emotions · Familie

Mach’s gut, Tibo

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, weil mir ein mächtiger Kloß den Hals zuschnürt, und ich noch gar nicht einsehen will dass es nun wirklich und endgültig so ist. Aber ich fange am Besten am Anfang an.

Obwohl meine damals schon sehr alte Katze von Österreich in unsere erste gemeinsam Wohnung in Deutschland übersiedelt war, wollten wir noch eine dazu haben. Sie war zwar nicht mehr so fit, aber ganz allein in einer Wohnung war sies auch nicht gewohnt, und so zog im Sommer 2009 ein süßer kleiner frecher Fratz bei uns ein. Wir haben ihn augenblicklich ins Herz geschlossen, und er uns auch. Anfangs wollte er praktisch immer auf oder bei uns schlafen. Wie so ein Baby halt!

Ein paar Wochen später durfte auch noch seine etwas jüngere Halbschwester zu uns, und wir nannten sie Cayleigh. Die beiden waren ein Herz und eine Seele, unzertrennlich. Es tut so weh, sich das vor Augen zu führen, aber so ist es. Es gab sie immer nur im Doppelpack.

Tibo, der bald den Spitznamen Biepie hatte, weil er (zu seiner sonstigen Größe+Statur komplett unpassend, da 7kg schwer und riesig, Norweger halt) albern hohe Piepstöne von sich gab wenn er mit uns „sprach“, war der mit Abstand liebste Kater den ich je getroffen habe. So ein ganz typischer sanfter Riese. Er hatte eine Wahnsinnsgeduld, ließ alles über sich ergehen (von Kämmen über Medikamente und sonstige Behandlungen und jeden Unsinn den die Kinder sich für ihn einfallen ließen) und hat glaube ich sein gesamtes Leben kein einziges Mal gefaucht oder gar geknurrt. Krallen kamen nur zum Einsatz, wenn er sich heimlich zu einem auf den Schoß hochziehen wollte. Er liebte uns inbrünstig mit ganzer Katzenseele, da bin ich mir absolut sicher. Vor allem die Kinder waren ihm so nah, er kam jeden Tag sofort angelaufen wenn die Zimmertür aufging und ließ sie kaum anziehen weil er so aufdringlich Schmuseeinheiten einforderte. Sobald der Pyjama ausgezogen war kuschelte er sich auf den bis er endlich wieder gestreichelt wurde.

Vor einigen Wochen hatt er dann sehr sehr plötzlich stark abgenommen, und war innerhalb von etwa 2 Wochen schlimm runtergemagert. An einem Wochenende war er dann ganz apathisch und schwach, sodass wir gleich zum Tierarzt gefahren sind, wo es zuerst mal eine Ladung Antibiotikum gab, der Blutbefund aber ergab dass er Diabetes hatte. Wir sollten die richtige Dosis Insulin, die er benötigen würde, von unten rantasten und begannen ihm 2x täglich 3ml zu spritzen. Obwohl das sehr wenig war ging es ihm schnell merkbar besser, sodass er viel fitter wurde und auch wieder zunahm. Er kam uns wieder begrüßen wenn wir nach Hause kamen, holte sich seine Streicheleinheiten, freute sich auf frisches Futter und lag völlig entspannt in seiner Lieblingspose rum.

Gestern war nichts besonders. Er war etwas müde und schlurfig, bilde ich mich im Nachhinein ein, aber definitiv nichts Alarmierendes so wie es vor einigen Wochen gewesen war. Abends, als die Kinder im Bett waren ging ich auf die Terrasse, er kam mit. Nicht ganz eine Stunde später ließ ich den Blick über den Garten schweifen, und mein Herz stolperte kurz als ich ihn entdeckte, eigentlich wusste ich es sofort. Dabei lag er nur wie fast jeden Tag auf der Wiese. Ich bin sofort losgelaufen, habe ihn gerufen, aber keine Reaktion mehr erhalten. Als ich endlich bei ihm war und ihn zu mir zog, war er ganz warm und weich. Seine Augen waren noch nicht geschlossen, aber ich konnte keine Atmung oder Reaktion mehr feststellen. Ich muss ihn wohl genau in dem Moment gefunden haben, als er starb.

Ich lief sofort mit ihm am Arm nach drin zu meinem Mann, der dann noch meinte er hätte eine kurze Bewegung gesehen, auch wenn ich mir schon sicher war, dass er gestorben war. Wir haben dennoch bei unserem Arzt angerufen, der uns noch so schnell wir könnten in der Praxis erwarten würde. Eigentlich war es dumm, noch zu hoffen, aber gefahren bin ich trotzdem. Und sei es nur um später nicht denken zu müssen „vielleicht hätte es doch noch geholfen“. Tatsächlich konnte der Arzt nur bestätigen, was ich ohnehin schon wusste. Ich war mir sicher, dass seine Diabeteserkrankung wohl der Grund war, aber nach einer Untersuchung meinte er, dass es sehr auffällig wäre dass der Kater komplett weißes Zahnfleisch und Gaumen hätte, der Bauch sich schwammig aufgedunsen anfühlen würde, obwohl er eben erst gestorben war. Er ist sich sicher, dass er innere Blutungen hatte, am Wahrscheinlichsten wäre natürlich ein Autounfall, aber da weder äußerlich etwas zu erkennen war noch die Umstände davor dazu passen wollte, werden wir wohl nie eine eindeutige Antwort bekommen.

Aber eines weiß ich sicher, und damit werde ich mich nun zu trösten versuchen: er ist friedlich gestorben. Er war definitiv nicht nervös, das wäre mir aufgefallen. Er „kam“ auch sonst immer wenn er krank war zu uns, und es war deutlich zu erkennen wenn es ihm nicht gut ging. Sogar wenn er Blähungen hatte und gleich am Katzenklo verschwand kam er immer zu uns und schrie uns vorwurfsvoll an! Er war an dem Abend ganz entspannt mit mir nach draußen gegangen, hatte sich nicht verkrochen, mich nicht auf ihn aufmerksam gemacht, war eindeutig nicht nervös. Er muss wohl auf die Wiese gegangen sein und sich hingelegt haben, wie er es so oft tat. Das letzte was er also mitbekam waren das weiche warme Sommergras, Moosduft und die untergehende Sonne.

Vorwürfe habe ich mir dennoch gemacht. Wenn er Stunden davor irgendwie verletzt worden wäre, hätte ich das doch irgendwie merken müssen! Hätte ich nur achtsamer auf ihn geschaut als er mit mir rausging, das kann doch nicht sein dass man ihm eine Stunde vor seinem Tod nicht angesehen hat dass etwas nicht stimmt! Den besten Trost konnte da meine Herzfreundin spenden: selbst wenn ich es gemerkt hätte, wäre es vermutlich nicht anders ausgegangen. Ich hätte ihn auch dann erstmal vielleicht eine gute Viertelstunde beobachtet, dann hätte ich vielleicht den Arzt angerufen, wäre 15min mit ihm gefahren, und seine letzte halbe Stunde hätte er mit Angst beim Arzt verbracht. Dort hätte er höchstens Schmerzmittel bekommen oder wäre direkt eingeschläfert worden, oder hätte dort bleiben müssen für eine OP am nächsten Morgen, die er eh nicht mehr erlebt hätte. Nein … es ist dann wohl besser, dass er da einschlafen durfte, wo er sich immer so wohl fühlte.

Den Kindern mussten wir natürlich auch erzählen, was passiert war, und davor hatte ich richtig Angst. Der Große versetzte mir mit seinem „ich hab schon alle vermisst, euch und Tibo und Cayleigh“ gleich einen mächtigen Stich. Steinböckchen verstand nicht so recht, was das nun bedeutete, fragte immer wieder „und wenn Tibo dann nicht mehr tot ist?“, aber Rumpel weinte sofort laut und bitterlich los und schluchzte unaufhörlich „aber ich hab ihn doch so lieb, ich will ihn streicheln, ich vermisse ihn so“, und so weinten wir zusammen. Dank König der Löwen konnte ich so ein paar Zitate wiedergeben, dass Tibo uns von den Sternen aus beobachten kann, dass er immer in unseren Herzen sein wird und so weiter. Dem Kleinen reichte das, für den Großen war dieses Erlebnis ein richtiger Schock, und als Grübler, der er nun mal ist, stellte er sofort viele Fragen wie alt Tibo denn war, und wie alt Mama und Papa seien, und dass wir niemals Uroma und Uropa werden dürften damit wir nicht alt werden und sterben. Er kam natürlich auch bald auf den Gedanken, ob man denn nicht auch sterben könnte wenn man noch nicht alt sei, und es brauchte viel und lange bis ich den Eindruck hatte, dass er beruhigt war, einigermaßen eben.

Abends gestalteten wir zusammen den Grabstein. Ich hatte Tibo schon gleich morgens begraben, ohne die Kinder, wollte sie aber irgendwie mit einbeziehen und fand es für den Trauerprozess wichtig sich irgendwie rituell zu verabschieden. Zusammen malten wir also abends dieses Bild auf:

Man sieht hier Tibo (gelb, unten) auf der Wiese liegen, rechts davon unser Haus. Nach der ersten Sonne fragte Rumpel besorgt, ob Tibo die denn sehen könne, schließlich hat er ja nun die Augen zu… „Dann mal ich noch eine, wenn es zwei sind sieht er sie bestimmt!“

 

Ach mein geliebert Biepie, einen wundervolleren Kater hätte ich mir als Fellfreund für meine Kinder nicht wünschen können. Ich bin dir so dankbar für all das, was sie mit dir lernen durfte: Tiere zu lieben und von ihnen geliebt zu werden, zärtlich und achtsam mit ihnen zu sein, andere zu beschützen und für sie zu sorgen, und letztlich… um sie zu trauern. Ich bin so glücklich über die gemeinsame Zeit, die wir mit dir verbringen durften. Wir werden dich niemals vergessen, Knuffelbär.

Auf bald,
Hummelchen

 

emotions · Schwangerschaft

But the Tigers Come at Night

Es ist nun schon fast eine Woche, dass ich nicht mehr schwanger bin. Es fällt mir einerseits schwer überhaupt zu sagen, ich wäre schwanger gewesen, denn eigentlich war da nie ein Baby. Mein Körper aber zumindest war äußerst schwanger, mit allem was so dazu gehört. Seit Montag also ist auch das vorbei.

Ich wusste es schon seit der ersten Ultraschalluntersuchung bei 6+3, wo man zwar eine Fruchthöhle, aber leider nichts anderes erkennen konnte. Ich habe versucht noch ein wenig Resthoffnung zu behalten, aber auch die Woche drauf hat sich an der Diagnose nichts geändert. Der hCG Spiegel schoß weiter in die Höhe, und nach noch einer Woche abwarten riet mein Arzt dringend zu einer Ausschabung, da er nicht ausschließen könne dass das Gewebe (der babylose Trophoblast) wuchere und das … wäre dann nicht so schön.

Nachdem der eigentliche Albtraum ja schon der Verlust des Versprechens auf ein Junibaby war, wollte ich mir eigentlich wenigstens das gerne ersparen, aber auch das sollte nicht klappen und so musste ich aller Angst zum Trotz ins Krankenhaus.

Im Nachhinein kann ich wenigstens sagen, meine Ängste vor der OP waren glücklicherweise nicht berechtigt, und alles lief komplikationslos. Auch danach hatte ich keinerlei Beschwerden, nicht mal etwas das den Namen „Blutung“ verdient hätte. Eine Draufgabe zu diesem ohnehin gräßlichem biographischem Marker war die Anästhesistin, die mir, als ich also festgeschnallt am OP Tisch zur Vorbereitung lag, schluchzend und mit einem Blutdruck der mit 217/150 das Gerät hysterisch werden ließ, noch unbedingt drücken musste, dass ich mit dem Übergewicht ja selber schuld sei an der Fehlgeburt. Ich solle mich mal lieber darum kümmern als ums Schwangerwerden.

Danach ging es mir schnell wieder „gut“, und ich konnte schon mittags wieder heim. Dort quälten mich dann tyische „Beschwerden“, die ich sonst nur von nach Geburten kenne. Hitzewallungen im Gesicht, tausende Pickel, Rückenverspannungen, aber da war auch der Besuch der Hebamme.. Nur kein Schlafmangel, keine winzigen stinkenden Windeln, keine kleine Seele. Alles völlig falsch.

Es wäre zu perfekt gewesen. Ich ahnte früh, dass ich so viel Glück in diesem scheiß Jahr nicht mehr haben werde.
Alles was mir also bleibt ist die Erinnerung an die Vorfreude auf dich, mein liebes Junibaby.

 

But the tigers come at night
With their voices soft as thunder
As they tear your hope apart
As they turn your dream to shame

 

Auf bald,
Hummelchen

 

emotions · Geschwister · Kindergarten · Rumpelstilzchen · Steinböckchen

Freundschaften

Das Rumpelstilzchen war ja immer schon unglaublich .. wie soll ich sagen? Sozial, extravertiert, an anderen sehr interessiert. Mich überrascht das in  positiver Weise, weil er da so ganz anders ist als ich und ich nicht zu hoffen gewagt habe dass mein Kind das halt mal einfach nicht erbt. Ich war schon als kleines Kind extrem schüchtern und zurückgezogen, konnte im Kindergarten die Gesellschaft (mehrerer) Kinder kaum ertragen. Aber nicht so mein Rumpel, der am Liebsten dort ist wo viel Trubel und viele Menschen sind.

Das wirkt sich natürlich auch auf seine Freundschaften aus. Er findet unglaublich schnell Anschluss, quatscht jeden direkt an (auch Fremde auf der Straße, die werden regelrecht verhört was sie grade machen und wieso und wie sie heißen und wo sie wohnen und warum sie „so“ einen Hut aufhaben..) und kann sich auch meist schnell in Grüppchen einklinken, auch (oder grade wenn) die Kinder deutlich älter sind als er. Ich finde das ganz wunderbar!

So kam es dann dass seine ersten besten Freunde im Kindergarten Sechsjährige mit „Schulanfänger“ Status waren. Es ist wirklich erstaunlich welche Zuneigung da in beide Richtungen bestand, einmal waren wir vor Kurzem Einkaufen und die beiden lagen sich geschlagene 5 Minuten einfach nur in den Armen und waren nicht voneinander weg zu bewegen. Und nein, das war nicht nach Einschulung, sondern in einer ganz normalen Woche in der sie sich ohnehin täglich sahen. Entsprechend schlimm war es für Rumpel sie gehen zu lassen. Am Abend vorm neuen Kindergartenjahr lag er schluchzend im Bett. „Meine allerbesten Freunde sind weg und dann hab ich nur noch den Schlumpi [das ist Raupes Spitzname hier] und der darf dann beim Essen nie bei mir sein!“ Es hat mir richtig weh getan, ihn so zu sehen, aber ich weiß auch noch was: das waren nicht seine einzigen besten Freunde. Es waren bestimmt seine ersten, und sicher auch die ALLERbesten, aber es gibt noch andere dicke Freunde, sodass er sicher nicht verloren dastehen würde im neuen Jahr. Nachdem ich ihm versprochen habe, dass wir bestimmt mal ein Treffen mit den beiden ausmachen können war er etwas ruhiger.

Außerdem wissen wir mittlerweile, dass die Raupe in die selbe Gruppe kommen wird. Ich habe lange mit mir gehadert, Vor- und Nachteile abgewogen. Schließlich hat dann der organisatorische Aspekt das Rennen entschieden: nur die Rumpelgruppe hat gemischte Öffnungszeiten. Eine andere hat nur „normale“ (also bis 12Uhr und an 2 Tagen auch 2 Std. Nachmittags), die andere nur verlängerte (also von 7.15-13.45). Jetzt ist es halt nicht so, dass ich gut vorausplanen kann welche Zeiten in Zukunft die besten sind, da ich nach wie vor auf Suche nach Nachmittagsbetreuung bin. Und je nachdem wen wir für wie viele Stunden finden macht es Sinn, die Jungs schon um 12 abholen zu  lassen. (Es gibt da so „Stufen“ und bis 50Std pro Monat zahlt man den ersten Fixbetrag. Wär natürlich doof dann viel weniger Stunden zu buchen und trotzdem im Kindergarten nen höheren Betrag zu zahlen.) Da ich das alles aber halt noch nicht weiß brauch ich größtmögliche Planungsfreiheit, und einen Gruppenwechsel möchte ich den beiden ersparen.

Ich sehe aber schon, dass die Jungs recht unterschiedlich sind, ganz andere Bedürfnisse haben und es sicher schön wäre, wenn sie den Vormittag nicht auch aufeinander kleben müssten. Der Große stiehlt gern die Show, kann das Rampenlicht nicht gut teilen. Der Kleine ist aber ein süßer tapsiger Drops und sichert sich die Zuneigung auch wenn er gar nicht so viel dafür „tun“ muss. Ich kann mir schon vorstellen dass das viel Nährboden für Eifersüchteleien gibt. Andererseits sind sie wirklich so dicke miteinander, dass es mich oft erstaunt. Klar, sie streiten wie die Kesselflicker, wissen haargenau welchen Knopf sie beim anderen drücken müssen damit es komplett eskaliert, aber die meiste Zeit sind sie unzertrennlich, lieben sich innig und können nicht ohne den anderen. Auch im Kindergarten sind die Gruppen offen (nur die kleine von der Raupe nicht, er kann also nicht selber besuchen gehen), und meist klebt auch da Rumpelstilzchen nur an seinem Bruder und ist immer grummelig wenn er zu Programmpunkten wieder raus soll. Insofern ist es vielleicht gar keine schlechte Entscheidung. Außerdem kriegen wir dann nur die Virenkonzentration von einer Gruppe ab! (Haha.)

Aber so Freundschaften sind halt auch ein tolles Übungsfeld. Rumpel saugt das regelrecht in sich auf und ist sehr empfänglich für Erklärungen und Diskussionen. Er liebt soziale Belange, aber man merkt auch dass es ihn viel „kostet“, er steckt viel Energie und Überlegung da rein, und als grundsätzlich ängstlicher Typ entstehen da viele Zweifel. So erst kürzlich diese Unterhaltung.
„Ich hab mit dem Ivan einen groooßen Turm gebaut, der war toll! Und dann hat die Katrin den Turm vom Ivan kaputt gemacht, aber nicht absichtlich, die hat das nicht gewusst dass der Turm wem gehört. Und dann hat der Ivan gesagt ich soll den Turm von der Katrin kaputt machen, und dann hab ich den Turm auch umgeschubst. Weil die ja unseren Turm kaputt gemacht hat!“ – „Und wie hast du dich dabei gefühlt, als du den Turm kaputt gemacht hast? War das ein schönes Gefühl oder ein doofes?“ – „Eigentlich .. nicht so schön. Aber, aber.. der Ivan hat gesagt ich soll das machen!“ – „Naja, du könntest ja trotzdem entscheiden dass du das nicht machen willst, wenns dir eigentlich gar nicht gefällt.“ – „Aber der ist schon Schulanfänger!!“ – „Siehste, so ein Großer kann das bestimmt selber mit der Katrin ausmachen wenn er sich grad über sie ärgert.“ – „Ja.. also wenn ich mal Schulanfänger bin dann mach ich sowas nicht!“ – „Das hat ja jetzt nichts mit Schulanfänger zu tun, du kannst das auch jetzt schon so machen und üben.“ – „Hat das der Johann auch vorher immer geübt?“ – „Na ganz gestimmt. Und was könnte man nun machen statt Turm umschubsen?“ – „Ich will sagen: ‚Nein, Katrin, das darfst du nicht! Das ist mein Turm den sollst du nicht kaputt machen!‘ Gell Mama, und dann muss sie unseren Turm in Ruhe lassen!“

Solche Gespräche gibts grade viele, und ich sehe wie viele Gedanken er sich macht und wie er sich (oft) bemüht das dann auch umzusetzen. Bei der Raupe haben wir da noch ein bissel Weg vor uns. Der würde – sobald keiner hinguckt – Katrin irgendwas über die Rübe ziehen… -.-

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Auf bald,
Hummelchen

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emotions · Kinderwunsch

Na sowas…

Die letzten Tage war ich mehrfach sehr überrascht, im positiven Sinne eigentlich. Denn die Entscheidung, ein 3. Kind zu wollen haben sich weder mein Mann noch ich mir leicht gemacht, eigentlich fiel sie uns ziemlich schwer; inklusive schlechtem Gewissen, dass sie uns so schwer fiel. Ich habe also eigentlich damit gerechnet, nicht mit derselben Begeisterung an die ganze Kinderplanungsgeschichte ran zu gehen. Das hab ich Hibbeltante mir aber gar nicht schlimm vorgestellt, immerhin nimmt es ja doch ein wenig Druck und eine gewisse „Besessenheit“ raus, und so ne grundlegend entspanntere Herangehensweise nach dem Motto „wenns klappt dann klappts, mir beides recht“ wäre sicher ziemlich cool.

Ich frage mich ernsthaft, warum ich mich nach über 30 Jahren nicht ein wenig besser kenne. Denn natürlich, jetzt wo die Entscheidung getroffen ist, jetzt wo ich nicht zwischen den Stühlen sitze sondern beide Backen feste auf diesen krassen 3.0 Hocker gepflanzt habe – da ist sie natürlich, diese Aufregung, dieses Kribbeln. Ich merke das jedesmal, wenn ich das künftige Kinderzimmer betrete. Ich habe das sehr deutlich gemerkt, als ich unser Schlafzimmer so umgestellt habe, dass die Kleiderschränke reinpassen damit dieses Zimmer überhaupt frei wird. Ich merke das daran dass ich dieses Zimmer frei haben wollte!! Das ist ja natürlich total bescheuert, ich bin ja noch nicht mal schwanger. Aber dann rechne ich natürlich – wenn ich schwanger werde, dann sind die nächsten Wochen eh gelaufen und ich völligst unbrauchbar, danach ist Erkältungszeit, da bin ich vermutlich auch gut eingespannt, und so weiter… Blabla natürlich, ich wollte einfach was *tun*. Ich bin auch in einen schräääcklichen Pre-Nestbautrieb verfallen. Mich juckts gar fürchterlich in den Fingern umzuräumen, auszumisten, zu sortieren, zu putzen, herzurichten…. Ich lenke meine Energien diesbezüglich auf den Keller. Das war eh schon längst überfällig, und das ist nicht gar so lächerlich. (Auch wenn ich gedanklich quasi das komplette Zimmer schon eingerichtet hab, jeweils eine Mädchen- und eine Bubenversion, wobei mir letztere besser gefällt weil ich da so eine hübsche Bordüre im Blick habe.)

Lustigerweise trifft das nicht nur auf mich zu. Warum auch immer, ich habe den Eindruck dass der Mann noch nie so gehibbelt hat wie diesmal. Vor der ersten Schwangerschaft war er glaube ich noch sehr unsicher ob er dazu schon bereit ist, nach dem schweren Verlust wusste er das zwar, aber war wohl wie ich ein wenig „betäubt“ und ängstlich, und vor der Schwangerschaft mit der Raupe hatten wir keine Zeit drüber nachzudenken, das war ja wirklich mehr ein wenig Pokern mit dem Schicksal. Aber diesmal… liest er viel regelmäßiger als ich Namenslisten, spricht das Thema Baby überhaupt viel häufiger an als ich. Er fragt viel öfter nach, wann denn nun die beste Zeit ist um zu „basteln“ und macht sich dann wenns so weit ist so viel Stress dass ich ihn kaum wiedererkenne! (Ich wette er ist dann derjenige der den NMT kaum abwarten kann und mich zum frühen testen verleiten will, haha! Aber nix da, vor September wird dieser Zyklus nicht getestet.)

Gestern wars dann wieder bei mir da. Ich wollte in einem Babyfachhandel ein Geburtstagsgeschenk besorgen, und konnte es mir nicht nehmen lassen einen kurzen Schwenker in die Babyklamottenabteilung zu machen. Diese winzigen Teilchen! Und wie sich der Stil doch geändert hat, so im Allgemeinen. Wie angesagt hellgrau, mint, Elefanten und Wolken grade sind! (Ich will nicht klagen…) Das hat keine Minute gedauert, bis es schon beinahe schmerzlich ziepte. Dieser Wunsch, diese Sehnsucht… wie unglaublich, dass das auch wenn man schon 2 wunderbare Kinder hat und wohl objektiv „zufrieden“ damit sein sollte so brennen kann. Beinahe so unglaublich wie die Tatsache, dass ich so gar nicht damit gerechnet hatte…

Natürlich ist es so. Du bist ersehnt und willkommen, das ist so selbstverständlich und automatisch wie atmen. Bitte komm zu uns, mach es dir gemütlich – wir freuen uns schon sehr auf dich.

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Mama und Papa in spe

emotions · Kinderwunsch · wasesist

Es ist was es ist

Das Gedicht von Erich Fried mochte ich schon in meiner Jugend. Es ist eigentlich sehr simpel, es passt auch perfekt zu Teenager-Liebeskummer, aber es hat trotz aller Einfachheit eine Botschaft, die eine entwaffnende Wahrheit enthält. Es ist was es ist sagt die Liebe. Schulterzucken. Ende. Alles gesprochen.

Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Überlegungen und Gedankenkreisel der letzten Monate, ja fast schon eines ganzen Jahres, am Ende bei mir oft auf das rausliefen. Auf diesen einen kleinen Gedanken, dieses eine kleine Etwas, das man nicht wegleugnen oder wegargumentieren kann. Etwas, das so stark aber idiotensicher und unmissverständlich ist, dass es sich nicht auf Dauer ignorieren lässt. Denn da war etwas in mir, ein Gefühl, das als kleiner Keim, als läppischer nicht ernst gemeinter Gedanke begonnen hat und nun immer stärker wurde.

Dieses Gefühl, ich weiß ja nicht mal wie ich es nennen soll… VorLiebe, so als Pendant zu Vorfreude vielleicht? Ich habe immer öfter und dann auch immer deutlicher gespürt, dass mir noch ein Kind fehlt. Ich hatte auch ein sehr absurdes Gefühl, dass es nicht nur mein Wunsch nach einer fünfköpfigen Familie ist (obwohl ich immer wieder wenn ich an die Zukunft dachte, fünf Personen am Tisch sitzen sah, und wann immer ich die Jungs mit unserer kleinen Nachbarin zusammen alleine hatte ein sehr *rundes* Bild empfand), sondern dass ich ein ganz bestimmtes Seelchen herbeiwünsche, herbeiliebe, eine kleine verwandte Seele, ein meinKind, nach dem ich mich sehne und es sich nach mir. Das erscheint mir so albern, dass ich mir beim Tippen mächtig bekloppt vorkomme, aber was solls… Ich seh euch ja weder augenrollen noch schmunzeln! 😉

Dennoch waren lange Zeit die Zweifel übermächtig. Es ist Unsinn, sich dieses Mehr an Stress und potentiellem Geldmangel anzutun war das laute Wort der Vernunft. Oh ich hatte so viele Gründe dagegen. Dass wir jetzt erst wieder ein wenig Zeit als Paar haben, und Freizeit für uns selbst – das wollen wir opfern? Das Zerwürfnis mit den Schwiegereltern – können wir das überhaupt ohne Unterstützung? Was helfen alle diese guten Argumente, wenn mein Herz jedes Mal einen Schlag aussetzt wenn ich denke „scheiß drauf, was wenn wirs einfach machen?“. Eigentlich gab es nur zwei Gründe, die wirklich oft ein k.o.-Kriterium waren: der Mann wollte halt kein Drittes, und mein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht zu 100% ohne Zweifel für ein Kind entscheiden kann, dann ist es vielleicht einfach nicht „das Richtige“, und ich habe dieses 3. Kind schlicht nicht verdient. Bämm.

Und dennoch, die Vorstellung, diesen Wunsch einfach aufzugeben war so schmerzlich. Ich war mir so sicher, ich würde das lange und ausgiebig bereuen, vermutlich sogar „ewig“. Wenn wir es nicht einfach zumindest versuchen. Was wenn wir warten, bis die Bedingungen besser sind (versprochener Arbeitsplatzwechsel des Mannes mehr Richtung Wohnort, sodass er nicht täglich 3 Std. im Zug verbringt, und eine unbefristete Beschäftigung für mich, die Sicherheit nach der Elternzeit garantiert) und es dann einfach vielleicht ein wenig dem Zufall oder Glück überlassen? Ob es uns vielleicht bestimmt ist…?

Der Mann fühlte sich lange mit dieser Idee sehr unwohl, bei ihm haben die Zweifel klar überwogen, aber dann… eines Tages, meinte er plötzlich, er .. hätte doch gern ein drittes Kind. Er war eigentlich eh nie „so“ dagegen gewesen, er wollte sich nur die Nein-Option offenhalten ohne mir zwischendrin falsche Hoffnungen zu machen und die Vorstellung in Ruhe in sich reifen zu lassen.

Damit war es dann eigentlich klar. Ja, wir wollen. Noch einmal. Es ist was es ist sagt der Kinderwunsch.

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Auf bald,
Hummelchen