Elternsein · emotions · Psychologie · Tipp

Skillsketten für Mamas

Ja gut, ein wenig Augenzwinkern ist dabei, bei diesem Post. Aber nur ein wenig, denn so unernst meine ich das gar nicht. Vielleicht können einige (die meisten? hoffentlich?) mit diesem Begriff so rein gar nichts anfangen, deswegen möchte ich ein wenig weiter ausholen.

Psychokram

Ich weiß nicht ob ich das schonmal irgendwo erzählt habe, aber ich bin Psychologin. Meine Spezialgebiete im Studium waren Entwicklungspsychologie, Diagnostik und differentielle Psychologie, erst später im Berufsleben war da noch ein deutlicher Schwenk Richtung klinische Psychologie dabei, das hat die Aufgabenstellung einfach so ergeben. Schon in meinem ersten Job „verschrieb“ ich mich der Jugendhilfe, damals aber in einem etwas anderen Bereich. Mittlerweile arbeite ich mit Patientinnen, die unter Depression, PTBS, Zwangsstörungen und/oder Borderline leiden. Das klingt erst mal bunt gemischt, ist sich aber ähnlich hinsichtlich Entstehung und vor allem Therapie.

Ganz klassisch in diesen Bereichen ist die intensive Arbeit am Umgang mit Anspannungszuständen – wie man also damit umgehen kann wenn man in emotionalen Hochstress gerät. Besagte Patienten tun das häufig, täglich, mehrfach, und heftig. Fast so wie… eine Mama!

Ich musste ehrlich lachen als mir der (zugegeben, unfachlich flapsige!! Ich entschuldigte mich im Anschluss) Kommentar in der Arbeit rausgerutscht ist (die Patientin nahms mit Humor und versprach, sich Kondome zu kaufen #hust). In Ruhe darüber nachgedacht fällt mir aber auf, dass man vielleicht trotzdem was aus dem ganzen Therapiekonzept rauspicken und sich zu Nutze machen kann – das Rad neu erfinden nämlich auch Therapien nicht!

Skill und Skillskette – wasn das?

„Skill“ ist ein unglaublich fancy-popancy Begriff für etwas, das jeder Mensch kennt und tut: Dinge anwenden um die Base zu chillen. 😉 „Da brauch ich jetzt erst mal nen Kaffee,“ wäre bei mir die Einleitung zum Skillen, in einem Beispiel. Natürlich gibt es da viel mehr als Kaffee, man denke an Sport, Baden, Musik hören, Lieblingsbuch lesen, Katzenkuscheln oder vieles Andere. Der Trick bei einem Skill ist nun, dass man über die Zeit herausfindet, welche spezifische Handlung gegen welches spezifische Problem/Anspannung hilft. Das ist praktisch bei niemandem das selbe und manches funktioniert nicht immer und ewig sondern nur in einem bestimmten Lebensabschnitt. Auch muss es nicht „logisch“ sein: bei mir hilft beispielsweise gegen Heißhunger weder viel Wasser trinken noch auf einer Karotte rumzukauen, bei mir hilft ganz einfaches Duschen. Total simpel, aber goldwert wenn man zufällig draufkommt. Das ist die Theorie vom Skillen.

Eine „Skillskette“ ist nun etwas, das man anwendet, wenn man mit den Nerven eigentlich schon komplett am Ende ist, man feuerrot sieht, Lava aus den Ohren kommt und man für absolut gar nichts mehr garantieren kann. Es ist die Notstopp-Taste. Ein Programm das man bewusst einleitet, wenns selbst für nen irish coffee schon 2 Stunden zu spät ist. Dieses Programm muss vorher schon bekannt, bestenfalls geübt werden, vielleicht auch schon in etwas harmloseren Momenten um zu checken ob es funktioniert. Im Bestfall hat man auch einen Spickzettel, denn sobald mir die Lava aus den Ohren kommt ist mein Gehirn verglüht, da is nix mehr mit Nachdenken!

Eine Skillskette basteln, Phase 1

Wichtig beim Gestalten einer Skillskette ist, dass die ersten 1 oder 2 Schritte aus Dingen bestehen, die man realistischerweise machen würde während man grade gepflegt Länge mal Breite austickt. Würde man dann ein Buch lesen? Ein Käffchen schlürfen? Neeeeiiin. Da kommen jetzt Dinge zum Einsatz, die es in sich haben. Ihr könnt vielleicht online recherchieren, hier ein paar Beispiele, wie sie klassischerweise in der Therapie empfohlen werden:

-> laut in ein Kissen brüllen, schnell Treppen laufen mit Kieselsteinen in den Schuhen, eine Chilischote aufessen, einen Eiswürfel fest in der Faust umschließen bis er geschmolzen ist, in ein Kissen boxen, Ammoniak riechen (heftig, kein Späßchen, nur wenn ihr droht komplett die Kontrolle zu verlieren und für euch oder andere eine Bedrohung darstellt, Ampullen in Apotheke zu beschaffen), an Tigerbalm riechen (sanfte Variante), ein Stück frischen Ingwer kaugen, den Kopf in Eiswasser tauchen, ein Coolpack in den Nacken drücken, langsam über Legosteine laufen wie ein Fakir, ein Stück Knoblauch/Zwiebel essen…

Eurer Kreativität um eurem Geist einen Frontalangriff auf die 12 zu verpassen sind keine Grenzen gesetzt, der erste Skill muss zwiebeln. Alles davon ist tierisch unangenehm, vieles davon sind Schmerzreize, aber was hättet ihr denn gedacht wie man Lava stoppt? Je nach Zustand solltet ihr euch 1-2 Skills überlegen, die ihr auch spontan einsetzen könnt – auch wenn Kinder da sind und euch nicht viel Zeit bleibt.

Phase 2, Skills gegen Dampf aus Ohren

Okay, wenn das geschafft wurde seid ihr noch nicht cool und dampft noch gewaltig. Kein Spaß, aber damit kann man arbeiten. Der Kopf sollte jetzt wieder einigermaßen funktionieren, und man ist halbwegs am Boden. Der Schweißausbruch ist vorbei, die Hände zittern nicht mehr, vielleicht laufen nun Tränen weil die erste schlimmste Anspannung abfällt. Aber hören wir nun auf? Neeeiiin. Es folgen (2-5, je nach Schweregrad) Skills aus dem Mittelbereich. Die tun nicht mehr offensichtlich „weh“, sind aber noch Arbeit.

-> Wechseldusche, anstrengende Hausarbeit, von 100 in 7er Schritten rückwärts zählen, ein Durchgang Stadt Land Fluss, einige Zeit am Zauberwürfel, Sudoku, mit der nicht-Schreibhand einen Text abschreiben, eine Strophe Gedicht auswendig lernen, Hampelmann springen, auf kleinen Murmeln balancieren, Vitaminbrausetablette im Mund zergehen lassen, scharfes Bonbon lutschen (Menthol!), gezielt Muskeln anspannen und wieder loslassen

Oft wird die Zeit nicht für viel reichen, aber man findet schnell raus wie viel es braucht. Wichtig ist für Mamas, dass man sich auch vorab überlegt wie man die Rasselbande in der Zeit beschäftigt. Ich rate ganz unpädagogisch aber dafür therapeutisch umso wertvoller sehr dazu, sie für 30 Minuten vorm TV zu parken und sein Selbsthilfe Programm zu absolvieren. Für Babymamas ist das natürlich nicht möglich (wobei, auch da gibts so blinkeblinke Dinger im TV die die Kids schrecklich paralysieren für ne Zeit, aber in der Not trinkt der Teufel Weihwasser, ne?) und man muss schauen wie viel Zeit man sich verschaffen kann und welche Skills schnell und effizient sind.

Phase 3, Cooldown

Zum Abschluss, wenn nix mehr dampft, wird vorsorglich noch ein wenig gekühlt. Jetzt kommen endlich die angenehmen Skills, solche die ernsthaft Spaß machen. Damit soll man wieder sicher am Boden landen und möglichst dafür sorgen dass man nicht beim nächsten Anlass gleich wieder hochgeht – immer Achtung auf Glutreste!

-> Kaffeetrinken (jaaaa! endlich!!), Spazierengehen, Tanzen, laut Lieblingsmusik hören, Lesen, sich hübsch machen/schminken/Lieblingsparfum auflegen, sich selbst umarmen oder von anderen umarmen lassen (notfalls das wehrlose Baby knuddeln, höhö), mit dem Haustier spielen, Witze lesen, Lieblingsfotos ansehen, etwas dekorieren, etc.

Ablauf und Vorbereitung

Wichtig nach Erstellung einer Liste bevor man nun zur ersten Anwendung geht ist noch Folgendens: der erste Schritt ist erstmal die „Zäsur“, das Stoppsignal. Der fette Stöpsel in die Ohren wenn Lava fließt. Man kann das auf unterschiedliche Weise einüben, je nachdem was für ein Typ man ist. Man kann zum Beispiel zu sich selbst laut und energisch „STOPP!!!“ rufen, oder man kann sich ein Bild visualisieren (nur wenn häufig vorher vorgestellt), von einem blinkenden Stopschild oder einem Polizisten mit erhobenem Schild, oder einer vor der Nase zuknallenden Stahltüre. Manche machen gute Erfahrungen mit bestimmten Gesten, beispielsweise beide Handflächen nach vorne zeigen, klatschen, oder wenn wir grade bei Geräuschen sind, pfeifen. Auf jeden Fall braucht es für den Einstieg ein gut mit sich selbst verabredetes Signal.

Beispiel 1: Skillskette für Mama von älteren kleinen (haha!) Kindern
  1. laut STOP rufen
  2. (wüste Beschimpfungen) in ein Kissen schreien
  3. auf Legosteinen balancieren (es liegen garantiert welche rum, oder?)
  4. 10 Strecksprünge
  5. Kids vor TV parken und Wechseldusche
  6. von 100 in 7er runterzählen
  7. ein Durchgang Stadt Land Fluss mit dem erstbesten Buchstaben der beim Umsehen ins Auge springt
  8. mit den Kids lustige Tierbabyvideos auf Youtube gucken und zusammen lachen
  9. zum Lieblingssong zusammen abtanzen
  10. Kaffee für dich/Kakao für alle

Bedenkt dabei, die Kids wenn möglich mit einzubeziehen. Auch die haben gerafft dass es euch grade richtig dreckig ging, und es macht durchaus Sinn das völlig transparent zu machen. „Mir gings grade überhaupt nicht gut und ich musste richtig dran arbeiten dass ich mich wieder beruhigen konnte. Wisst ihr, dabei könnt ihr mir sogar helfen, ich zeig euch mal wie ich das jetzt mache,…“ Das hat viele nützliche Effekte: ihr weckt in den Kleinsten Verständnis für die Situation und für euch, eure Anspannung ist kein bedrohlicher „must not be namend“ Zustand mehr, sondern hat ein Label bekommen, sie wissen nun konkret was los war. Und wer wenn nicht ein kleines Kind hat Verständnis für Austicker, hm? Gleichzeitig seid ihr damit ein Vorbild wie man mit heftigen Gefühlen umgeht, ihr könnt ja auch von den Zwergen nicht was verlangen was ihr nicht selbst tun würdet/könntet, werdet also mega glaubwürdig. Nicht zuletzt fühlen sich die Kids auch tatsächlich hilfreich, und gibt es auf der Welt ein geileres Gefühl als für einen geliebten Menschen von Wert und Nutzen zu sein? Außerdem – Kakao für alle ist immer ne gute Sache.

Beispiel 2: Skillskette für Mama von einem Baby

Okay, das ist wirklich tricky. In der Babyzeit gerät man oft in Anspannungszustände, und ich greife mir jetzt ein Extrembeispiel: was könnte jemand tun, der unmittelbar davor ist sein Baby zu schütteln?
Huch!? Okay, die empörte geistige Schnappatmung die dieser Gedanke glücklicherweise instinktiv hervorruft, absolviert, möchte ich Folgendes klarstellen: trotz aller nötiger und toller Aufklärung warum das katastrophale Folgen für ein Baby hat, und obwohl kein Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten auf die Idee käme etwas so Furchtbares zu tun, bleibt eines Fakt: es passiert. Es passiert übrigens nicht von Menschen die sich vorab überlegen „och, so ein bissle schütteln, das stell ich mir ganz sinnvoll vor, ja!“. Es passiert von Menschen die es vorher und nachher aufs Schärfste verurteilen, sich wahrscheinlich lebenslänglich dafür hassen, und… es dennoch vielleicht wieder tun. Denn so viel ist sicher: niemand tut das wenn er noch zurechnungsfähig ist, das ist ein Zeichen für absoluten Kontrollverlust. Und damit ein solches Tabu, dass ihr außer „legt das Kind weg und verlasst sofort den Raum“ kaum wo lesen werdet was ihr tun könnt um den Drang in den Griff zu bekommen. Und hier sind wir beim Thema Skillskette.

  1. Kind sicher ablegen und ihm mit ausgestreckten Armen die Handflächen zeigen, mit Geste Abstand schaffen
  2. ein schweres dickes Kissen so fest schütteln wie nur möglich (alternativ geschlossenen Sack Kartoffeln oÄ)
  3. in einen anderen gut belüftbaren Raum wechseln, eine Ampulle Ammoniak in Tuch zerbrechen und kurz unter der Nase wedeln, wiederholen so lange aushaltbar; Ampulle in Tüte und verknoten! Raum lüften!!
    [Bitte unbedingt beachten: Ammoniak ist eine Chemikalie und kein Spielzeug, äußerste Vorsicht beim Umgang; eventuell sind die räumlichen Bedingungen bei euch zuhause nicht gegeben oder euch ist das ein zu heißes Eisen – dann lasst es lieber und nehmt einen anderen heftigen, intensiven Geruchsreiz oder einen krassen Geschmackreiz wie zB frische Chilischote essen.]
  4. so viele Hampelmänner am Stück springen wie nötig, alternativ Luftboxen bis die Arme brennen
  5. Brausetablette im Mund zergehen lassen
  6. „Wechseldusche“ für Hände und Unterarme, warm-kalt-warm-kalt-warm
  7. 10 mal fest Fäuste machen und völlig Spannung rauslassen
  8. zum vermutlich noch weinenden Baby gehen und es sanft umarmen, „Danke dass du so viel Geduld mit mir hast“ zuflüstern und reinfühlen
  9. Schreiendes Bündel in die Trage oder den Kinderwagen packen und spazieren gehen, direkt die Ammoniktüte in die Restmülltonne entsorgen
  10. aller Peinlichkeit trotzen und dabei singen

Wichtig bei dieser exemplarischen Liste war mir, dass alles sehr schnell geht. Man kann nicht mal eben eine halbe Stunde verschwinden wenn das Baby brüllt, das lässt die Belastung gleich nochmal schlimmer werden. Deswegen hab ich hier echt heftige Skills gewählt, die in Sekunden absolviert sind. Bitte beachtet einen sicheren Umgang mit Amonik Ampullen in Haushalten in denen ein Baby lebt.
Sollte euch so eine Anleitung nicht helfen und/oder das Problem schlimmer werden, erklärt es sich von selbst dass ihr einen Live-Experten benötigt, eine pupsige Liste im Internet wird dem Leidensdruck dann nicht gerecht. Bitte niemals zögern rechtzeitig um Hilfe zu bitten, ich kann nur Familienberatungsstellen wärmstens als erste Anlaufstelle empfehlen!

Und sonst so?

Das Thema ist so „groß“, dass ich mir fast sicher bin noch etwas vergessen zu haben. Ich spare mir hier den Platz für ein Nachwort. Vielleicht fallen euch aber auch gleich direkt Fragen ein, oder ihr findet logische Lücken, dann kann ich die hier Q&A mäßig schließen. Also, schießt nur mal los!

Ansonsten hoffe ich dass ihr das alles eh nie braucht und es euch eigentlich ziemlich gelangweilt hat es zu lesen.. 😉 Küsschen!

Auf bald!

Baby · emotions · Schwangerschaft

Hey Baby!

In dieser Schwangerschaft hat es irgendwie sehr lange gedauert, bis ich so einen ersten Bezug zu meinem Kind aufbauen konnte. Natürlich habe ich mich riesig gefreut schwanger zu sein, keine Frage! Aber ich habe mir die Schwangerschaft nicht so recht „geglaubt“.

Regenbogenbaby

Vielleicht liegt das doch an dem Verlust der letzten Schwangerschaft. Es war niemals eine Anlage für ein Baby zu erkennen gewesen, und insofern war dieses niederschmetternde Gefühl eher die furchtbare Enttäuschung als die Trauer um ein Kind, aber irgendwie hat mich das viel mehr aus der Bahn geworfen als meine erste Fehlgeburt. Vielleicht habe ich „zu lange“ gewartet um wieder schwanger zu werden und dem Schrecken zu viel Raum und Zeit gegeben, vielleicht liegt es auch daran dass mich mein Körper so gräßlich im Stich gelassen hat, also zumindest für mein Gefühl.

Wie auch immer, dieses Kind, mein Regenbogenbaby (so nennt man gelegentlich Kinder, die nach einer Fehlgeburt erwartet werden – nach Regen kommt Sonne, und das ergibt ein… <-) wurde sehnlichst gewünscht, aber mein Herz konnte ich noch nicht reinhängen. Da war zu viel Angst, Vorsicht und Zurückhaltung, obwohl ich eigentlich nie ein schlechtes Gefühl hatte. Aber so richtig darauf einlassen konnte ich mich doch nicht.

Hey Baby!

Der Knoten platzte irgendwann so gegen Ender der 19., Anfang 20. Woche. Zwar hatte ich mein Babylein schon sehr viel früher gespürt, aber die Bewegungen werden nun doch etwas „konkreter“, und was das Beste ist: ich kann mein HeyBaby-Spiel mit ihm spielen. Das geht eigentlich sehr simpel. Ich warte bis es irgedwo strampelt, stupfe dann dort in den Bauch und rufe ihm „Hey Baby!“ zu. Sehr oft ergibt sich dan nein rhythmisches Zurückstupsen, das eine ganze Weile so geht. Ich habe den Eindruck, dass Baby das irgendwie „mag“, denn wenn ich gezielt einige Zeit nicht mehr reagiere kommen richtig wilde Strampler in die Richtung, so als würde es eine Reaktion einfordern. Ich finde das so unglaublich zauberhaft, dass ich mich regelmäßig konzentrieren muss nicht feuchte Augen zu bekommen.

Außerdem spiele ich dem Baby fast jeden Abend nun seine Spieluhr vor. Ich habe mich schon länger nach einer umgesehen, kann aber viele tpyische Melodien nicht so wirklich leiden. Vor einiger Zeit wurde ich dann beim dm fündig, und ich LIEBE sie! Sie sieht genau so aus wie ich sie wollte, nämlich dezent und mit mint, und sie spielt „Guter Mond“. Herrlich.

Jedenfalls habe ich gelesen, dass nun die Nervenzellen im Gehirn des Babys ausreichend mit Myelin beschichtet sind, um ein Gedächtnis zu entwickeln. Ist das nicht einfach unglaublich? Mein Baby ist noch nicht mal auf der Welt und hat ab jetzt eine „Zeitschiene“, eine Erinnerung an die Vergangenheit. Natürlich nicht so wie man das so von sich kennt, aber Gedächtnis funktioniert nicht ohne Vergangenheit. Das ist so irre, dieses winzige kleine Minimenschlein!? Jedenfalls nutze ich das, und spiele ihm seine Spieluhr vor. Hoffentlich kann es sich dran erinnern wenn es geschlüpft ist.

Verlieben

Dieses Bewusstwerden des Menschenlebens in mir, das Wissen dass da mein Kind in mir wächst, und dass es auf die Welt kommen und zu unserer Familie gehören wird, das ist genau der Zeitpunkt an dem ich mich anfange zu verlieben. Beim Großen kam das sehr spät, beim Kleinen sehr früh, und nun so mittig, aber dafür mit einer Wucht mit der ich nicht gerechnet hätte. Ich war ein wenig enttäuscht dass es eben nicht früher passiert ist, dieses Verliebtheitsgefühl zu diesem Wesen, aber habe mich damit getröstet dass ich mich auch generell eben nicht so einfach auf die Schwangerschaft einstellen konnte. Und nun, ganz plötzlich, setzt es also ein. Ich sitze fasziniert und sprachlos da, und spüre dieses Kind, und stelle mir vor wie es ist, es in meinen Armen halten zu dürfen. Wie es neben mir im Bett liegen würde, wie ich es stille, es wickle, ihm vorsinge. Wie ich es mit seinen großen Brüdern bekannt mache, und oh, allein bei dem Gedanken könnte ich losheulen. Ich bin grade so voller Vorfreude und Lust auf dieses Kind dass ich gar nicht weiß wohin mit diesen heftigen Gefühlen. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich April wird, und ich dieses Wunder richtig kennen lernen darf. Mein Kind…

Auf bald!

emotions · Geburtstag

Der schlimmste Kindergeburtstag ever

Ich glaube ich habe das schon beim Bericht zum 5. Geburtstag vom Rumpelstilzchen erwähnt, aber es hängt doch noch nach, und ich muss das nochmal irgendwo wegtippen.

Das Thema des Geburtstags war „Drachenzähmen/Dragons“. Entsprechend war alles vorbereitet und dekoriert.

Vorneweg muss ich aber sagen: nein, der Kindergeburtstag war nicht schlimm. Ich meine, man rechnet natürlich nicht mit entspannter stressfreier Zeit wenn man die eigenen Kinder plus 5 andere 5jährige daheim erwartet, alle vollgedröhnt von Geburtstagskuchenzucker und im Geschenke-Rausch. Man erwartet auch Streitereien, Gezanke um Spielzeug, und einer heult immer.

Praktisch ist nichts davon passiert. 4 von 5 eingeladenen Kindern kamen, brachten so tolle Geschenke dass Rumpel nonstop ausgeflippt ist vor Freude, spielten recht friedlich mit Spielzeugen und waren ganz knuffig zu beobachten. Nach dem Kuchenessen gings raus in den Hof, wo wir ein paar Spiele vorbereitet hatten. Ich war ja so glücklich dass es grade ein paar Stunden nicht regnete und wir nach draußen konnten, denn so ein Geburtstag Ende Oktober ist was das betrifft mal echt kacke.

Nunja, zunächst spielten wir „Wikingerrennen“, dazu versteckten wir ein Wurfschaf, und ein Kind bekam einen „Drachen“ zum Reiten (so ein Steckenpferd von Ikea). Damit musste dann herumgeflogen und gesucht werden, mit dem Schaf zurück zu einer Box und das Schaf dann da rein werfen.
Danach hatten wir einen Klassiker abgewandelt: ihr kennt das Spiel wo man dem Gegner einen ums Fussgelenk gebundenen Luftballon zertreten muss? Bei uns waren das gefährliche Dracheneier, die zerstört werden mussten, und wobei mein seinen Kollegen helfen musste.
Zuletzt musst noch ein wertvolles goldenes Ei zurück ins Nest getragen werden (Eierlauf mit Löffel und so). Das Ei war dann eben aus Schoko und durfte im Anschluss verzehrt werden.

Was soll denn schon ….

Danach wollten ein paar Kids noch ein wenig Fussball spielen, die meisten haben aber beschlossen wieder ins Haus zu wollen, und so gaben auch die beiden letzten nach. Einer kickte noch den Ball weg und lief dann hinterher. Und dann geschah…. es.

Bei uns im Hof steht so ein Pflanzkübel. Drin ist eigentlich nix, die Jungs sammeln da immer ihre „Schätze“, Stöcke und so. Dieses Ding steht halt da rum und hat Kanten und Ecken. Joa.

Besagtes Kind läuft also gradeaus, stolpert (ich vermute er ist an einer Steinkante hängen geblieben oder so), fällt, und.. kracht mit der Stirn an die Spitze des Holzdings. 2 Erwachsene standen zwar unmittelbar daneben, aber fang mal ein hinfallendes Kind. Wir bekommen also erstmal alle einen Schreck, das Kind weint, hält sich das Auge, und wir verenden ein wenig.

Natürlich haben wir ihn gleich getröstet, und wollten uns ein Bild vom Unfall machen. Am Weg zum Kind ging ich im Kopf schon mal in Windeseile durch: wo sind die Coolpacks, die Tücher für um die Coolpacks, brauchen wir wohl Pflaster, sollte ich ein fremdes Kind desinfizieren oder erst die Mama anrufen und…

… bumms. Das Kind macht die Hand beiseite und wir sehen ein dickes fettes Loch in der Stirnhaut.

Ich schwöre, ich weiß nicht mehr was die drohende Panikattacke abgehalten hat, in dem Moment wollte ich einfach wirklich nur noch sterben. Das ist so ein entsetzlich widerwärtiges Gefühl. Nach dem ersten entsetzlichen Schrecken „oh Gott das arme Kind hat echt eine üble Verletzung“, „Notruf ja nein??“ und „scheiße das ist nicht mein Kind wie soll ich es trösten“ bis „ich muss die Mama anrufen“ war mir sämtliches Blut aus dem Kopf gewichen und ich hätte mich am Liebsten heulend in Emryonalstellung in die Ecke gelegt.

Naja, geht halt nicht. Zuerst haben wir ein Taschentuch unter die Wunde gehalten, die aus irgendeinem verrückten Grund gar nicht mal SO arg blutete (dafür konnte man schön tief reinschauen, danke auch), mein Mann nahm den Kleinen auf den Schoß, meine Cousine schleuste die anderen Kinder nach drinnen und ins Wohnzimmer, ich organisierte sterile Binden und ein Coolpack und lief wieder nach draußen. Nach einem kurzen Check aufs Kind (okay, er kann gut stehen, Blut strömt nicht, er hat selbst keine Panik, kein Rettungswagen nötig) rief ich die Mama an, und bemühte mich, mir irgendwie meine eigene Panik nicht anmerken zu lassen und ihr trotzdem zu vermitteln dass sie sofort kommen soll. Ich glaube ich sagte irgendwas wie „dein Kleiner hat sich leider übel angeschlagen und er braucht dich hier dringend“.

Sie war dann auch schnell da, guckte beim Reingehen zwar besorgt aber noch gefasst, was sich schnell änderte als mein Mann die Binde beiseite nahm und sie die Verletzung sah. Im Nachhinein hat sie mir dann erzählt dass sie absolut kein Blut sehen kann. Uns war auch schnell klar dass sie definitiv nicht alleine mit dem Kind zum Arzt fahren kann, und wir setzten beide in unser Auto wo mein Mann sie in die Notaufnahme im nächsten KH brachte. Unnötig zu erwähnen dass dieser Tag Brückentag war und keiner der Kinderärzte der Umgebung in der Praxis, ne?

Drinnen sollte dann natürlich irgendwie weiter Geburtstag gefeiert werden, obwohl das wirklich das Letzte war wonach mir war. Es gab dann eine Reihe Bücher lesen und Stille Post spielen, ich war einfach so zittrig und fertig dass ich es nicht ausgehalten hätte wenn ein Kind noch irgendwo wild rumgeflitzt wäre. Ich bin den Kleinen soo dankbar, dass sie auch das freudig mitgemacht haben und die Party nicht durchgegähnt wurde.

Game over?

Zwischendrin hörte ich von meinem Mann, dass es dem Unglückskind recht okay ging, im Auto hätte er Sam gehört und sich dann ein wenig beruhigt, er musste nur weinen weil er Sorge hatte nicht mehr zum Geburstag zu dürfen (wtf!??). Er wurde dann ohne Wartezeit im KH genäht, und danach durfte er (MIT MAMA natürlich) wieder zu uns und konnte die Feier noch mit gemeinsamen Pizzaessen beenden.

Ich glaube ich bin mir sicher dass ich noch niemals ein so entsetzlich schlechtes Gewissen hatte, und am Liebsten im Erdboden versunken wäre. Die Mama vom Kind nahm es unfassbar cool, machte uns keine Vorwürfe und war nachdem der erste Schrecken abgeklungen war auch wieder entspannt (entspannter als ich alle mal) und zu Scherzen aufgelegt. Das Kind selbst war super drauf. (again, wtf?!?)

Ein paar Tage danach (ich erkundigte mich gefühlt nonstop wie es dem Kleinen ging, bin mir sicher sie tierisch genervt zu haben, aber fühlte mich immer noch wie Cersei mit der Nonne und der Glocke) meinte sie, dass sich der kleine Pechvogel freuen würde wenn er nochmal zu Besuch kommen dürfe, er hat so viel verpasst (sagte ich schon wtf?). Ich bin natürlich froh, dass er sich noch hertraut, und noch froher dass sich seine Mama das traut, aber… ich hatte ja sowas von Schiss vor diesem Treffen. Echt und ehrlich.

Es war gestern. Ich hab die Kids genervt indem ich ihnen nicht von der Pelle gerückt bin, aber sehr zu meinem Nervenwohl verlief alles super und zwischenfallsfrei. Es wurde viel Feuerwehrmann Sam gespielt und im Anschluss wollte der Gast auf Teufel komm raus nicht nach Hause gehen. Es war doch sehr… heilsam, möchte ich sagen. Ich hoffe ich habe künftig keine Angst mehr, wenn Kinder hier zu Besuch sind.

Für die Zukunft sind meine Erwartungen an Kindergeburtstage jedenfalls sehr niedrig. Solang keiner blutet ist alles spitze. Und wer weiß, vielleicht finden sies in 10 Jahren ja cool wenn man sagen kann „der Rumpel, der feiert Partys he, da is man schon mit 5 in der Notaufnahme gelandet!“

Und, eure schlimmste Kindergeburtstag-Erfahrung? Bitte sagt mir dass ich nicht die Einzige bin die desaströse Partys gibt! :-/

Auf bald!

emotions · Familie

Mach’s gut, Tibo

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, weil mir ein mächtiger Kloß den Hals zuschnürt, und ich noch gar nicht einsehen will dass es nun wirklich und endgültig so ist. Aber ich fange am Besten am Anfang an.

Obwohl meine damals schon sehr alte Katze von Österreich in unsere erste gemeinsam Wohnung in Deutschland übersiedelt war, wollten wir noch eine dazu haben. Sie war zwar nicht mehr so fit, aber ganz allein in einer Wohnung war sies auch nicht gewohnt, und so zog im Sommer 2009 ein süßer kleiner frecher Fratz bei uns ein. Wir haben ihn augenblicklich ins Herz geschlossen, und er uns auch. Anfangs wollte er praktisch immer auf oder bei uns schlafen. Wie so ein Baby halt!

Ein paar Wochen später durfte auch noch seine etwas jüngere Halbschwester zu uns, und wir nannten sie Cayleigh. Die beiden waren ein Herz und eine Seele, unzertrennlich. Es tut so weh, sich das vor Augen zu führen, aber so ist es. Es gab sie immer nur im Doppelpack.

Tibo, der bald den Spitznamen Biepie hatte, weil er (zu seiner sonstigen Größe+Statur komplett unpassend, da 7kg schwer und riesig, Norweger halt) albern hohe Piepstöne von sich gab wenn er mit uns „sprach“, war der mit Abstand liebste Kater den ich je getroffen habe. So ein ganz typischer sanfter Riese. Er hatte eine Wahnsinnsgeduld, ließ alles über sich ergehen (von Kämmen über Medikamente und sonstige Behandlungen und jeden Unsinn den die Kinder sich für ihn einfallen ließen) und hat glaube ich sein gesamtes Leben kein einziges Mal gefaucht oder gar geknurrt. Krallen kamen nur zum Einsatz, wenn er sich heimlich zu einem auf den Schoß hochziehen wollte. Er liebte uns inbrünstig mit ganzer Katzenseele, da bin ich mir absolut sicher. Vor allem die Kinder waren ihm so nah, er kam jeden Tag sofort angelaufen wenn die Zimmertür aufging und ließ sie kaum anziehen weil er so aufdringlich Schmuseeinheiten einforderte. Sobald der Pyjama ausgezogen war kuschelte er sich auf den bis er endlich wieder gestreichelt wurde.

Vor einigen Wochen hatt er dann sehr sehr plötzlich stark abgenommen, und war innerhalb von etwa 2 Wochen schlimm runtergemagert. An einem Wochenende war er dann ganz apathisch und schwach, sodass wir gleich zum Tierarzt gefahren sind, wo es zuerst mal eine Ladung Antibiotikum gab, der Blutbefund aber ergab dass er Diabetes hatte. Wir sollten die richtige Dosis Insulin, die er benötigen würde, von unten rantasten und begannen ihm 2x täglich 3ml zu spritzen. Obwohl das sehr wenig war ging es ihm schnell merkbar besser, sodass er viel fitter wurde und auch wieder zunahm. Er kam uns wieder begrüßen wenn wir nach Hause kamen, holte sich seine Streicheleinheiten, freute sich auf frisches Futter und lag völlig entspannt in seiner Lieblingspose rum.

Gestern war nichts besonders. Er war etwas müde und schlurfig, bilde ich mich im Nachhinein ein, aber definitiv nichts Alarmierendes so wie es vor einigen Wochen gewesen war. Abends, als die Kinder im Bett waren ging ich auf die Terrasse, er kam mit. Nicht ganz eine Stunde später ließ ich den Blick über den Garten schweifen, und mein Herz stolperte kurz als ich ihn entdeckte, eigentlich wusste ich es sofort. Dabei lag er nur wie fast jeden Tag auf der Wiese. Ich bin sofort losgelaufen, habe ihn gerufen, aber keine Reaktion mehr erhalten. Als ich endlich bei ihm war und ihn zu mir zog, war er ganz warm und weich. Seine Augen waren noch nicht geschlossen, aber ich konnte keine Atmung oder Reaktion mehr feststellen. Ich muss ihn wohl genau in dem Moment gefunden haben, als er starb.

Ich lief sofort mit ihm am Arm nach drin zu meinem Mann, der dann noch meinte er hätte eine kurze Bewegung gesehen, auch wenn ich mir schon sicher war, dass er gestorben war. Wir haben dennoch bei unserem Arzt angerufen, der uns noch so schnell wir könnten in der Praxis erwarten würde. Eigentlich war es dumm, noch zu hoffen, aber gefahren bin ich trotzdem. Und sei es nur um später nicht denken zu müssen „vielleicht hätte es doch noch geholfen“. Tatsächlich konnte der Arzt nur bestätigen, was ich ohnehin schon wusste. Ich war mir sicher, dass seine Diabeteserkrankung wohl der Grund war, aber nach einer Untersuchung meinte er, dass es sehr auffällig wäre dass der Kater komplett weißes Zahnfleisch und Gaumen hätte, der Bauch sich schwammig aufgedunsen anfühlen würde, obwohl er eben erst gestorben war. Er ist sich sicher, dass er innere Blutungen hatte, am Wahrscheinlichsten wäre natürlich ein Autounfall, aber da weder äußerlich etwas zu erkennen war noch die Umstände davor dazu passen wollte, werden wir wohl nie eine eindeutige Antwort bekommen.

Aber eines weiß ich sicher, und damit werde ich mich nun zu trösten versuchen: er ist friedlich gestorben. Er war definitiv nicht nervös, das wäre mir aufgefallen. Er „kam“ auch sonst immer wenn er krank war zu uns, und es war deutlich zu erkennen wenn es ihm nicht gut ging. Sogar wenn er Blähungen hatte und gleich am Katzenklo verschwand kam er immer zu uns und schrie uns vorwurfsvoll an! Er war an dem Abend ganz entspannt mit mir nach draußen gegangen, hatte sich nicht verkrochen, mich nicht auf ihn aufmerksam gemacht, war eindeutig nicht nervös. Er muss wohl auf die Wiese gegangen sein und sich hingelegt haben, wie er es so oft tat. Das letzte was er also mitbekam waren das weiche warme Sommergras, Moosduft und die untergehende Sonne.

Vorwürfe habe ich mir dennoch gemacht. Wenn er Stunden davor irgendwie verletzt worden wäre, hätte ich das doch irgendwie merken müssen! Hätte ich nur achtsamer auf ihn geschaut als er mit mir rausging, das kann doch nicht sein dass man ihm eine Stunde vor seinem Tod nicht angesehen hat dass etwas nicht stimmt! Den besten Trost konnte da meine Herzfreundin spenden: selbst wenn ich es gemerkt hätte, wäre es vermutlich nicht anders ausgegangen. Ich hätte ihn auch dann erstmal vielleicht eine gute Viertelstunde beobachtet, dann hätte ich vielleicht den Arzt angerufen, wäre 15min mit ihm gefahren, und seine letzte halbe Stunde hätte er mit Angst beim Arzt verbracht. Dort hätte er höchstens Schmerzmittel bekommen oder wäre direkt eingeschläfert worden, oder hätte dort bleiben müssen für eine OP am nächsten Morgen, die er eh nicht mehr erlebt hätte. Nein … es ist dann wohl besser, dass er da einschlafen durfte, wo er sich immer so wohl fühlte.

Den Kindern mussten wir natürlich auch erzählen, was passiert war, und davor hatte ich richtig Angst. Der Große versetzte mir mit seinem „ich hab schon alle vermisst, euch und Tibo und Cayleigh“ gleich einen mächtigen Stich. Steinböckchen verstand nicht so recht, was das nun bedeutete, fragte immer wieder „und wenn Tibo dann nicht mehr tot ist?“, aber Rumpel weinte sofort laut und bitterlich los und schluchzte unaufhörlich „aber ich hab ihn doch so lieb, ich will ihn streicheln, ich vermisse ihn so“, und so weinten wir zusammen. Dank König der Löwen konnte ich so ein paar Zitate wiedergeben, dass Tibo uns von den Sternen aus beobachten kann, dass er immer in unseren Herzen sein wird und so weiter. Dem Kleinen reichte das, für den Großen war dieses Erlebnis ein richtiger Schock, und als Grübler, der er nun mal ist, stellte er sofort viele Fragen wie alt Tibo denn war, und wie alt Mama und Papa seien, und dass wir niemals Uroma und Uropa werden dürften damit wir nicht alt werden und sterben. Er kam natürlich auch bald auf den Gedanken, ob man denn nicht auch sterben könnte wenn man noch nicht alt sei, und es brauchte viel und lange bis ich den Eindruck hatte, dass er beruhigt war, einigermaßen eben.

Abends gestalteten wir zusammen den Grabstein. Ich hatte Tibo schon gleich morgens begraben, ohne die Kinder, wollte sie aber irgendwie mit einbeziehen und fand es für den Trauerprozess wichtig sich irgendwie rituell zu verabschieden. Zusammen malten wir also abends dieses Bild auf:

Man sieht hier Tibo (gelb, unten) auf der Wiese liegen, rechts davon unser Haus. Nach der ersten Sonne fragte Rumpel besorgt, ob Tibo die denn sehen könne, schließlich hat er ja nun die Augen zu… „Dann mal ich noch eine, wenn es zwei sind sieht er sie bestimmt!“

 

Ach mein geliebter Biepie, einen wundervolleren Kater hätte ich mir als Fellfreund für meine Kinder nicht wünschen können. Ich bin dir so dankbar für all das, was sie mit dir lernen durfte: Tiere zu lieben und von ihnen geliebt zu werden, zärtlich und achtsam mit ihnen zu sein, andere zu beschützen und für sie zu sorgen, und letztlich… um sie zu trauern. Ich bin so glücklich über die gemeinsame Zeit, die wir mit dir verbringen durften. Wir werden dich niemals vergessen, Knuffelbär.

Auf bald,
Hummelchen

 

emotions · Schwangerschaft

But the Tigers Come at Night

Es ist nun schon fast eine Woche, dass ich nicht mehr schwanger bin. Es fällt mir einerseits schwer überhaupt zu sagen, ich wäre schwanger gewesen, denn eigentlich war da nie ein Baby. Mein Körper aber zumindest war äußerst schwanger, mit allem was so dazu gehört. Seit Montag also ist auch das vorbei.

Ich wusste es schon seit der ersten Ultraschalluntersuchung bei 6+3, wo man zwar eine Fruchthöhle, aber leider nichts anderes erkennen konnte. Ich habe versucht noch ein wenig Resthoffnung zu behalten, aber auch die Woche drauf hat sich an der Diagnose nichts geändert. Der hCG Spiegel schoß weiter in die Höhe, und nach noch einer Woche abwarten riet mein Arzt dringend zu einer Ausschabung, da er nicht ausschließen könne dass das Gewebe (der babylose Trophoblast) wuchere und das … wäre dann nicht so schön.

Nachdem der eigentliche Albtraum ja schon der Verlust des Versprechens auf ein Junibaby war, wollte ich mir eigentlich wenigstens das gerne ersparen, aber auch das sollte nicht klappen und so musste ich aller Angst zum Trotz ins Krankenhaus.

Im Nachhinein kann ich wenigstens sagen, meine Ängste vor der OP waren glücklicherweise nicht berechtigt, und alles lief komplikationslos. Auch danach hatte ich keinerlei Beschwerden, nicht mal etwas das den Namen „Blutung“ verdient hätte. Eine Draufgabe zu diesem ohnehin gräßlichem biographischem Marker war die Anästhesistin, die mir, als ich also festgeschnallt am OP Tisch zur Vorbereitung lag, schluchzend und mit einem Blutdruck der mit 217/150 das Gerät hysterisch werden ließ, noch unbedingt drücken musste, dass ich mit dem Übergewicht ja selber schuld sei an der Fehlgeburt. Ich solle mich mal lieber darum kümmern als ums Schwangerwerden.

Danach ging es mir schnell wieder „gut“, und ich konnte schon mittags wieder heim. Dort quälten mich dann tyische „Beschwerden“, die ich sonst nur von nach Geburten kenne. Hitzewallungen im Gesicht, tausende Pickel, Rückenverspannungen, aber da war auch der Besuch der Hebamme.. Nur kein Schlafmangel, keine winzigen stinkenden Windeln, keine kleine Seele. Alles völlig falsch.

Es wäre zu perfekt gewesen. Ich ahnte früh, dass ich so viel Glück in diesem scheiß Jahr nicht mehr haben werde.
Alles was mir also bleibt ist die Erinnerung an die Vorfreude auf dich, mein liebes Junibaby.

 

But the tigers come at night
With their voices soft as thunder
As they tear your hope apart
As they turn your dream to shame

 

Auf bald,
Hummelchen

 

emotions · Geschwister · Kindergarten · Rumpelstilzchen · Steinböckchen

Freundschaften

Das Rumpelstilzchen war ja immer schon unglaublich .. wie soll ich sagen? Sozial, extravertiert, an anderen sehr interessiert. Mich überrascht das in  positiver Weise, weil er da so ganz anders ist als ich und ich nicht zu hoffen gewagt habe dass mein Kind das halt mal einfach nicht erbt. Ich war schon als kleines Kind extrem schüchtern und zurückgezogen, konnte im Kindergarten die Gesellschaft (mehrerer) Kinder kaum ertragen. Aber nicht so mein Rumpel, der am Liebsten dort ist wo viel Trubel und viele Menschen sind.

Das wirkt sich natürlich auch auf seine Freundschaften aus. Er findet unglaublich schnell Anschluss, quatscht jeden direkt an (auch Fremde auf der Straße, die werden regelrecht verhört was sie grade machen und wieso und wie sie heißen und wo sie wohnen und warum sie „so“ einen Hut aufhaben..) und kann sich auch meist schnell in Grüppchen einklinken, auch (oder grade wenn) die Kinder deutlich älter sind als er. Ich finde das ganz wunderbar!

So kam es dann dass seine ersten besten Freunde im Kindergarten Sechsjährige mit „Schulanfänger“ Status waren. Es ist wirklich erstaunlich welche Zuneigung da in beide Richtungen bestand, einmal waren wir vor Kurzem Einkaufen und die beiden lagen sich geschlagene 5 Minuten einfach nur in den Armen und waren nicht voneinander weg zu bewegen. Und nein, das war nicht nach Einschulung, sondern in einer ganz normalen Woche in der sie sich ohnehin täglich sahen. Entsprechend schlimm war es für Rumpel sie gehen zu lassen. Am Abend vorm neuen Kindergartenjahr lag er schluchzend im Bett. „Meine allerbesten Freunde sind weg und dann hab ich nur noch den Schlumpi [das ist Raupes Spitzname hier] und der darf dann beim Essen nie bei mir sein!“ Es hat mir richtig weh getan, ihn so zu sehen, aber ich weiß auch noch was: das waren nicht seine einzigen besten Freunde. Es waren bestimmt seine ersten, und sicher auch die ALLERbesten, aber es gibt noch andere dicke Freunde, sodass er sicher nicht verloren dastehen würde im neuen Jahr. Nachdem ich ihm versprochen habe, dass wir bestimmt mal ein Treffen mit den beiden ausmachen können war er etwas ruhiger.

Außerdem wissen wir mittlerweile, dass die Raupe in die selbe Gruppe kommen wird. Ich habe lange mit mir gehadert, Vor- und Nachteile abgewogen. Schließlich hat dann der organisatorische Aspekt das Rennen entschieden: nur die Rumpelgruppe hat gemischte Öffnungszeiten. Eine andere hat nur „normale“ (also bis 12Uhr und an 2 Tagen auch 2 Std. Nachmittags), die andere nur verlängerte (also von 7.15-13.45). Jetzt ist es halt nicht so, dass ich gut vorausplanen kann welche Zeiten in Zukunft die besten sind, da ich nach wie vor auf Suche nach Nachmittagsbetreuung bin. Und je nachdem wen wir für wie viele Stunden finden macht es Sinn, die Jungs schon um 12 abholen zu  lassen. (Es gibt da so „Stufen“ und bis 50Std pro Monat zahlt man den ersten Fixbetrag. Wär natürlich doof dann viel weniger Stunden zu buchen und trotzdem im Kindergarten nen höheren Betrag zu zahlen.) Da ich das alles aber halt noch nicht weiß brauch ich größtmögliche Planungsfreiheit, und einen Gruppenwechsel möchte ich den beiden ersparen.

Ich sehe aber schon, dass die Jungs recht unterschiedlich sind, ganz andere Bedürfnisse haben und es sicher schön wäre, wenn sie den Vormittag nicht auch aufeinander kleben müssten. Der Große stiehlt gern die Show, kann das Rampenlicht nicht gut teilen. Der Kleine ist aber ein süßer tapsiger Drops und sichert sich die Zuneigung auch wenn er gar nicht so viel dafür „tun“ muss. Ich kann mir schon vorstellen dass das viel Nährboden für Eifersüchteleien gibt. Andererseits sind sie wirklich so dicke miteinander, dass es mich oft erstaunt. Klar, sie streiten wie die Kesselflicker, wissen haargenau welchen Knopf sie beim anderen drücken müssen damit es komplett eskaliert, aber die meiste Zeit sind sie unzertrennlich, lieben sich innig und können nicht ohne den anderen. Auch im Kindergarten sind die Gruppen offen (nur die kleine von der Raupe nicht, er kann also nicht selber besuchen gehen), und meist klebt auch da Rumpelstilzchen nur an seinem Bruder und ist immer grummelig wenn er zu Programmpunkten wieder raus soll. Insofern ist es vielleicht gar keine schlechte Entscheidung. Außerdem kriegen wir dann nur die Virenkonzentration von einer Gruppe ab! (Haha.)

Aber so Freundschaften sind halt auch ein tolles Übungsfeld. Rumpel saugt das regelrecht in sich auf und ist sehr empfänglich für Erklärungen und Diskussionen. Er liebt soziale Belange, aber man merkt auch dass es ihn viel „kostet“, er steckt viel Energie und Überlegung da rein, und als grundsätzlich ängstlicher Typ entstehen da viele Zweifel. So erst kürzlich diese Unterhaltung.
„Ich hab mit dem Ivan einen groooßen Turm gebaut, der war toll! Und dann hat die Katrin den Turm vom Ivan kaputt gemacht, aber nicht absichtlich, die hat das nicht gewusst dass der Turm wem gehört. Und dann hat der Ivan gesagt ich soll den Turm von der Katrin kaputt machen, und dann hab ich den Turm auch umgeschubst. Weil die ja unseren Turm kaputt gemacht hat!“ – „Und wie hast du dich dabei gefühlt, als du den Turm kaputt gemacht hast? War das ein schönes Gefühl oder ein doofes?“ – „Eigentlich .. nicht so schön. Aber, aber.. der Ivan hat gesagt ich soll das machen!“ – „Naja, du könntest ja trotzdem entscheiden dass du das nicht machen willst, wenns dir eigentlich gar nicht gefällt.“ – „Aber der ist schon Schulanfänger!!“ – „Siehste, so ein Großer kann das bestimmt selber mit der Katrin ausmachen wenn er sich grad über sie ärgert.“ – „Ja.. also wenn ich mal Schulanfänger bin dann mach ich sowas nicht!“ – „Das hat ja jetzt nichts mit Schulanfänger zu tun, du kannst das auch jetzt schon so machen und üben.“ – „Hat das der Johann auch vorher immer geübt?“ – „Na ganz gestimmt. Und was könnte man nun machen statt Turm umschubsen?“ – „Ich will sagen: ‚Nein, Katrin, das darfst du nicht! Das ist mein Turm den sollst du nicht kaputt machen!‘ Gell Mama, und dann muss sie unseren Turm in Ruhe lassen!“

Solche Gespräche gibts grade viele, und ich sehe wie viele Gedanken er sich macht und wie er sich (oft) bemüht das dann auch umzusetzen. Bei der Raupe haben wir da noch ein bissel Weg vor uns. Der würde – sobald keiner hinguckt – Katrin irgendwas über die Rübe ziehen… -.-

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Auf bald,
Hummelchen

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