste man hinter dem Hautschüppchen vorputzen, bzw ich habe das Teil gleich entfernt weil eh nur an einer dünnen Faser hängend) dann kann man doch bittedankeverdammt beim Abholen Bescheid geben dass da eine Wunde ist auf die man noch nen Blick werfen sollte. Rumpel erzählte später, dass Frau Soundso ihn abgewischt hätte, und ich weiß nicht ob mich das nicht noch mehr ärgert. Warum ist man so schlampig bei sowas? Aber gut, mit ein Grund warum Steinböckchen die Gruppe wechseln musste…

An dem Punkt half dann nur noch eins: Frust-Pancakes. Mit Banane. Mitten am Nachmittag, einfach so, für alle. Ohmmmm.

Irgendwann so gegen 5 war ich dann so durch mit meinen Kräften dass ich eigentlich stehen einschlafen hätte könnenwollen. Das Haushaltspensum konnt ich grad noch so erledigen, vor allem das Wäschewaschen war heute wichtig (aufgehängt im Kinderschlafzimmer in der Hoffnung es nützt was), aber auch der Staubsauger läuft mir den 3. Tag mit flehendem Blick nach.

Dafür bin ich jetzt gepflegt am Arsch, wünsche den kompletten Tag zum Teufel, werde sehr bald schlafen gehen und hoffe dass morgen dafür Ausgleich erzielt. Uff.

Auf bald!

 

Elternsein · emotions · Gedanken · Großeltern · Kind · Kleinkind · WorkingMum

#parentsnightout

Diesen Hashtag verwende ich etwa alle 2 Monate. In krankheits- und umständebedingt unregelmäßig regelmäßigen Abständen übernachten die Jungs bei ihren Großeltern. Das heißt, dass mein Mann und ich von Samstag nachmittag bis Sonntag morgens sturmfrei haben und dann so Dinge tun, die Päärchen an freien Abenden tun können. Ins Kino gehen, nett auswärts essen, lang aufbleiben, durchschlafen, ausschlafen und Anderes. Wir genießen diese Momente sehr und sind sehr dankbar für die Unterstützung, da unser normaler Alltag gerade echt anstrengend ist. Vor allem ich spüre die Vielfachbelastung, den Großteil des Haushaltes zu übernehmen, sämtliche Termine und to do’s zu koordinieren, immer primär für die Kinder zuständig zu sein, sie bei Krankheit zu betreuen (auch wenn der Mann auch mal bei den Jungs daheim bleibt, dämlicher Haltung des Chefs zum Trotz, hängts natürlich oft an mir wenn ein Kind morgens plötzlich krank und der Mann schon über alle Berge ist) und dennoch arbeiten zu gehen. Da bleibt eigentlich kaum Luft für mich, und noch weniger Luft für meine, bzw. unsere Partnerschaft. Gerade im Winterhalbjahr schieben wir uns am Zahnfleisch durch die Wochen, giften uns wegen Kleinigkeiten  mehr an als nötig weil jeder nur noch bestenfalls auf Reservebatterie läuft. Ich denke man sieht auch hier an der Blogaktivität, da geht meist nix mehr. Der Laden muss halt irgendwie laufen und mehr ist nicht drin.

Gerade darum lechzen wir so nach diesen kurzen Auszeiten. Mal durchschnaufen, Energie tanken, völlig entleerte Akkus mal aufladen. Wir genießen zwar die Zeit mit den Kindern, aber beide (vor allem aber das Rumpelstilzchen) saugen grade im Sekundentakt spürbar Energie gradezu aus einem raus.

Ohne ins Detail zu gehen um nicht allzu sehr vom Thema abzukommen machen uns die wahnsinnigen Kreischanfälle des Großen zu schaffen, ebenso wie seine Bockigkeit beim Essen und am wohl Heftigsten ist sein „Schlafding“. Entweder hat er ständig Nachtschreck, Alpträume, schlafwandelt oder sonstirgendwas Komisches, aber viele Nächte begleiten uns 1-2Std dauernde „Anfälle“, obwohl er ohnehin jede Nacht bei uns schläft. Es ist grade wirklich nicht so schön… Auch morgens zieht sich das durch und beschert mir jeden Tag einen grauenhaften Start in selbigen.

IMG_20160125_161842124_HDR

Trotzdem es grade so schwierig läuft lässt sich leider ein Muster erkennen. Die Jungs verbringen von Mittwoch bis Freitag die Zeit nach dem Kindergarten bis kurz vorm Schlafengehen bei den Großeltern. Da ich erst spät von der Arbeit heimkomme (ebenso wie der Mann) ist es einfacher, wenn sie gleich dort Abendessen können und ich nicht zwingend noch kochen muss. An diesen Abenden ist das zu Bett bringen meist besonders schwer. Beide kämpfen sehr gegens Einschlafen und kommen lange nicht zur Ruhe, obwohl sie rein rechnerisch sogar später ins Bett kommen als sonst. Die Nächte sind dann beim Rumpelstilzchen heftig. Und das Wochenende ist meist wirklich kein Spaß, es gibt extreeeme Zickerei beim Essen, Regeln sind weitläufig schier komplett aus dem Gedächtnis gelöscht, beide sind wirklich fies zueinander und beim Rumpel fliegen die Schimpfwörter nur so, gestern gipfelnd in „scheiß Papa!“.

Wir haben viele Dinge, die wir als Gründe vermuteten bereits mehrfach angesprochen. Bitte die Raupe wirklich um 15Uhr wecken. Bitte das Rumpelstilzchen nicht im Kinderwagen aufm Spaziergang schieben und einschlafen lassen. Bitte nicht jeden Tag Spätzle servieren und dann Rumpel 3 Tage hintereinander dasselbe essen lassen. Bitte nicht ständig zwischendrin was zu futtern geben. Bitte nicht alles durchgehen lassen. Bitte dazwischen gehen wenn sie sich irgendwas über die Birne ziehen. Bitte streng und konsequent bei Schimpfwörtern sein und vor allem nicht vorsagen.

Es ist vergebens. Teilweise seh ich das auch live vor Ort. Letztens waren wir nachmittags dort, waren schon am Verabschieden, es war kurz vor Abendessen (17.45 sowas). Rumpel war mit Oma in die Küche geschlichen, saß auf der Anrichte und naschte Erdbeeren. Ich meine – ich finde es klasse wenn er Obst isst, keine Frage! Aber doch bitte nicht unmittelbar vorm Abendessen, vor allem wenn es keine 1,5 Std davor ebenjene Erdbeeren bei Oma als Snack gab. Und wir just an DIESEM Tag wieder das Essensproblem thematisiert hatten.

IMG_20160227_181149985

Und dann kam DIESES Wochenende. Eine #parentsnightout. Wir hatten uns schick gemacht, waren in unser Lieblingslokal gefahren (My Heart Beats Vegan mit den leckersten Burgern die ich jemals hatte!), hatten einen sehr netten Abend, bis kurz nach 9 ausgeschlafen, länger Zeit im Schlafzimmer verbracht *hust* *grins* und hatten uns dann gemütlich zum Frühstück gesetzt. Es war abgesprochen dass die Jungs über Mittag noch weg sein sollten, es war Spaziergang oder Tierpark oder sowas geplant. Wir wollten dann bevor wir uns hinsetzten zum Frühstück noch anrufen und abklären, aber ging niemand ans Handy. Wir setzen uns also, nehmen den ersten Schluck Kaffee – dingdong! Das war so etwa gegen 10.30 und ich dachte noch so, na ganzliebdanke dass es nicht vor 30 Minuten war. Natürlich können sie die Jungs jederzeit abliefern wenn sie keine Lust mehr haben, aber ne kurze Benachrichtigung über die Planänderung wär schon fein gewesen…

Jedenfalls, dann begann der Alptraum. Ich weiß nicht wie ich das anders noch nennen soll. Rumpelstilzchen hatte etwa 10 jeweils halbstündige Totalausfälle über den Tag verteilt, mimte das unausstehlichste und unsympathischste Kind das die Welt je gesehen hat, war absolut widerlich zum Bruder, trotze wie ein Wahnsinniger beim Essen (ging daher nun auch ohne irgendwas ins Bett), war nur am Brüllen, Heulen, Kreischen, mehrfach bis kurz vor Erbrechen (ja, er kotzt immer mal wieder wenn er sich so in nen hysterischen Anfall reinsteigert). Er ließ sich nirgends abholen, beruhigen, erden, ablenken und bot keinerlei Möglichkeit für „FußinTür“. Es war so furchtbar, und ich bin so geladen und fertig mit der Welt, ich habe eine solche Wut auf ihn, die Situation, die Großeltern, auf Gott und die Welt. Ich bin völlig am Ende und ausgelaugt und nur noch enttäuscht und frustriert. Sowas ertrag ich nicht, halt ich nicht aus, will ich nicht. Das IST NICHT MEIN KIND. Ich weiß nicht wen sie da zurückbringen, und habe keine Erklärung für was da wohl los war.

Natürlich gab es „keine Vorfälle“. Sie hätten bis 6.15 durchgeschlafen, alles supi, viel Spaß, schönen Sonntag noch, byebye.

Was soll ich da sagen… Für mich ist klar, so eine #parentsnightout wird so schnell nicht wiederholt. Sowas ist das bisschen leckere Essen und ungestörter Sex nicht wert, der Preis ist viel zu hoch. Ich bin grad so erschüttert und planlos dass ich am Liebsten die ganze Situation ändern würde, weil ich eben nicht abschätzen kann was da abgeht. Irgendwie hab ich das Gefühl, ich kann weder auf das Einhalten von Absprachen (meine Güte wir lassen ihnen SO viel freie Hand, wenn ich lese wie das bei anderen läuft…. aber gewisse Dinge kann ich doch bitte auch erwarten? Oder muss ich das laissezfaire und allesegal hinnehmen?) noch auf wahrheitsgetreue „Übergabe“ hoffen, und mir geht allmählich wirklich das Vertrauen flöten. Ich habe immer mehr Zweifel ob die Jungs dort gut aufgehoben sind…

Aber was ist die Konsequenz wenn ich doch darauf angewiesen bin??? Unser Kindergarten bietet keine durchgängige Ganztagsbetreuung (wenn dann mit 2 Std über mittags zu, keine Ahnung wem das was nützen soll), und abgesehen davon dass sie erst eingewöhnt wurden und ich nicht wieder wechseln will bin ich dort sehr zufrieden. Ich brauche also wen für die Nachmittagsbetreuung sonst kann ich nicht arbeiten. Ich überlege schon, einfach nach einem Vormittagsjob zu suchen (das gibt es in meinem konkreten Arbeitsbereich praktisch nie), aber ich bin wiederum so zufrieden in meinem Job, mag meine Arbeit, hab super Kollegen und die liebste Chefin der Welt, die niemals blöde wird egal wie oft ich in der Probezeit krank oder kindkrank daheim war. Ich will dort nicht weg, ich will die Kinder aus dem Kindergarten nicht weg, aber ich weiß nicht mehr welche andere Lösung überhaupt existiert.

IMG_20160126_134138549

Ich bin ratlos, unglaublich enttäuscht und fühle mich sehr allein gelassen. Es scheinen alles Bemühen, alle Kraft und aller Wille nicht zu helfen. Mich macht das sehr traurig und erschöpft. Oder verlange und erwarte ich zu viel? Wie macht ihr das denn? Habt ihr Tipps für die Großeltern?? Ich weiß grad ehrlich nicht mehr weiter… Ich habe so tolle Kinder, ich habe die Familie die ich wollte, und bin dennoch traurig.

.
Auf bald,
eine müde Winterhummel